Münchenstein

Harassenlauf in Münchenstein wird illegal

Weil niemand die Verantwortung für den Bierlauf zwischen Reinach und Münchenstein übernehmen wollte, gilt der Anlass nach neuem Polizeigesetz als verboten.

Birgit Günter

Heute läuft die Bewilligungsfrist ab. Bis heute, also einen Monat vor dem Anlass, hätte sich ein Organisator des Harassenlaufes melden müssen. Doch von den rund 2000 Jugendlichen, die jedes Jahr mit Bierkästen von Reinach nach Münchenstein laufen, hat niemand die Verantwortung für den 1.-Mai-Anlass übernehmen wollen.

«Es wurde kein Gesuch eingereicht», bestätigt Guido Siegrist von der Münchensteiner Gemeindepolizei. Und dass bis heute Abend, in letzter Sekunde, noch ein Organisator auftaucht, glaubt er nicht. Der Organisator hätte für die Sicherheit, Sauberkeit und für Toiletten sorgen müssen - eine schwierige Aufgabe bei einem Anlass, an dem Tausende von spasseswütigen und betrunkenen Jugendlichen durch die Gegend ziehen.

Anzeige oder Busse gegen Teilnehmer

Doch ohne Bewilligung gilt die Massenveranstaltung per sofort als illegal. Die Gemeinde Münchenstein hat im vergangenen Dezember ihr Polizeigesetz abgeändert (siehe Infobox). «Wer am Harassenlauf trotzdem teilnimmt, macht sich darum strafbar», betont Dieter Leutwyler, Mediensprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion. «Die Person wird verzeigt oder muss eine Busse zahlen.»

Nichts entlocken lässt sich Leutwyler zu den Vorbereitungen und Plänen der Polizei. «Wir sind aber bereit, uns an die jeweilige Situation anzupassen», hält er fest. «Schlupflöcher» für die Jugendlichen gibt es jedoch einige. Am offensichtlichsten ist die Gruppengrösse. Der Paragraf verbietet Massenbesäufnisse ohne Bewilligung erst ab einer Gruppengrösse von 200 Personen. Um den Paragrafen zu umgehen, müssten sich die Jugendlichen einfach in kleineren Gruppen organisieren.

Klar ist dabei aber auch: Der Harassenlauf in seiner bisherigen, chaotischen Form ist auf jeden Fall tot. Merkmal des Anlasses war im vergangenen Jahrzehnt gerade die unorganisierte, anarchistische Vorgehensweise gewesen. Generell hoffen die Behörden jedoch, dass die Beteiligung wegen der erschwerten Bedingungen und der Illegalität «jetzt massiv zurückgeht».

Jugendliche: Jetzt erst recht

Auf der Internetplattform Facebook sind jedoch kämpferische Töne der Jugendlichen zu hören. Es gibt diverse Gruppen mit Namen wie «Wir lassen uns den Bierlauf nicht verbieten», in denen unter dem Motto «Jetzt erst recht» zum 17. Harassenlauf aufgerufen wird. Tenor der Jugendlichen ist: Wir lassen uns von der Politik, die damit nur auf Stimmenfang geht, nicht unseren Spass verderben. Jemand hält fest: «Nicht ein Verbot wird uns stoppen - nein, es ist die Vernunft, die uns stoppt.» Zum Erwachsenwerden gehörten aber solche Jugend-Exzesse dazu, heisst es.

Auslöser für den härteren Kurs der Politik und die Änderung des Münchensteiner Polizeigesetzes waren die Vorfälle mit den beiden Schwerverletzten im vergangenen Jahr gewesen.

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