Windenergie
Günstiger Wind für Windpark-Projekt

Ausser aus den aargauischen Nachbargemeinden ist nicht viel Widerstand gegen die Windenergieanlage im Gebiet Burg in Kienberg SO in Sicht. Aber vieles muss noch geklärt werden, bis sich über Kienberg die Rotoren drehen werden.

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Windenergieanlage in Kienberg geplant

Windenergieanlage in Kienberg geplant

Schweiz am Sonntag

Von Ueli Wild

Sind ein Naturpark und ein Windpark vereinbar?

Das Solothurner Bau- und Justizdepartement hat entschieden, dass das Gebiet Burg bei Kienberg als potenzieller Windpark-Standort festgesetzt werden soll. Einwände waren von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und aus der aargauischen Nachbarschaft eingegangen, nicht aber aus dem Kanton Solothurn, auch nicht aus Kienberg selbst. Der Fricktal Regio Planungsverband sowie die Gemeinden Oberhof und Wölflinswil sprachen sich gegen eine Festsetzung aus. Sie stossen sich unter anderem an der guten Einsehbarkeit des exponierten Standorts aus der Ferne und daran, dass die Erschliessung zum Teil über Aargauer Gebiet erfolgen müsste. Der Kanton Aargau findet, das Gebiet Burg sei erst reif für ein Zwischenergebnis. Für eine allfällige spätere Festsetzung sei eine koordinierte Planung der beiden Kantone erforderlich. Es sei damit zu rechnen, dass im Aargauer Richtplan ganz in der Nähe ein Windpark-Standort Strihen festgesetzt werde. Obschon vereinbart wurde, dass die weitere Planung unter Einbezug aller Beteiligten beidseits der Kantonsgrenze erfolgen solle und obwohl von Solothurner Seite zugesichert wurde, dass auf Stufe Nutzungsplanung «in Kenntnis aller Grundlagen» eine umfassende Interessenabwägung vorgenommen werde, hält der Aargau an seinem Antrag fest. Das Windpark-Projekt tangiert auch das Projekt Jurapark Aargau, bei dem Kienberg seit Anfang Jahr als einzige nichtaargauische Gemeinde dabei ist. Das Gesuch um Anerkennung als regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung hat Dreiklang im Januar beim Bund eingegeben. Auch da stellt sich die Frage, wie ein Windpark in Kienberg mit dem Naturpark zu vereinbaren ist. (uw)

Das Solothurner Bau- und Justizdepartment hat Stellung genommen zu den Einwendungen im Richtplanverfahren «Windenergie». Markus Schmid vom Raumplanungsamt konstatiert, dass beim Regierungsrat keine Beschwerde eingegangen ist. Ausserkantonale Einwender wie die Gemeinden Wölflinswil und Oberhof sind nämlich gar nicht beschwerdeberechtigt.

An einer Infoveranstaltung der Bürgergemeinde Kienberg, der grössten Grundeigentümerin im Gebiet Burg, erklärte Schmid, dass die Windräder hoch oben auf dem bewaldeten Bergrücken mit den drei Lichtungen vom Dorf aus nicht zu sehen sein würden. Auch das zischende aerodynamische Geräusch würde man nicht hören - die Distanz und die Höhendifferenz seien zu gross. Das erklärt Peter Schwer von der Firma Vento ludens, welche die Anlage bauen und betreiben möchte.

Kienbergs Bevölkerung scheint keine Probleme mit einem Windpark weitab von jeder menschlichen Behausung zu haben. Schwer rechnete den Anwesenden vor, welchen Nutzen ihnen der Windpark bringen könnte. Was für die Gemeinde Kienberg besonders verlockend sein dürfte: Dank zusätzlichen Einnahmen steht eine Stärkung der Finanzkraft in Aussicht. Auch den Landeigentümern winken Einnahmen. Die Eignung des Standorts steht für Schwer ausser Zweifel: Das Potenzial sei ausreichend, der Standort tangiere kein Schutzgebiet und es liege weitab vom bewohnten Gebiet. Es bestünden mehrere Netzanschlussmöglichkeiten. Dazu kommt die Festsetzung im Entwurf des kantonalen Richtplans.

Aber der Weg bis zur Inbetriebnahme ist weit. Ist die kantonale Richtplananpassung abgeschlossen, geht das Ganze an den Bund. Dann folgt die Nutzungsplanung, wo ein koordiniertes Vorgehen mit dem Kanton Aargau vereinbart worden ist. Letztlich liegt die Hoheit bei der Gemeinde. Schmid erläuterte, dass noch viele Fragen geklärt werden müssen. Windmessungen müssten zeigen, dass der Standort wirklich geeignet sei. Allein die Vogel- und die Windbeobachtung, schätzt Vento-ludens-Geschäftsführer Thomas Weyer, benötigen je ein Jahr. Drei bis fünf Jahre würden daher bis zur Baubewilligung ins Land gehen. Ein, zwei weitere Jahre erfordere der Bau der Anlage. Für bis sieben Jahre dürfte der Wind also weiter nur in den Baumwipfeln rauschen.