von Alfred Borter

Sie haben sich seit Jahren bemüht, die Attraktivität der Zürcher City als Einkaufsort zu fördern. Aber hat die City überhaupt eine Chance gegen all die Einkaufszentren rund um Zürich?

Robert Ober: Klar, die City von Zürich ist attraktiv. Was die Kundinnen und Kunden hier vorfinden, ist historisch gewachsen, die Ambiance und der Mix des Angebots - und dabei meine ich nicht allein das Ladenangebot -, das lässt sich nicht einfach durch ein Megacenter auf der grünen Wiese ersetzen. Diese Vielfalt in Zürichs Innenstadt ist einzigartig.

In der Stadt selber gibt es zur City auch noch neue Konkurrenz, mit Sihlcity etwa.

Sihlcity fürchten wir nicht. Es liegt so nahe bei der richtigen City, dass wir der Auffassung sind, die Leute kommen lieber zu uns. Abgesehen davon haben wir die besseren Magnete, insbesondere die Warenhäuser, welche Kunden in grosser Zahl anlocken. Und Parkplätze, womit die Zentren draussen auftrumpfen, hat Sihlcity viel weniger anzubieten.

Um die Parkplätze in der Innenstadt hat die City-Vereinigung mit der Stadt einen jahrelangen erbitterten Streit ausgefochten. Ist das immer noch das grösste Problem?

Sie werden erstaunt sein, wenn ich jetzt sage: Nein. Wir konnten verständlich machen, dass es ganz einfach Parkplätze braucht. Wo solche fehlen, sind die Einkäufe, das haben Studien klar gezeigt, um ein Vielfaches geringer als dort, wo solche vorhanden sind. Parkplatzmangel haben wir am Samstag, an katholischen Feiertagen und sechs Wochen vor Weihnachten. Sonst genügt das Angebot, nicht zuletzt dank dem Parkhaus Gessnerallee.

Was ist denn das grösste Problem?

Der Angebotsmix darf sich nicht verschlechtern. Es darf nicht sein, dass sich nur noch Juweliere und Textilanbieter halten können. Und die Stadt muss zugänglich bleiben. Glücklicherweise sind Ideen wie Road-Pricing politisch wieder in den Hintergrund gerückt, das würde Zürich massiv schaden. Und als problematisch sehen wir auch die vielen Baustellen an, welche, auch wenn sie nötig sind, den Verkehr behindern. Das bekommen wir zu spüren.

Sie haben sich auch stark für längere Ladenöffnungszeiten und Sonntagsverkäufe eingesetzt und einiges erreicht. Sind Sie jetzt zufrieden?

Nein, noch nicht. Wir sind froh um die beiden Sonntagsverkäufe im Dezember, noch besser wären drei, stattdessen gibt das Polizeidepartement dem Silvesterlauf den Vorzug. Ganz wichtig war der Kampf um längere Ladenöffnungszeiten zunächst im Shopville. Wir haben uns besonders dafür eingesetzt, dass die Bahnhofläden den Publikumsbedürfnissen entsprechend offen halten dürfen, und das Stimmvolk hat uns erfreulicherweise dreimal Recht gegeben. Im Zusammenhang damit sind dann auch generell die Ladenöffnungszeiten in Zürich liberalisiert worden. Ich denke, hier wir haben erreicht, was sinnvoll war.

Es gab Zeiten, da waren City-Vereinigung und Stadt öfters im Clinch. Hat sich das geändert?

Wir werden jetzt als Gesprächspartner viel besser akzeptiert. Wir haben den Tatbeweis erbracht, dass wir konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten. Wir müssen nicht von Anfang an einig sein, aber dann gilt es eben, die besseren Argumente vorzubringen und nicht aufzugeben. Und nötigenfalls Hartnäckigkeit und Beisskraft zeigen.

Um die Attraktivität Zürichs zu steigern, veranstaltet die City-Vereinigung teils belächelte, teils auch sehr gelobte Aktionen wie die mit Löwen oder Kühen und jetzt mit Blumentöpfen. Haben die eine Wirkung?

Auf jeden Fall. Dank den Kühen, über die in aller Welt berichtet worden ist, kam eine Million Menschen zusätzlich in die Stadt. Chicago war so begeistert, dass die Aktion gleich übernommen wurde. Wir hoffen natürlich, dass die künstlerisch gestalteten Blumentöpfe ebenso Wirkung entfalten.

Werden Sie sich nicht etwas unterbeschäftigt fühlen, wenn Sie jetzt im Mai das Präsidium der City-Vereinigung abgeben?

Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich die gewonnene Zeit nicht gleich mit neuen Tätigkeiten ausfüllen werde. Aber ich kann mir vorstellen, wenn man irgendwo einen Querdenker sucht in einem Verwaltungsrat, dann könnte ich dort einsteigen.

Stadtpräsident Elmar Ledergerber hat eine betont wirtschaftsfreundliche Politik betrieben. Denken Sie, seine Nachfolgerin, Corine Mauch, werde damit weiterfahren?

Wer auch immer in den Stadtrat gewählt wird, merkt, dass man nicht genau nach Parteibüchlein vorgehen kann. Das wirtschaftliche Florieren der Stadt muss allen am Herzen liegen.

Was vermissen Sie in Zürich, etwa am Limmatquai?

Ich könne mir sehr wohl vorstellen, dass es dort «Bouquinistes» geben könnte wie in Paris entlang der Seine, also Verkäufer von Büchern und anderen Dingen. Eine Flaniermeile ist der Limmatquai noch nicht. Da braucht es mehr Leben.

Einen Hafenkran, wie von der Stadt als temporäre Attraktion vorgesehen?

Den sehe ich als Fehlentscheid an.

Was bleibt Ihrem Nachfolger zu tun?

Als mein Nachfolger vorgeschlagen ist der jetzige Vizepräsident, Milan Prenosil von der Confiserie Sprüngli. Die Ladenöffnungszeiten vor Weihnachten werden ihn sicher beschäftigen, ferner die Frage, wie man die Parkplatzbedürfnisse der Kundschaft befriedigt, wenn der Münsterhof autofrei wird. Das Opernparkhaus ist für diese Gegend einfach zu weit weg. Aber grundsätzlich kann man sagen: Der Detailhandel in der Innenstadt ist gut aufgestellt.