Coronavirus

Gut die Hälfte aller Coronafälle geht auf das Konto von nur drei Kantonen

Auch in den Kantonen Bern und Zug gilt demnächst: Maske auf beim Einkaufen.

Auch in den Kantonen Bern und Zug gilt demnächst: Maske auf beim Einkaufen.

Manche Kanton melden sehr viele Coronafälle, andere sind weniger betroffen. Woher kommen diese Unterschiede?

Die Tendenz sei klar steigend, allerdings unterschiede sich die Entwicklung von Region zu Region, sagte Bundesrat Alain Berset diese Woche. Ein Blick in die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigt: Die Unterschiede sind tatsächlich beträchtlich. In den letzten zwei Wochen waren drei Kantone für gut die Hälfte der Fälle verantwortlich – Zürich, Waadt und Genf. Innert 14 Tagen meldeten sie zusammen mehr als 3300 Fälle.

Während die Waadt die Fälle nach Einführung weiterer Massnahmen etwas senken konnte, stiegen sie in Genf und Zürich in den letzten Tagen an. Heruntergerechnet auf die Anzahl Einwohner stehen allerdings auch manche kleinere Kantone nicht gut da (siehe Karte), darunter auch ländlich geprägte – wobei bei kleinen Kantonen ein Cluster mit mehreren betroffenen Personen auch stärker ins Gewicht fällt.

Die aktuelle Situation in den Kantonen:

Bern und Zug reagieren auf steigende Fallzahlen

Vergleichsweise hoch sind die Fallzahlen beispielsweise in Schwyz, Nidwalden und Zug. Letzterer ging am Mittwoch in die Offensive: Ab Samstag gilt in Zuger Läden eine Maskenpflicht. Noch weiter geht der Kanton Bern: Ab Montag muss in allen«öffentlich zugänglichen Innenräumen» Maske getragen werden. Darunter fallen neben Läden beispielsweise auch Museen, Gotteshäuser und Bahnhöfe. In Restaurants, Bars, Clubs dürfen Gäste die Maske zudem nur ablegen, wenn sie am Tisch sitzen.

«Die Maskenpflicht ist auch ein Zeichen, dass das Virus nach wie vor da ist», sagte der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP). Er rief die Bevölkerung dazu auf, die Abstands- und Hygieneregeln zu befolgen: «Es wäre schade, wenn wir aus Gründen der Unachtsamkeit und einem gewissen Laissez-faire sogar bei kleineren Gruppierungen strenge Regeln einführen müssten.»

Schwyz sieht keinen Nutzen in Maskenpflicht

Eine Maskenpflicht in den Läden gilt bereits in den Westschweizer Kantonen sowie in Zürich, Basel-Stadt, Solothurn und Wallis. Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) hatte dies Mitte September als eine mögliche Massnahme für besonders betroffene Kantone empfohlen.

Manche wollen davon allerdings nichts wissen. Der Kanton Schwyz – auch er vergleichsweise stark betroffen – sieht von einer Maskenpflicht ab. Die Begründung:

Was machen Basel, Luzern, Thurgau und Aargau richtig?

Auffällig ist, dass einige Kantone wie Tessin, die beiden Basel, Luzern, Thurgau und Aargau gemessen an der Bevölkerungszahl derzeit tiefe Fallzahlen verzeichnen. Gerade Basel als drittgrösste Stadt des Landes überrascht. Was machen diese Kantone richtig? Basel, Aargau und Luzern verweisen auf Anfrage auf die getroffenen Massnahmen.

Der Luzerner Regierungsrat Guido Graf sagt, es sei davon auszugehen, dass die aktuell vergleichsweise tiefen Fallzahlen im Kanton das Ergebnis der verschiedenen Schutzmassnahmen seien. «Einzelne Faktoren hervorzuheben, würde aber zu kurz greifen.» Zudem spiele sicher auch die Disziplin der Bevölkerung beim Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln eine Rolle.

Auch im Aargau heisst es, die Massnahmen zeigten Wirkung. Michel Hassler, Sprecher des Aargauer Gesundheitsdepartements, schränkt allerdings ein:

Früher oder später wäre daher ein Angleichen an andere Kantone zu erwarten, meint er. «Grundsätzlich dürfte sich das Virus in Ballungszentren aufgrund der höheren Personendichte besser verbreiten, aber eine Portion Zufall ist natürlich auch dabei», so Hassler.

Trotz schweizweit steigender Fallzahlen ist die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren nach wie vor überzeugt, dass es richtig ist, das Zepter bei den Kantonen zu lassen: «Es ist weiterhin der richtige Weg, dass die Kantone jene Massnahmen ergreifen, die auf die jeweiligen Gegebenheiten zugeschnitten sind.» Die Kantone bauten ihre Contact-Tracing-Kapazitäten bei Bedarf und der Situation angepasst laufend aus.

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Autor

Maja Briner

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