Christine
Grünliberale: «Christine Haller passt zu uns»

Am Dienstag wurde überraschend bekannt, dass Christine Haller die SP verlässt und stattdessen zu den Grünliberalen wechselt. Das ist der zweite Abgang für die SP, denn bereits Roland Agustoni verliess die Partei. Damit verliert die SP zwei Grossratssitze - ganz zur Freude der Grünliberalen.

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Christine Haller

Christine Haller

Mathias Küng

Die SP konnte jüngst in der BVG-Abstimmung einen grossen Erfolg verbuchen. Doch das hat ihre Attraktivität für «ihre» langjährige Aargauer Grossrätin Christine Haller offenbar nicht erhöht. Haller sitzt - vielmehr sass - seit 1998 für die SP im Grossen Rat. Vor der jüngsten Wahl im März 2009 gab es in ihrem Bezirk Kulm eine Unstimmigkeit, weil die Bezirkspartei auf der Liste jemand anders vor Haller aufgeführt hatte. Doch das schien vergessen. Jetzt, nach dem sofortigen Wechsel von Haller zur jungen grünliberalen Fraktion (GLP), glauben einige Beobachter, dass nicht nur die von ihr angeführten inhaltlichen, sondern auch persönliche Gründe mitgespielt haben könnten.

Haller: Volksnähe der SP kleiner geworden

Haller selbst schrieb an ihre Wählerinnen und Wähler aus dem Oberwynental, die SP wisse nicht, «ob sich ihre Politik in Wirtschafts-, Ausländer-, Energiefragen etc. mit derjenigen der Wählerinnen und Wähler deckt». Haller: «Die Volksnähe ist spürbar kleiner geworden.» Viele politische Baustellen erforderten es, neue Wege zu gehen, begründet Haller ihren Schritt weiter. Auf der Suche danach kam sie offenkundig auf die Grünliberalen, deren Ziele und Schwerpunkte «mir sehr gut entsprechen», so Haller.

SP-Präsident Marco Hardmeier, dessen Partei schon bei den Grossratswahlen 8 Sitze verloren hat, muss mit dem kürzlichen Weggang von Roland Agustoni und jetzt auch von Christine Haller (beide zur GLP) zwei weitere Sitzverluste verkraften. Hardmeier, der von Haller vor rund einer Woche vor ein fait-accompli gestellt worden sei, ist sehr ungehalten, dass beide ihre mit Hilfe der SP eroberten Sitze zur GLP mitnehmen. Sie wurden bisher vergeblich aufgefordert, ihre Sitze zur Verfügung zu stellen. So werde «der Wählerwille massiv verfälscht», kritisiert Hardmeier, denn «das sind SP-Sitze». Einen Grund, ob der Abgänge das Programm zu ändern, sieht er nicht. Wenn man ständig daran herumarbeiten wollte, «kämen wir keinen Schritt voran». Für die nächsten Wahlen gibt er sich trotz allem zuversichtlich: Die SP-Mitgliederzahl steige. 2013 wolle man diese Sitze zurückholen und zulegen. Hardmeier: «Der Wahlkampf hat heute begonnen.»

Jenni: Haller passt zu uns

Freude herrscht natürlich bei der GLP. Laut Fraktionschef Felix Jenni hat Christine Haller vor einigen Wochen mit ihnen Kontakt aufgenommen. Da man nicht zum Sammeltopf für Leute werden wolle, denen es woanders nicht gefällt, gab es intensive Gespräche. Dabei stellte die GLP fest: «Christine Haller passt zu uns.» Warum kamen Agustoni und Haller zur GLP? «Beide schätzen unseren massvollen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten liberalen Kurs», so Jenni, und betont, man werde nie jemanden aktiv abwerben. Doch ist es nicht sehr unschön, dass die GLP zwei Sitze bekommt, die eine andere Partei erobert hat? Auch darauf hat Jenni eine Antwort. Er ist sicher, «wenn heute Wahlen wären, würden wir die sieben Sitze, die wir mit Agustoni und Haller zusammen haben, locker machen - eher sogar noch mehr».