Natelantenne

«Haben nichts anderes erwartet»

Silvia Enzler, vor ihrem Wohnhaus, das Zeichen des Kampfes zeigt (fuo)

Silvia Enzler

Silvia Enzler, vor ihrem Wohnhaus, das Zeichen des Kampfes zeigt (fuo)

Der Urdorfer Gemeinderat bewilligte eine Mobilfunkantenne im Siedlungsgebiet an der Bahnhofstrasse 69. Die «IG Antenne 69», die Gegnerschaft, gibt sich noch nicht geschlagen. Silvia Enzler kämpft trotzdem weiter gegen die Mobilfunkantenne.

Flavio Fuoli

Silvia Enzler (36) und ihr Vater Robert Enzler sind der Kopf der «IG Antenne 69». Bei ihnen laufen die Fäden der Gegnerschaft zur Natelantenne der Sunrise an der Bahnhofstrasse zusammen. Sie wohnen schliesslich auch gleich einen Steinwurf daneben. Letzte Woche erteilte der Gemeinderat die Baubewilligung trotz lang anhaltenden Protesten einer weiteren Anwohnerschaft. Silvia Enzler ist Soziologin, hat bald drei Kinder und ist eine waschechte Urdorferin. Die LiZ hat sie befragt.

Die Gemeinde hat die Natelantenne bewilligt; das musste für Sie ein Schock sein.
Silvia Enzler: Nein, wir haben von den Gemeindebehörden nichts anderes erwartet. Die Gemeinde hat sich am wenigsten für einen konstruktiven Dialog bereit erklärt. Wir haben in den letzten paar Wochen Unterlagen zusammengestellt aus diversen Gemeinden und Kantonen zum Thema Natelantenne. Wir haben von der Gemeinde daraufhin nichts erfahren. Wie uns Bauvorstand Locher schon im ersten Gespräch gesagt hatte, gingen wir von der Bewilligung aus. Obwohl wir immer Material geliefert hatten, kam von der Gemeinde in den letzten Wochen nie etwas zurück. Sunrise beziehungsweise Alcatel als ihre Tochter führten mit uns im Gegensatz zur Gemeinde ein konstruktives Gespräch. Der Liegenschafteneigentümer wollte vom Vertrag zurücktreten, wurde aber wohl von Sunrise unter Druck gesetzt wegen des bereits unterzeichneten Vertrags. Es hat uns nicht eingeleuchtet, aber Sunrise will natürlich einen Standort und der Liegenschaftseigentümer profitiert finanziell. Enttäuscht sind wir von der Gemeinde auch, weil noch weitere Baugesuche für Natelantennen eingehen werden. Es gibt hier noch keine Lösung.

Was werden Sie und Ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter unternehmen?
Enzler: Wir werden bei der Baurekurskommission I des Kantons Zürich Rekurs einreichen. Damit sollte man den Bau zwei Jahre hinauszögern können.

Und was ist in zwei Jahren?
Enzler: Das weiss ich noch nicht. Aber wir wollen den Liegenschaftenbesitzer auffordern, den Vertrag ordentlich zu kündigen. Das geht nach fünf Jahren, der Vertrag läuft dann noch fünf Jahre. Nach zehn Jahren wäre dann fertig.

Wie schätzen Sie den Erfolg Ihrer möglichen Massnahmen ein?
Enzler: Wir erreichen sicher ein Hinauszögern. Es ist vieles im Tun in Sachen Natelantennen und ihren Auswirkungen auf den Menschen. Viele Gemeinden oder Städte rekurrieren oder führen neue Regelungen oder Gesetzesänderungen ein. Daneben läuft ein Nationalfondsprojekt zur nichtionisierenden Strahlung, von dem die ersten Ergebnisse im Herbst erwartet werden (www.nfp57.ch).

Was genau untersucht dieses Projekt?
Enzler: Die Auswirkungen der nichtionisierenden Strahlung auf Umwelt und Gesundheit.

Wenn die Antenne trotz allem kommt, was empfehlen Sie den Leuten, um sich vor den Auswirkungen derselben zu schützen?
Enzler: Ich bin keine Expertin. Ich bin aber überzeugt, gewisse Leute reagieren sensibel darauf. Denen bleibt nur der Umzug. Wir könnten, auch wegen der Kinder, das Haus abschirmen, mit metallischen Folien und Lamellen für die Scheiben. Man kann auch die Hausfassade abschirmen, aber dem Mieter bleibt nichts anderes übrig als der Umzug. Ich bin nicht esoterisch und habe auch nicht das Gefühl, diese Strahlung löse auf jeden Fall Krebs aus. Ich bin aber nicht sicher, ob ich diese Dauerexposition auf längere Zeit für meine Kinder verantworten kann. Man weiss, dass die Strahlung genetische Veränderungen auslöst. Und ausserdem fehlt es in Urdorf nicht an der Grundversorgung von Sunrise, sondern es geht um die Technik UMTS, mit der man Videos, Chats und Fernsehen vom Handy aus verfolgen kann.

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