Weltausstellung
Happiger Vorwurf: Schweiz zahlt für Expo in Mailand Dumpinglöhne

Das Aussendepartement sucht für die Expo 2015 in Mailand 52 Mitarbeitende. Der Monatslohn zwischen 1600 und 2700 Franken sorgt für Diskussionen.

Gerhard Lob, Lugano
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Kaum mit dem Aufbau begonnen und schon hagelts Kritik: Nicolas Bideau, Direktor Präsenz Schweiz (rechts), und Emanuele Rossetti, CEO der Baufirma Nüssli Italia, bei der Grundsteinlegung für den Schweizer Pavillon letzte Woche an der Expo Milano 2015.

Kaum mit dem Aufbau begonnen und schon hagelts Kritik: Nicolas Bideau, Direktor Präsenz Schweiz (rechts), und Emanuele Rossetti, CEO der Baufirma Nüssli Italia, bei der Grundsteinlegung für den Schweizer Pavillon letzte Woche an der Expo Milano 2015.

Keystone

Vor wenigen Tagen wurde im Mailänder Ausstellungsgelände Rho-Pero der Grundstein für den Bau des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung 2015 gesetzt. Während das Schweizer Projekt somit seine konkrete Umsetzungsphase erreicht hat, begann die federführende Abteilung Präsenz Schweiz als Teil des Generalsekretariates des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit der Rekrutierung des Personals.

In korrektem Englisch (Work with us!), aber fehlerhaftem Deutsch (Arbeits mit uns Expo Milano 2015!), werden auf der Homepage des Schweizer Pavillons insgesamt 52 Mitarbeitende gesucht, die während der sechsmonatigen Weltausstellung zwischen Mai und Oktober 2015 den Schweizer Pavillon animieren und die Öffentlichkeitsarbeit erledigen sollen: Mitarbeiter für Event Management, Guest Relations, Kommunikation und Administration.

Die Liste der Voraussetzungen für die Jobs ist lange und reicht je nach Funktion von Berufserfahrung über ein gepflegtes Erscheinungsbild bis zu unternehmerischem Denken und Führungserfahrung. In den Positionen werden mindestens zwei Schweizer Amtssprachen, aber eigentlich immer gutes Italienisch sowie Englisch verlangt. Flexibilität bei den Arbeitszeiten versteht sich von selbst.

Mit Verpflegung und Reisekosten

Die Brutto-Monatssaläre reichen von 1600 Franken für Gästebetreuer bis maximal 2700 Franken für Temporärangestellte in Führungspositionen. Dazu kommen eine Verpflegungspauschale von Fr. 37.50 pro Tag sowie gratis Unterkunft in einer Vierer-Wohngemeinschaft. Das EDA finanziert zudem die An- und Abreise nach Mailand.

Angesichts dieser Bedingungen spricht der Tessiner Koordinator der Grünen, Sergio Savoia, von einem Lohndumping des Bundes. Schweizer Studenten, die zu Hause laufende Kosten hätten, könnten sich dieses Abenteuer kaum leisten. Ähnlich argumentiert die Tessiner Lega, die sich ihrerseits bestätigt fühlt, für die Expo keine Beiträge zu sprechen. Am 28. September wird im Tessin über ein entsprechendes Referendum abgestimmt.

Ganz anders sieht es der Tessiner Regierungsrat Paolo Beltraminelli, der in der Arbeit im Schweizer Pavillon gerade für helvetische Studenten italienischer Muttersprache eine einzigartige Gelegenheit sieht, Berufserfahrungen in einem internationalen Umfeld zu sammeln. «Man sollte nicht immer nur auf den Lohn schauen», so der CVP-Magistrat, «ich würde auch barfuss nach Mailand laufen, um einen solchen Job zu haben.»

Bereits 540 Bewerbungen

Präsenz Schweiz weist den Vorwurf des Lohndumpings weit von sich. «Diese Löhne sind ortsüblich und vergleichbar mit den anderen Expo-Teilnehmerländern», sagt EDA-Mitarbeiter Andrea Arcidiacono, der für das Expo-Programm in Mailand verantwortlich zeichnet. Es gehe darum, vor allem Studenten eine Möglichkeit zu bieten, Berufserfahrungen zu sammeln. Rechne man die Kosten für Verpflegung und Unterkunft in einer Stadt wie Mailand auf die Saläre um, reichten die Löhne von 4800 bis 5925 Franken.

Diese Umrechnung scheint zwar sehr grosszügig angesetzt, doch tatsächlich scheinen sich potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten von den Bedingungen kaum abschrecken zu lassen. Im Gegenteil: Bisher sind laut Arcidiacono schon 540 Bewerbungen eingegangen. Und die Bewerbungsfrist läuft noch.