Polit-Talkshow
«Hart aber fair»: Wie ein deutscher Politiker Roger Köppel als Populisten entlarvt

Roger Köppel war wieder mal in der deutschen Polittalkshow «Hart aber fair» zu Gast. Dort bemühte er sich, seinen Ruf als Populist loszuwerden. Dabei hat er aber nicht mit dem Aussenpolitiker Norbert Röttgen gerechnet, der ihn nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt.

Drucken
Teilen

Ausgerechnet Roger Köppel hat die ARD in die Talkrunde bei «Hart aber fair» zum Thema «Die Methode Trump – erobern Krawallmacher die Macht?» eingeladen.

Die Diskussion zwischen CDU-Politiker Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, Ingo Zamperoni, ARD-Korrespondent in Washington, Dirk Schümer Europakorrespondent von «Die Welt», Kabarettist Serdar Somuncu und eben Roger Köppel wird schnell von dem in Deutschland beliebten Schweizer Importtalkgast dominiert, wenn auch zu seinen Ungunsten.

Die Diskussionsrunde v.l.: Roger Köppel, Serdar Somuncu, Ingo Zamperoni, Dirk Schümer und Norbert Röttgen.

Die Diskussionsrunde v.l.: Roger Köppel, Serdar Somuncu, Ingo Zamperoni, Dirk Schümer und Norbert Röttgen.

screenshot/ard

In erster Linie liefern sich der CDU-Aussenpolitiker Röttgen und Köppel hitzige, aber kompetente Duelle, während Kabarettist Somuncu auf eher hemdsärmlige Seitenhiebe gegen Köppel setzt. Somuncu gibt aber zumindest schon zu Beginn der Sendung zu, ein Populist zu sein. Ganz im Gegensatz zu Köppel. Das tut später ein anderer für ihn.

Norbert Röttgen gibt auf die Einstiegsfrage von Moderator Plasberg zu, Angst vor Donald Trump zu haben. Bei Köppel sieht das natürlich ganz anders aus. «An Trump finde ich weniger seine Person oder Politik interessant, sondern der enorme Zulauf, den er hat», sagt Köppel.

Das sei Ausdruck eines gewaltigen Unbehagens und einer Unzufriedenheit in der amerikanischen Bevölkerung, setzt er in bekannter SVP-Manier an. Und fährt weiter mit der gewohnten Verteufelung des «Establishments» und der «Intelligenzia», die derart hochnäsig seien, dass sie das Volk gar nicht mehr ernst nehmen. Deswegen sei Trump in Amerika so erfolgreich.

Damit ist Aussenpolitiker Röttke erstmals richtig angestachelt: «Trump ist die reine Stimme der Wut», sagt er, «er wirft der Politik vor, die Probleme nicht zu lösen, macht aber keinen einzigen Lösungsvorschlag.» Für dieses Statement erntet er heftigen Applaus:

Das ist für Köppel ein guter Steilpass. Er mimt den Volksversteher und versucht Röttgen als eben gerade einen dieser Höchnäsigen vom arroganten Establishment hinzustellen. Mit der Tatsache, das Trump so viele Anhänger habe, setze er voraus, dass die Leute sich Angst einjagen lassen würden, meint Köppel. «Aber unterschätzen Sie den Wähler nicht. Er hat ein genauso gutes, wenn nicht sogar ein besseres Differenzierungsvermögen als Sie». Köppels Statement sitzt:

Doch diesen Vorwurf will Röttgen dann wieder nicht auf sich sitzen lassen. «Ich habe das Gegenteil von dem gemacht, was Sie sagen. Ich vertraue darauf, dass das Volk differenzieren kann. Doch Sie zeichnen das Feindbild ‹Politiker›.» Wie das Populisten tun:

Damit nähert sich Köppel immer mehr dem gefährlichen Terrain. Moderator Plasberg zitiert aus einem seiner Editorials in der «Weltwoche» in dem Köppel kolportiert, dass die Deutsche Regierung selber schuld sei, wenn die Asylheime brennen. Und dabei bleibt er dann auch – beteuert aber im selben Statement, kein Populist zu sein:

Damit hat Röttgen Köppel am Hacken. «Herr Köppel, man kann ja alles sportlich nehmen», setzt Röttgen an, «aber das ist der entscheidende Schritt zu weit. Damit legitimieren sie Gewalt an Menschen. Damit nehmen Sie sogar Tote in Kauf, wenn man einfach bloss unzufrieden ist mit der Regierung. Das ist die Brandstiftung. Und das tun Sie mit einem Lächeln», sagt er. Und Köppel wird das alles sichtlich unangenehm:

Aber damit ist Röttgen noch nicht fertig. Während Roger Köppel versucht, sich da rauszuwinden, die Unfairness betont, dass Kritiker einfach als Populisten abgstempelt werden, holt der deutsche Aussenpolitiker zum Todesschlag aus: «Sie sind wirklich ein Fallbeispiel, wie agiert wird», ruft er. In einer ersten Welle würde Köppel Fackeln werfen, dann sich distanzieren und erklären, dass das so nicht gemeint war. Dies gelingt ihm ausgezeichnet:

Köppel weiss sich nichts anderes zu tun, als zu einem beleidigten Gegenschlag auszuholen indem er sagt, das sei jetzt eben typisch: «Ein Kritiker Ihrer falschen Politik wird automatisch zum Legitimierer von Gewalt und Sie diffamieren mich persönlich.»

Trotz allen Versuchen ist die Diskussion für Köppel damit gelaufen. Das Schlusswort gehört dann noch ARD-Washington-Korrespondent Ingo Zamperoni, der versöhnlich erklärt, dass die Spaltung der Gesellschaft durch den Populismus in Amerika dann doch eine Nummer schlimmer sei als in Deutschland. Vielleicht lädt die ARD das nächste Mal trotzdem einer ihrer eigenen Populisten ins Fernsehen ein, als auf den Schweizer Export zu setzen.

Aktuelle Nachrichten