Atomkraft

Gutachten: Alle drei Standorte für neues Atomkraftwerk geeignet

Für den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz kommen weiterhin alle drei zur Diskussion stehenden Standorte in Frage. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) erachtet die Standorte in Beznau AG, Gösgen SO und Mühleberg BE als geeignet.

Aus Sicht der nuklearen Sicherheit könne an allen drei Standorten ein neues Kernkraftwerk gebaut werden, sagte ENSI-Direktor Hans Wanner am Montag vor den Medien in Bern. Der Schutz von Mensch und Umwelt vor Radioaktivität könne sichergestellt werden.

Um den Bau eines Atomkraftwerkes bewerben sich der Stromkonzern Alpiq am Standort Gösgen sowie die Konzerne Axpo und BKW an den Standorten Beznau und Mühleberg. Aus Sicht des ENSI haben sie den Nachweis für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle erbracht.

Gefährdung durch Erdbeben untersuchen

Mit Blick auf eine Baubewilligung formuliert das ENSI allerdings Auflagen. So sollen alle drei Standorte weitere Abklärungen zur Erdbebengefährdung treffen. Das ENSI verlangt, dass sie Mikrobeben erfassen und die Gefährdung unter Berücksichtigung des lokalen Baugrunds analysieren.

Eine weitere Auflage betrifft die Strahlenbelastung in der Umgebung. Heute beträgt die maximal zulässige Strahlenexposition 0,3 Millisievert pro Jahr. Das ENSI hält nun fest, dass dieser Richtwert für den gesamten Standort gilt, also auch dann, wenn die alten AKW während einer Übergangsphase parallel zu den neuen Anlagen in Betrieb sind.

Hochwasserschutz sicherstellen

Für den auf einer Aareinsel gelegenen Standort Benznau verlangt das ENSI zusätzliche Angaben zum Hochwasserschutz. Beim Standort Mühleberg wiederum sieht es eine mögliche Gefährdung durch Felsstürze, Steinschlag und Rutschungen. Anders als das bestehende AKW würde das neue in einem "potenziellen Rutschgebiet" gebaut, erklärte Wanner.

Eine "Rangliste" lasse sich aus diesen Befunden nicht erstellen, betonte Wanner. Aufgabe des ENSI sei es nicht, die Standorte miteinander zu vergleichen, sondern zu prüfen, ob sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllten.

Flugzeugabstürze einkalkulieren

Laut Wanner sind die Anforderungen an die geplanten Atomkraftwerke höher als jene an die bereits existierenden. Beispielsweise muss die Schutzhülle einem Absturz von Flugzeugen jeglicher Grösse standhalten. Die bestehenden Anlagen erfüllen diese Anforderung nicht. Sie müssen deshalb auf andere Weise sicherstellen, dass es bei einem Absturz nicht zu einer Kernschmelze käme.

Als nächstes nimmt nun die Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) Stellung zu den ENSI-Gutachten. Anfang 2011 erhalten dann die Kantone Gelegenheit, sich zu den drei Gesuchen zu äussern. Die öffentliche Auflage erfolgt Mitte 2011. Damit falle der Startschuss für das Einspracheverfahren, sagte Franz Schnider, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie.

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