Am 1. April ist es üblich, andere Leute an der Nase herumzuführen. Genau das wollen sich die Hausärztinnen und Hausärzte aus Basel-Stadt und Baselland nicht mehr bieten lassen, denn «wir haben die Nase voll», sagte Astrid Lyrer, Präsidentin der Hausärzte beider Basel (VHBB) vor an die 1000 Berufskolleginnen und -kollegen, Praxisassistierenden und Sympathisierenden auf dem Barfüsserplatz.

Patienten als Leidtragende

Die Rednerliste war mit elf  Persönlichkeiten sehr lang ausgefallen, verdeutlicht indessen den Ernst, mit dem die Hausärzte für ihre Sache kämpfen wollen. Dabei ist die Senkung der Labortarife nur ein Grund, weshalb die Grundversorger auf die Strasse gehen. Die Tarife sollen um rund 20 Prozent gesenkt werden, dabei orientiere sich die Revision an der Leistungsfähigkeit von Grosslabors mit einem hundert Mal grösseren Umsatz. Da können Hausärzte selbst mit Gruppenpraxis betriebswirtschaftlich nicht mithalten, wurde an der Pressekonferenz einhellig versichert.

Die Leidtragenden seien, so Christoph Hollenstein, Ressort Kommunikation beim VHBB, die Patientinnen und Patienten und die Medizinischen Praxisassistierenden. Wenn Patienten für die Laboranalyse einen zusätzlichen Gang machen müssen und die Resultate später vorliegen, dann gehe dies auf Kosten einer schnellen und speditiven Behandlung. Weniger Labors bedeuteten zudem weniger Arbeitsplätze für Praxisassistentinnen, womit diese Berufsgruppe gefährdet sei, stellte Lukas Wagner von der Ärztegesellschaft Baselland fest.

Grossrat und Präsident der MedGes Felix Eymann hielt fest, dass der Lohn der Stadtbasler Hausärzte landesweit an zweitletzter Stelle stehe. Da hätten junge Medizinstudierende bei laufend schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen kein Interesse, als Hausarzt zu arbeiten. Mit der Reduktion der Labortarife sei das Mass voll. Eymann forderte, «dass der Entscheid von Bundesrat Pascal Couchepin rückgängig gemacht werde oder er sich selbst rückgängig mache».

Verständnis für die Anliegen der Hausärzte bekundete auch Regierungsrat Carlo Conti. Die Gesundheitsdirektoren der Kantone würden denn auch hinter den Hausärzten stehen, doch hätten die Kantone leider nur beschränkte Einflussmöglichkeiten.

Gesundheitsdirektor Conti forderte die Hausärzte auf, ihre Stimme vermehrt innerhalb des eigenen Berufsstandes zu erheben. Ein Zeichen in die richtige Richtung ist für Conti die Gründung des Instituts für Hausarztmedizin in Bern, eines Instituts, das es in Basel bereits an der Universität gibt.

Motion für Masterplan

Auf höchster politischer Ebene stehe demnächst eine Motion im Ständerat auf der Traktandenliste, die einen Masterplan gegen den Ärztemangel und für die Hausarztmedizin verlange, führte der Baselbieter Ständerat Claude Janiak aus. Er und seine Partei, die SP, forderten, dass der bundesrätliche Entscheid sistiert werde. Zumal der Bundesrat sich für die Motion ausgesprochen habe, aber entgegen dessen Anliegen handle. Auch Janiak verwies darauf, dass die Hausärzte sich bei ihren Berufskollegen Gehör verschaffen müssen.

Mangel an Hausärzten

«Bis 2013 werden in den beiden Basel rund 300 neue Hausärzte benötigt, um den status quo zu halten», sagte Peter Tschudi, Vorsteher des Instituts für Hausarztmedizin. Eine Zahl, die beim derzeitigen Interesse der Medizinstudierenden am Hausarztberuf nie rekrutierte werden könne.

Die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» soll dem Berufsstand wieder zu mehr Anerkennung verhelfen. Ausserdem ist laut Carlo Conti geplant, den Ärztestopp für Grundversorger aufzuheben. Am Ende der Demonstration wurden Ballone mit dem Slogan «Adie Couchepin» losgelassen.