Bundesratswahlen
«Günstige Konstellation»: Präsidentin der CVP-Frauen fordert weibliches Doppelticket

Für die Nachfolge von Doris Leuthard fordert Babette Sigg ein weibliches Doppelticket. Die Chancen dafür stünden gut, glaubt die Präsidentin der CVP-Frauen Schweiz.

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Die CVP-Kandidaten Heidi Z’graggen, Elisabeth Schneider-Schneiter und Peter Hegglin (von links) mit Noch-Bundesrätin Doris Leuthard.

Die CVP-Kandidaten Heidi Z’graggen, Elisabeth Schneider-Schneiter und Peter Hegglin (von links) mit Noch-Bundesrätin Doris Leuthard.

Philipp Schmidli

Bei der CVP, so konnte man in den vergangenen Tagen immer wieder lesen, herrsche eine mittlere bis grössere Unzufriedenheit über das Personal, das sich bis jetzt für den Kampf um den frei werdenden Bundesratssitz von Doris Leuthard zur Verfügung gestellt hat. Gestern nutzten die drei Kandidaten, die bis jetzt ihre Ambitionen offengelegt hatten, die Delegiertenversammlung in Luzern, um sich parteiintern in einem vorteilhaften Licht zu präsentieren.

Der Zuger Ständerat Peter Hegglin, die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen und die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter schüttelten jedenfalls eifrig Hände. Und: Vorbehalte, die zuvor meist anonym in Presseartikeln formuliert worden waren, schlugen ihnen nicht entgegen. Vielmehr erhielten die Kandidaten viele aufmunternde Worte. Mit offenem Visier wurden sie nicht angefeindet – jedenfalls nicht an der DV in Luzern.
Erfreut über die beiden Frauenkandidaturen zeigt sich Babette Sigg. Die Präsidentin der CVP-Frauen Schweiz fordert die CVP Schweiz denn auch dazu auf, der Vereinigten Bundesversammlung für die Wahl am 5. Dezember zwei Frauen zu präsentieren. «Die Konstellation ist günstig. Und vielleicht wirft mit der Walliser Nationalrätin Viola Amherd bald noch eine dritte Frau den Hut in den Ring», sagt Sigg.

Die CVP-Frauen kontaktieren nach Leuthards Ankündigung vom letzten Jahr, spätestens auf Ende der Legislatur zurückzutreten, potenzielle Kandidatinnen. Sigg bietet den Politikerinnen, die sich für das höchste Exekutivamt im Land bewerben, Support an. Sie müssten jetzt eine dicke Haut haben und mit Angriffen auf ihre Person, auch in den sozialen Medien, rechnen. Dass an den christdemokratischen Kandidaten und Kandidatinnen herumgemäkelt wird, zum Teil auch aus den eigenen Reihen, stört Sigg: «Das ist sachlich nicht gerechtfertigt. Es ist anmassend, den drei gestandenen Politikern das Bundesratsformat abzusprechen», sagt sie.

Lobende Worte von Ständerat Josef Dittli

Am Donnerstag hat Heidi Z’graggen ihre Kandidatur angekündigt. Die Urner Justizdirektorin hat einen Nachteil: Das eidgenössische Parlament kennt sie nicht so gut. Auch innerhalb der CVP gibt es Stimmen, die von einem mangelhaften Netzwerk auf eidgenössischer Ebene sprechen. Ist die DV eine gute Gelegenheit, um in eigener Sache zu werben bei den CVP-National- und den CVP-Ständeräten? «Selbstverständlich freut es mich, eidgenössische Parlamentarier zu treffen», sagt die 52-jährige Z’graggen. Ein allzu offensives Lobbying betrieb sie indes nicht. «Man kennt mich in der Partei», sagt Z’graggen, die auch schon in der CVP-Parteileitung sass und seit 14 Jahren als Urner Regierungsrätin wirkt. «Dieses Amt ist anspruchsvoll. Ich stelle meine Erfahrung zur Verfügung.» Seit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur habe sie viel spontane Unterstützung erfahren, etwa auf der Strasse in Altdorf.

Jetzt hofft die studierte Politologin auch auf den Support der CVP-Fraktion, sprich die Nomination für das offizielle christdemokratische Bundesratsticket. Vor unvorteilhaften Medienberichten fürchtet sich Z’graggen nicht: «Es geht um das höchste Amt in unserem Staat, und da ist es für mich eine Voraussetzung, dass ich mit unterschiedlichen Positionen umgehen kann.»

Der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli sass mit Z’graggen während mehrerer Jahre gemeinsam in der Regierung. Er lobt die Justizdirektorin. «Sie hat die Fähigkeiten für das Bundesratsamt. Sie denkt strategisch, ist teamfähig, hat aber auch Durchsetzungsvermögen. Ihr Handicap sei der fehlende Bekanntheitsgrad in Bern.

