Grüngut
Grüngut-Abfuhr in Zürich soll flächendeckend eingeführt werden

Zwei Jahre lang wurden in Zürich Nord probeweise Küchenabfälle gesammelt. Der Entwurf für eine flächendeckende Einführung der «Grüngut»-Abfuhr kommt demnächst in den Stadtrat. Die nötige neue Anlage würde laut Fachleuten etwa 20 Millionen kosten.

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Limmattaler Zeitung

Andrea Trueb

Acht Jahre ist es her, seit FDP-Gemeinderat Alexander Jäger in einer Motion die «sinnvolle Verwertung biogener Abfälle» forderte. Vier Fristerstreckungen, verschiedene Studien (unter anderem vom Verband Biomasse Schweiz) und ein zweijähriges Projekt später, wird der konkrete Vorschlag nun in nächster Zeit im Zürcher Stadtrat behandelt. Die flächendeckende Einführung einer «Grüngut»-Abfuhr scheint auf gutem Weg.

«Grüngut» fasst Gartenabraum und Haushaltsabfälle zusammen. Laut Peter Wiederkehr, Leiter Geschäftsbereich Kompostierwerk Werdhölzli, macht nämlich nur eine kombinierte Sammlung der organischen Abfälle Sinn. So war bei früheren Gelegenheiten denn auch schon vom Bau eines eigenen Vergär- und Kompostierwerks im Klärwerk Werdhölzli die Rede, weil die Stadt an einem zentralen Ort sowohl vergären als auch weiterhin kompostieren will.

27000 Tonnen Grüngut sollen verarbeitet werden

Rund 14000 Tonnen Gartenabraum aus der Stadt Zürich, 7000 Tonnen aus anderen Gemeinden sowie bis zu 6000 Tonnen Küchenabfälle sollen künftig verarbeitet werden. Eine Zusammenarbeit mit dem Limmattal ist geplant; eine Absichtserklärung ist bereits unterschrieben. Demnach will der Kläranlagenverband Limmattal (Limeco) das gesammelte Grüngut künftig zusammen mit der Stadt Zürich energetisch verwerten.

Die Verbandsgemeinde Schlieren hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die energetische Verwertung in einer Anlage geschehen soll, die «auf dem neusten Stand der Technik» ist. Die Kosten für eine solche Anlage, die das zu erwartende Grüngutvolumen von rund 27000 Tonnen bewältigen könnte, wird von Fachleuten auf 20 Millionen Franken geschätzt.

Dass die bestehende Grünabfuhr auf Küchenabfälle ausgeweitet wird, macht für Motionär Jäger zwingend Sinn: «In der heutigen Zeit Wasser und Nährstoffe zu verbrennen und CO2 zu verursachen, anstatt Biogas (Energie) und Frischkompost zu produzieren, ist absurd.»

Zu den umfangreichen Abklärungen, die das ERZ vorgenommen hat, gehört das Projekt «biogener Abfall». Gemeinsam mit der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) sammelte das ERZ wöchentlich in acht Siedlungen in Affoltern und Oerlikon Küchenabfälle ein. Rund 1500 Kilogramm wöchentlich wurden in den ersten Monaten gesammelt, sagt Claudia Longhini, Projektverantwortliche bei der ABZ. Bis April 2009 habe sich das Sammelergebnis auf 1800 Kilogramm erhöht, um sich jetzt auf rund 2000 Kilogramm pro Woche einzupendeln: «Es wurde relativ viel und in guter Qualität, also mit wenig Fremdstoffen, gesammelt.»

«Viel und in guter Qualität gesammelt»

Ob die ABZ das Projekt weiterführen wird, macht die Baugenossenschaft «unter anderem» vom politischen Entscheid der Stadt Zürich abhängig. Die in den Siedlungen gemachten Erfahrungen bezeichnen sowohl Longhini (ABZ) als auch Wiederkehr (ERZ) als gut. Berücksichtigt werden müsste, dass das Angebot für die Bewohnerinnen und Bewohner gratis war, was die Sammelmotivation erhöhte. Longhini: «Wie es aussehen würde, wenn die Mieterschaft die Kosten übernehmen müssten, ist eine andere Frage.»

Dass die Weisung den Stadtrat elegant passiert, ist dem Vernehmen nach zu erwarten. Danach wird die zuständige Kommission des Gemeinderats beraten. Diese formiert sich im Frühling neu.

«Es muss sich mengenmässig und logistisch lohnen»

Noch 2006 hatte die Stadt Zürich befunden, dass eine separate Abfuhr für Küchenabfälle weder ökologisch noch ökonomisch einen Vorteil bringe, weil das heutige System «nahe am Optimum» sei. Diese Einschätzung gilt laut Pio Marzolini vom Stadtzürcher Tiefbau- und Entsorgungsamt noch immer. Ebenfalls gelte, dass es keinen Sinn mache, Küchenabfälle analog zu Altpapier und Karton separat zu sammeln: «Es braucht ein Gesamtkonzept, innerhalb dessen es sich mengenmässig und logistisch lohnt, Küchenabfälle zu sammeln und zu vergären.» Wie ein solches Gesamtkonzept aussehen könnte, wird sich demnächst zeigen.