Praxisassistenz

Hausärztemangel: Laut Studie gibt es dagegen ein Heilmittel

Junge Mediziner begeistern sich mehr als auch schon für Hausarztstellen.

Junge Mediziner begeistern sich mehr als auch schon für Hausarztstellen.

Junge Ärzte wählen den Beruf des Hausarztes, wenn sie sich während ihrer Ausbildung damit befassen und eigene Erfahrung sammeln können.

100 Millionen Franken investiert der Bund, um die Universitätskantone zu unterstützen, mehr Ärzte in der Schweiz auszubilden. Die aktuell 800 bis 900 Studienplätze sollen bis 2025 auf 1300 aufgestockt werden. Denn der Bundesrat hat vor bald zehn Jahren festgestellt, dass für eine gesicherte Gesundheitsversorgung zu wenige Ärzte ausgebildet werden.

Während die Spitäler den Mangel in den letzten Jahren kompensierten, indem sie Mediziner im Ausland rekrutierten, akzentuiert sich der Mangel an Hausärzten. Deshalb investieren die Universitäten spezifisch in die Ausbildung von Hausärzten.

Doch das allein reicht nicht, wie eine neue Studie aus Bern zeigt. Der Verein Junge Hausärzte Schweiz hat zusammen mit Sven Streit, Verantwortlicher für die Nachwuchsförderung am Berner Institut für Hausarztmedizin, untersucht, wieso sich junge Ärzte entscheiden, in einer Hausarztpraxis zu praktizieren. Dabei stellte sich heraus: Die eigene Erfahrung trug massgeblich zum Entscheid bei.

Programme ausbauen

Über 40 Prozent der mehr als 500 befragten Jungärzte haben die Praxis übernommen, in welcher sie als Assistenzarzt eine sogenannte Praxisassistenz absolvierten. «Diese meist kantonal finanzierten Programme wirken, denn sie sind für den Nachwuchs der Steigbügel in die Praxistätigkeit», sagt Sven Streit, der selbst als Hausarzt arbeitet. Eine weitere Erkenntnis: Die jungen Hausärzte wollen längst nicht nur in den Städten praktizieren.

Der Nachwuchs zieht auch in ländliche Gebiete und in Agglomerationen – wobei die meisten jungen Ärzte sich einer Doppel- oder Gruppenpraxis anschliessen. Dies liegt unter anderem im Wunsch begründet, Teilzeit zu arbeiten. Sven Streit sagt dazu: «Früher waren Arbeitsbedingungen und Karriereoptionen im Spital interessanter. Heute hat das gekehrt, der Hausarztberuf hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen – auch weil sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen.»

Für viele Kantone, die einen Hausarztmangel beklagen, sind dies interessante Erkenntnisse. Zum Beispiel für den Kanton Thurgau, wo 40 Prozent der Gemeinden über keine hausärztliche Grundversorgung mehr verfügen. Der Kanton sucht nach Lösungen, entwickelt einen «Werkzeugkasten» mit Handlungsmöglichkeiten auf kantonaler und kommunaler Ebene. Für Sven Streit liegt eine Massnahme auf der Hand: «Die Kantone sollten noch stärker in Praxisassistenzprogramme investieren.»

So hätten im Kanton Bern bis heute rund 165 junge Ärzte eine Praxisassistenz absolviert, schweizweit waren es in den letzten zehn Jahren geschätzt 500. Bern habe erkannt, dass die Praxisassistenz ein sehr wirksames Mittel zur Bekämpfung des Hausärztemangels sei. Der Kanton baut die Stellen von 21 auf neu 35 Stellen aus.

Das Programm sei auch für ältere Hausärzte attraktiv, die ihre Praxis an die nächste Generation übergeben wollen. «Ausserdem müssen wir den frühen Kontakt zwischen den Studenten und der Praxis herstellen.» Denn wenn die Ärzte, wie bis vor Kurzem üblich, in ihrer elfjährigen Aus- und Weiterbildung nicht einmal eine Hausarztpraxis von innen gesehen haben, wissen sie nicht, was sie erwartet und wie vielfältig der Beruf des Hausarztes sein kann.

Grosse Wirkung, tiefe Kosten

Die jungen Hausärzte leiten aus diesen neuen Erkenntnissen eine Reihe von Forderungen ab. Regula Kronenberg, designierte Präsidentin des Vereins der jungen Hausärzte, fasst zusammen, welche Rahmenbedingungen angepasst werden müssten. «Es sollten neue, für Junge finanzierbare Praxismodelle geschaffen werden, es braucht eine noch stärkere Präsenz der Hausarztmedizin im Studium und wir benötigen dringend flexible Arbeitszeitmodelle.»

Dafür sei die Unterstützung der Politik gefragt. Denn Investitionen in die Hausarztmedizin würden sich lohnen. Hausärzte können gut 94 Prozent aller Gesundheitsprobleme behandeln – selbstständig und abschliessend, auch in komplexen Situationen. Hausärzte verursachen jedoch nur rund 8 Prozent der gesamten Gesundheitskosten.

Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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