Ein glühendes iPhone

Dieses Problem hat Elisabeth Schneider-Schneiter nicht. Die Baselbieter Nationalrätin politisiert seit acht Jahren in Bern und präsidiert derzeit die aussenpolitische Kommission. Sehr intensiv sei die Zeit gewesen seit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur. «Mein iPhone glüht», sagt sie. Von kritischen Stimmen dürfe man sich jetzt nicht verunsichern lassen. «Ich werde selbstbewusst meinen Weg gehen», sagt die 54-jährige Juristin. Negative Schlagzeilen müsse man aushalten. «Politiker werden nicht von allen geliebt.» Und die Frauenfrage? Soll die CVP-Fraktion keine Männer auf den Schild heben? «Dieser Entscheid liegt bei der Fraktion.» Sie wolle nicht wegen ihres Geschlechts, sondern wegen ihrer Fähigkeiten nominiert werden, sagt Schneider-Schneiter.

Die CVP-Kantonalparteien haben bis 25. Oktober Zeit, Kandidaten aufzustellen. Die CVP-Fraktion wird Mitte November entscheiden, wie viele und welche Kandidaten sie dem Parlament zur Wahl vorschlägt. Ob Sigg mit ihrer Forderung nach einem reinen Frauenticket durchdringt, ist offen. Parteipräsident Gerhard Pfister hat mehrfach betont, die CVP könne es sich nicht leisten, keine Frau zu portieren.

Doris Leuthard – ihre Karriere in Bildern:

Ab 1997 im Aargauer Grossen Rat, kandidiert Doris Leuthard 1999 für den National- und Ständerat. Der damalige CVP-Parteisekretär Reto Nause, heute Berner Sicherheitsdirektor, liess Duschgel mit ihrem Gesicht verteilen. Die Aargauer Zeitung titelte «Duschen mit Doris».
23 Bilder
Leuthards erstes Nationalratsportrait.
«Duschen mit Doris» wurde zum inoffiziellen Wahlkampfspruch als Leuthard 1999 für den National- und Ständerat kandidierte. Im Aargau wurden Tausende von Duschmittel-Beuteln mit ihrem Porträt verteilt.
Seit 1991 war Doris Leuthard als Rechtsanwältin tätig und Partnerin des Büros Fricker und Leuthard in Wohlen und Muri.
Hochzeit an Silvester: Am 31. Dezember 1999 heirateten Doris Leuthard und Roland Hausin auf dem Standesamt in Merenschwand.
Fünf Jahre nach ihrer Wahl ins Parlament wurde sie 2004 als Nachfolgerin von Philipp Stähelin zur Parteipräsidentin gewählt.
Zwei Jahre später folgte der nächste Blumenstrauss: Sie wurde von der CVP als Bundesratskandidatin und Nachfolgerin für Joseph Deiss vorgeschlagen.
Sie wurde 2006 mit 133 von 234 gültigen Stimmen gewählt.
Die stolzen Eltern gratulieren ihrer Tochter am 14. Juni 2006 mit einem Spruchband zur Wahl in den Bundesrat.
Der Bundesrat zur Zeit der Wahl von Leuthard (v.l.n.r.): Moritz Leuenberger, Micheline Calmy-Rey, Pascal Couchepin, Samuel Schmid, Christoph Blocher, Hans-Rudolf Merz, Doris Leuthard und Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz.
2007 erlebte sie auch die Abwahl Christoph Blochers und die daraus resultierende Abspaltung der BDP. Blocher wurde durch Eveline Widmer-Schlumpf ersetzt.
2010 wurde sie zum ersten Mal Bundespräsidentin. Hier steigt sie gerade aus dem Zug in Aarau.
2010: Küsschen für Bundespräsident Doris Leuthard in Paris.
Im selben Jahr hielt sie an der Generalversammlung der UNO eine Rede.
Ebenfalls ein beliebtes Sujet: Die Bundespräsidentin an der Olma – inklusive Ferkel.
Während ihrer Amtszeit durchreiste sie die ganze Schweiz: Hier die Bundesratsreise 2013, wo sie sich in Hinwil in einen Schützenpanzer setzte.
Ab 2014 war ihr Dienstauto ein Tesla.
Am 1. August 2015 trat Leuthard in Bad Zurzach auf.
Ein grosser Meilenstein in ihrer Karriere: Leuthard an der Eröffnung des Neat-Gotthardbasistunnels im Frühling 2016.
7. Dezember 2016: Doris Leuthard wird nach 2010 zum zweiten Mal zur Bundespräsidentin gewählt. Sie erhält 188 von 207 gültigen Stimmen.
Im Sommer 2017 organisierte Doris Leuthard das Bundesratsreisli. In Lenzburg gab es beim Apéro genug Zeit für Selfies und einen Schwatz mit der Bevölkerung.
An der 1.-August-Feier 2018 in Villmergen ermahnte Doris Leuthard die Schweizerinnen und Schweizer, miteinander zu arbeiten und nicht gegeneinander.
Dezember 2018: Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann verabschieden sich aus dem Bundesrat.

Ab 1997 im Aargauer Grossen Rat, kandidiert Doris Leuthard 1999 für den National- und Ständerat. Der damalige CVP-Parteisekretär Reto Nause, heute Berner Sicherheitsdirektor, liess Duschgel mit ihrem Gesicht verteilen. Die Aargauer Zeitung titelte «Duschen mit Doris».

Keystone