Hallwiler äussern sich zu ihrer Post

Der Postschalter Hallwil ist nur vier Stunden täglich geöffnet. (Bild: Irena Jurinak)

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Der Postschalter Hallwil ist nur vier Stunden täglich geöffnet. (Bild: Irena Jurinak)

Die Zukunft der Post Hallwil ist ungewiss. Die Filiale gehört zu den 420 Standorten, die von der Post zurzeit überprüft werden. Der Gemeinderat fragte nun die Bevölkerung nach ihrer Meinung.

Irena Jurinak

Im Herbst gilt es ernst. Dann treffen sich der Gemeinderat Hallwil und Vertreter der Schweizerischen Post, um über die Zukunft der Filiale in Hallwil zu sprechen. Um für die Verhandlungen gerüstet zu sein, startete der Gemeinderat in der aktuellen Ausgabe der Monatszeitschrift «der Hallwiler» eine Umfrage bei der Bevölkerung: «Poststelle Hallwil, wohin?».

Man wolle wissen, welche Meinung die Einwohner zur Post im Dorf haben. «Wir möchten bei den Gesprächen die Volksmeinung vertreten und nicht die Behördenmeinung», sagt Gemeinderat Christian Müller. «Nicht, dass wir uns für einen Erhalt der Filiale einsetzen und die Bevölkerung hätte lieber einen Haus-Service.»

Post bald ganz geschlossen?

In der Umfrage wollte man auch wissen, wie zufrieden die Einwohner mit dem heutigen Service und den Öffnungszeiten sind. Seit sechs Jahren gelten in Hallwil eingeschränkte Öffnungszeiten - jeweils zwei Stunden morgens und nachmittags. Aus Sicht des Gemeinderates wären längere Öffnungszeiten am Abend erwünscht. «Bei den stark frequentierten Zeitfenstern morgens und abends ergeben sich längere Wartezeiten.»

Weiter schreibt der Gemeinderat im «Hallwiler», im Klartext bedeute die «Überprüfung» (siehe Box), dass die betroffenen Filialen geschlossen und durch eine Agentur oder einen Haus-Service ersetzt werden sollen.

Da es in Hallwil keinen Laden gibt, müsste für eine Agentur ein anderer Partner gesucht werden. Die Gemeindekanzlei käme beispielsweise infrage. Für den Gemeinderat ist die Agenturlösung allerdings nicht kundenfreundlich, da diese zu einem deutlich reduzierten Dienstleistungsangebot führe. «Die Beratungsqualität ist nicht auf demselben Niveau, da Agenturunternehmer nur eine ‹Schnellbleiche› durchlaufen», schreibt der Gemeinderat.

Erich Schmid, Kommunikationsverantwortlicher Poststellennetz, widerspricht. Mit den Agenturen - aktuell sind es 244 in der ganzen Schweiz - habe man gute Erfahrungen gemacht. «Sie decken den alltäglichen Bedarf vollumfänglich ab.»

Auch Umsatz wird geprüft

Für den Gemeinderat Hallwil bedeutet auch die zweite Alternative, ein Haus-Service, einen Dienstleistungsabbau. Diese Lösung nütze nur denjenigen, die den ganzen Tag zu Hause seien. «Sie dient weder den Werktätigen noch dem Gewerbe, das zum Teil darauf angewiesen ist, mehrmals täglich Pakete oder dringliche Offerten zur Post bringen zu können.»

Wie die Bevölkerung zu den einzelnen Lösungen steht, will der Gemeinderat bis nach den Sommerferien auswerten. Einsendeschluss der Antworttalons war am Montag. Bisher sind 61 Antworten eingegangen, was rund 20 Prozent der Haushalte in Hallwil entspricht. Laut Erich Schmid von der Schweizerischen Post fliesst die Haltung der Bevölkerung in die Überprüfung der Poststelle ein.

Allerdings würden auch harte Fakten geprüft: der Umsatz, wie häufig die Filiale besucht werde, wie viele Briefe, Pakete oder Einzahlungen über sie laufen, sowie die Enwicklung in den letzten Jahren. «Sagt die Bevölkerung, ‹wir möchten die Post behalten›, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache, wird nach einer Lösung gesucht.» Kommt es zu keiner Lösung, kann die Gemeinde die unabhängige Kommission Poststellen anrufen.

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