Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Diese Erfahrung musste kürzlich auch der Romanshorner Silvan Mumenthaler machen. Der politisch aktive Rollstuhlfahrer hatte aufgeatmet, als die Polizei einen Unbekannten schnappte, der ihn und seine Frau über ein Jahr lang belästigte – mit Anrufen, sexistischen SMS und E-Mails, ebenso mit Buchungen für Hotels und Kreuzfahrten sowie Pizzabestellungen. Doch anscheinend geht jetzt alles wieder aufs Neue los.

Es begann mit einem Brandanschlag

«Es fing an mit einem Mini-Brandanschlag am Fenster», sagt Mumenthaler. Seine Frau Elke sei zu Hause am Putzen gewesen, als sie herbe Russflecken entdeckt habe. «Sieht aus wie Grillanzünder.» Doch damit nicht genug: Weiter ging es mit vollen Hundekot-Säckchen, die jemand gleicherorts mit Steinen deponiert hatte. Zuletzt fand der Rollstuhlfahrer ein Hakenkreuz in seinem Briefkasten (siehe Bilder). «Meine Frau hat Angst», sagt Silvan Mumenthaler.

Das verkohlte Fenster.

Das verkohlte Fenster.

Der lokal bekannte Amateur-Funker, gegen den sich die Anschläge hauptsächlich richten, kann das Ganze nicht nachvollziehen. Zumal nach einem Strafantrag siebzig Prozent der früheren Straftaten aufgedeckt wurden. «Die Delikte des Übeltäters waren Beschimpfung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage.»

Das Hakenkreuz in seinem Briefkasten macht für ihn keinen Sinn, da er von sich sagt: «Ich bin stolz auf die Schweiz, aber habe nichts gegen Ausländer.» Er habe als Bodyguard in ganz Europa gearbeitet und in Basel ein Taxigeschäft mit einem Albaner betrieben. «Ich komme mit allen aus.» Kinder würden mit ihm spielen wollen, einen Rentner begleite er regelmässig auf seinem Sonntagsspaziergang. Silvan Mumenthalers Schlussfolgerung: «Es handelt sich um einen Racheakt oder um einen Trittbrettfahrer.»

Der Hundekot-Beutel.

Der Hundekot-Beutel.

Der Rollstuhlfahrer hat indessen Akteneinsicht verlangt. «Der 19-Jährige, den die Polizei geschnappt hat, war laut eigener Aussage wütend auf mich.» Zwar sei er behindert, sagt Silvan Mumenthaler, aber «mir geht’s gut und ich mache was»: In wenigen Tagen findet auf der Hafenplattform ein Militärkonzert statt, das er organisiert hat. «Der Junge könnte es also nochmals gewesen sein, oder dann seine Kollegen.»

Neuer Strafantrag gestellt

«Es handelt sich um einen Racheakt oder um einen Trittbrettfahrer», sagt Stalking-Opfer Silvan Mumenthaler.

«Es handelt sich um einen Racheakt oder um einen Trittbrettfahrer», sagt Stalking-Opfer Silvan Mumenthaler.

Unterdessen haben die Mumenthalers eine neue Anzeige eingereicht. Der Inhalt: Ehrverletzung, üble Nachrede, Verleumdung, Beschimpfung, Rassismus und Brandstiftung. Staatsanwälte und Polizisten hätten sich denn auch gleich darum gekümmert. Aber: Laut ihnen liegt kein Straftatbestand vor. «Ein Hitlerkreuz ist erst rassistisch, wenn man es in der Öffentlichkeit braucht. Und uns wurde gesagt, der Briefkasten könnte verwechselt worden sein.» Silvan Mumenthaler hätte erwartet, dass wenigstens zusätzliche Patrouillen am Wohnort verkehren würden. Was ihn weiter ernüchtert: Das Strafmass. «Tausend Franken Busse wären schon viel», sagt der Hobby-Funker.