Gleichstellung
Haben die Männer bald ganz das Nachsehen?

Die Schweiz wird immer frauenfreundlicher. Im grossen Gleichstellungsreport des World Economic Forum rangiert die Schweiz erstmals unter der ersten Zehn. Das geht vor allem auf Kosten der Männer. Wo die Männer in der Schweiz schlechter gestellt sind.

Sarah Weber
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Im Bundesrat sind schon schon in der Minderheit. Von der Armee bis zum Sorgerecht: Die Liste, wo Männer gegenüber der Frauen in der Schweiz auf verlorenem Posten steht, ist nicht kurz. Hier die Übersicht:

1. Armeepflicht

Der obligatorische Wehrdienst gilt in der Schweiz nur für Männer. Für Schweizerinnen ist der Militärdienst freiwillig. So steht es im Artikel 59 der Bundesverfassung. Männer, die keinen Militärdienst leisten wollen oder für untauglich erklärt werden, müssen aber entweder einen Einsatz im Zivilschutz oder Zivildienst leisten oder bei Untauglichkeit eine Wehrpflichtersatzabgabe zahlen.

2. Bildung

In der Schulbildung wurde lange Zeit auf verstärkte Mädchenförderung gesetzt. Mittlerweile ist eine Mehrheit der Maturanden weiblich und Frauen sind seit 2008 an Schweizer Universitäten auch in der Überzahl. Förderprogramme, die in Zukunft wieder einen Ausgleich herstellen, gibt es viel weniger. Auch wurde versucht, Männerberufe für Frauen attraktiver zu machen. Umgekehrt wurden weniger Anstrengungen unternommen, um Jungs für Frauenberufe zu begeistern.

3. Sorgerecht für Kinder

Bei Scheidungen wird in den meisten Fällen das Sorgerecht der Mutter übertragen. Väter sind so oft vom Goodwill der Mutter abhängig, wenn es um Besuchsrechte und Betreuungspflichten bei den Kindern geht. Väterorganisationen haben sich nun für ein gemeinsames elterliches Sorgerecht starkgemacht, dass Vätern in unverheirateten, getrennten oder geschiedenen Verhältnissen gleiche Rechte geben soll. Der Bundesrat wird demnächst eine Gesetzesvorlage präsentieren.

4. Vaterschaftsurlaub

Müttern steht nach der Geburt gemäss Gesetz 14 Wochen Mutterschaftsurlaub mit 80 Prozent des Lohns zu. In der Schweiz steht einem frischgebackenen Vater offiziell ein einziger bezahlter Urlaubstag zu. Je nach Kanton und Unternehmen wurde der Vaterschaftsurlaub aber auf mehrere Tage bis zu einem zweiwöchigen Urlaub ausgedehnt. Danach besteht manchmal die Möglichkeit, noch unbezahlten Urlaub zu beziehen. Angestellte in kleineren Unternehmen haben so aber oft weniger Privilegien. 2008 blieb die Forderung von Nationalrätin Franziska Teuscher nach einem Vaterschaftsurlaub von mindestens acht Wochen ohne Chance. In Frankreich, Spanien, Schweden oder Deutschland ist der Vaterschaftsurlaub längst gesetzlich geregelt. Beispielsweise erhalten Eltern in unserem nördlichen Nachbarland insgesamt 47 Wochen Urlaub zum vollen Lohn.

5. Teilzeitstellen

Meist wird die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie lediglich auf die Frau fokussiert. Unternehmungen in der Privatwirtschaft, die auch Männern gute Lösungen mit Teilzeitstellen anbieten, sind wesentlich seltener als solche, die Teilzeitarbeit für Frauen anbieten.

6. Rentenalter

Für Männer gilt heute das ordentliche Rentenalter von 65 Jahren. Frauen hingegen können bereits mit 64 Jahren ihre Rente beziehen. Die Männer sehen sich dadurch auf doppelte Weise benachteiligt. Sie müssen einerseits länger arbeiten, zahlen also mehr Beiträge in die AHV ein. Sie erhalten aber durch das höhere Rentenalter später, also auch weniger Bezüge. Durch die längere Lebenserwartung der Frauen verstärkt sich dies weiter.