Halal schlägt in Frankreich durch
Halal schlägt in Frankreich durch

Eine Hamburgerkette stellt in manchen Filialen das ganze Fleischsortiment auf Halal um. Das Geschäft mit Halal-Fleisch erlebt in Frankreich einen wahren Boom. Einzelne Restaurants führen nur noch islamisch korrektes Fleisch in ihren Menüs.

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Polemik um Halal-Burger

Polemik um Halal-Burger

Stefan Brändle, Montreuil

Der «Long beef» schmeckt, wie Hacksteaks in einem Schnellimbiss eben schmecken: Man geht schnell darüber hinweg. Dem Hamburger einen religiösen Beigeschmack zu unterstellen, wäre pure Einbildung. Dabei ist das Fleisch, das man hier im Fastfood-Lokal Quick im Pariser Vorort Montreuil schluckt, halal, das heisst islamisch korrekt: Es entstammt von einem Rind, das nach Mekka gedreht und mit einem Messerschnitt durch den Hals geschlachtet wurde, während ein Prediger eine Koransure zitierte.

Quick, die zweitgrösste Hamburgerkette in Frankreich nach McDonald's, bietet seit Anfang September in vierzehn Lokalen nur noch korangerecht geschächtetes Fleisch an. Ein Novum selbst für Frankreich, wo ein Zehntel der 65 Millionen Einwohner Moslems sein dürften. In Immigranten-Vororten bieten wenige Restaurants zwar seit längerem schon Halal-Fleisch als Menüalternative an.

Quick (926 Mio. Euro Umsatz, 468 Lokale mit 18 500 Angestellten) geht nun aber einen Schritt weiter. Denn einem Versuch mit islamisch reinem Fleisch in einem halben Dutzend Lokalen war ein unerwartet grosser Erfolg beschieden: Der Umsatz verdoppelte sich in wenigen Monaten. Stammkunden bleiben offenbar kaum aus, neue Besucher wurden gewonnen.

Halal lösst Polemik aus

Auch die Kundschaft vor dem Quick von Montreuil ist gemischt - wie der ganze Arbeiter- und Einwanderervorort. An der Eingangstür des Lokals heisst es in nicht übertrieben grossen Lettern: «Das Fleisch in diesem Restaurant ist garantiert halal.» Eine sehr pariserisch wirkende Frau mit zwei Kindern zuckt die Schulter: «Wir essen hier sowieso nicht, wir trinken nur etwas.»

Die Verkäuferinnen weichen der Frage ebenfalls aus. Sie wissen, dass der Begriff «halal» in Frankreich schon einige Polemiken ausgelöst hat, die letzte rund um Quick. Schon als die belgischstämmige Kette in Frankreich die ersten Halal-Experimente machte, setzte es Proteste ab. Ein Bürgermeister in Nordfrankreich reichte Klage wegen «Diskriminierung» nichtislamischer Bürger ein.

In Montreuil kontert der lokale Quick-Gerant Eric Azan, es werde niemand gezwungen, das Lokal zu betreten. Oder es nicht zu betreten. Andere Religionen - er denkt dabei an seine eigene, die jüdische - befolgten auch gewisse, zum Beispiel koschere Essensregeln. Auch der Vorsteher des ganzen Quick-Konzerns, Jacques-Edouard Charret, hält halal für banal. «Wir wollen niemanden bekehren, wir wollen nur Marktanteile gewinnen. Das schafft zudem Arbeitsplätze.» Im Quick von Montreuil wurden im Zuge der Halal-Spezialisierung zwanzig zusätzliche Arbeitsverträge abgeschlossen.