Gaddafi

Hat sich die Situation für Max Göldi nun doch verschlechtert?

Die Experten sind sich uneins: Die Kriegserklärung des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi sei für Max Göldi keine Gefahr, sagt der Nahostexperte Arnold Hottinger. Libyen-Kenner Jean Ziegler widerspricht «Göldis Lage ist besorgniserregend».

Der in Libyen festgehaltenen Aargauer Max Göldi durfte bis vor kurzem darauf hoffen, vor Ablauf der viermonatigen Haft in die Schweiz zurückkehren zu können. Doch gestern hat der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi vor Tausenden von Zuhörern zum Dschihad - dem heileigen Krieg - gegen die Schweiz aufgerufen und damit für eine weitere Verschärfung in der Libyen-Affäre gesorgt.

Wie hat sich dadurch die Lage von Max Göldi verändert? «Wenn die Schweiz jetzt nicht falsch reagiert, dann sehe ich kein Risiko für Göldi», sagt Arnold Hottinger, Islam-Kenner und langjähriger Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung» im Nahen Osten. Die Schweiz dürfe jetzt keine Polemik vom Zaun reissen. Hottingers Tipp: «Keinen Lärm machen und Gaddafis Ehre nicht weiter ankratzen.»

Streit unter Experten?

Dass Gaddafi zum Dschihad ausgerufen habe, bedeute nicht, dass die libyschen Behörden nun nicht mehr mit der Schweiz über das weitere Schicksal Göldis verhandeln dürften, ist Hottinger überzeugt. Wie wenig ernst man Gaddafi in der arabischen Welt nimmt, hat Hottinger, der im Moment im Oman weilt, heute wieder mit eigenen Augen gesehen: «Der Aufruf zum heiligen Krieg war in den Zeitungen nur eine Randnotiz wert.»

Unter dem Strich sind sich Islam- und Arabien-Kenner einig: Der gestrige Ausruf zum heilen Krieg gegen die Schweiz des libyschen Revolutionsführers Muammar Gaddafi stellt für die Schweiz keine unmittelbare Gefahr dar. Gaddafi sei gar nicht berechtigt zum Aufruf und zudem hätten seine Worte in der arabischen Welt kein Gewicht. Nur: Für den in Libyen festgehaltenen Schweizer Max Göldi habe sich die Situation dadurch verschlechtert, wie Libyen-Kenner Jean Ziegler glaubt. «Göldis Lage ist besorgniserregend», ist Ziegler überzeugt. Denn hinter den Kulissen hätten die Geheimverhandlungen zwischen Libyen und der Schweiz zur Freilassung Göldis weiter gehen sollen. «Doch nach dem gestrigen Auftritt Gaddafis wird sich kein libyscher Diplomat nur einen Millimeter weit bewegen», befürchtet Ziegler. Sein Rat für den Bundesrat: «Sich von Gaddafi nicht provozieren zu lassen.»

Sukkurs aus Italien

Für Göldi stark macht sich auch der italiensiche Aussenminister Franco Frattini. Er hat nach dem Aufruf Gaddafis zum «Dschihad» gegen die Schweiz zur Ruhe aufgerufen. Es sei weder im Interesse Europas noch im Interesse Italiens, wenn sich die Lage verschärfe.

Frattini rief Libyen zudem auf, alle internationalen Verpflichtungen einzuhalten, namentlich die Behandlung der Gefangenen. Der Schweizer Max Göldi sitzt seit Montag in einem libyschen Gefängnis.

UNO verurteilt Gaddafis Äusserungen

«Wir hoffen auf eine umgehende Lösung im Streit zwischen der Schweiz und Libyen», sagte Frattini der Internetzeitung «Affaritaliani.it», wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Er reagierte damit auf eine Rede Gaddafis vom Donnerstag.

Darin hatte der libysche Machthaber zum «Heiligen Krieg» gegen die Schweiz aufgerufen. Die Schweiz sei wegen des Minarettverbots «ungläubig» und «abtrünnig» argumentierte er.

Auch die Vereinten Nationen haben inzwischen auf die Äusserungen Gaddafis reagiert. Die gestern erklärten Absichten des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi seien untragbar, sagte UNO-Generaldirektor Sergei Ordzhonikidze in Genf auf die Frage eines Journalisten. «Solche Erklärungen aus dem Munde eines Staatschefs sind nicht hinnehmbar».

UNO will in Genf bleiben

Er hoffe, dass «wir einen Angriff gegen die UNO-Gebäude verhindern können», sollte es zu einer solchen Bedrohung kommen, sagte die Nummer eins der Vereinten Nationen in Genf.

Zudem widersprach Ordzhonikidze Gerüchten, wonach Libyen den europäischen Sitz der UNO von Genf in ein anderes Land verlegen wolle. Er habe nie ein offizielles Schreiben aus Tripolis mit diesem Inhalt erhalten, sagte er. (mru/rsn)

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