Energie
Grüne warnen vor Schiefergas-Förderung

Der Boom in den USA steckt die Schweiz an: Ausländische Firmen wollen in der Schweiz nach dem so genannten Schiefergas sondieren. Doch Grüne warnen vor den Umweltrisiken.

Christof Forster
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Vielleicht gibt es bald mehr solche Bohrtürme in der Schweiz. Bott/key

Vielleicht gibt es bald mehr solche Bohrtürme in der Schweiz. Bott/key

Den Gasförderfirmen kommt es nur gelegen, wenn ihre Sondierungen im Verborgenen laufen und in der Branche nicht ganz ernst genommen werden. «Von solchen Aktivitäten in den Kantonen habe ich nichts gehört», sagt Fadri Ramming, Geschäftsführer der Konferenz der kantonalen Energiedirektoren. Wenn es dafür ein Potenzial in der Schweiz gäbe, stände die Wirtschaft schon längst auf dem Teppich.

«Wenn sich die Grünen dagegen wehren, dann handelt es sich um Phantomschmerz», findet Jean-Marc Hensch, Direktor des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie. Diesen Schmerz bringt er direkt in Verbindung mit den Parlamentswahlen im Herbst, die zur Profilierung animierten. Hensch: «Schiefergas ist aktuell kein Thema in der Schweiz.»

Ein Badener aus Texas

Für eine Hand voll Firmen hingegen ist es sehr wohl ein Thema. Beispielsweise hat die amerikanische Schuepbach Energy von den Kantonen Freiburg und Waadt die Erlaubnis erhalten, nach Schiefergas zu suchen. Noch vor wenigen Jahren war es nicht möglich, diesen Energieträger zu fördern. Um an das Schiefergas zu gelangen, muss das tief liegende Gestein aufwändig horizontal durchbohrt und mit Wasserdruck und Chemikalien aufgesprengt werden. Eine neue Technik erlaubt nun seit einigen Jahren, in grossen Tiefen gezielt in jede Richtung zu bohren.

Das ist Schiefergas

Traditionell wird jenes Erdgas gefördert, das sich in einer grossen unterirdischen Blase angesammelt hat. Dank einer neuen Bohrtechnik kommen Förderfirmen seit ein paar Jahren auch an Gas heran, das in tiefen Gesteinsschichten (Schiefer, Ton, Kalk) lagert. Dabei wird zuerst vertikal in die Tiefe gebohrt, dann horizontal. Zur Förderung werden grosse Mengen eines Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck nach unten gepresst. Es bilden sich Risse im Gestein, durch welche das Gas ausströmt und durch Rohre an die Oberfläche geleitet wird. Pro Quadratkilometer sind 4 bis 6 Bohrlöcher notwendig. (for)

Es ist Martin Schüpbach, der die US-Firma mit der kleinen Schweiz verbindet. Schüpbach ist in Baden geboren und hat an der ETH Geologie studiert. Danach wanderte er in die USA aus, wo er im Auftrag von staatlichen und privaten Unternehmen nach fossilen Energieträgern suchte. 2007 gründete er seine eigene Firma in Dallas.

Das grosse Los

Auch die britische Celtique Energie hofft, in der Schweiz auf fossiles Gold zu stossen. Sie sucht derzeit im Neuenburger Jura nach Schiefergas. Allerdings halten sich die Firmen bedeckt und bestätigen nur, dass sie in der Schweiz nach Gasvorkommen suchten. «Das erstaunt mich nicht», sagt Philippe Petitpierre, Vize-VR-Präsident von Petrosvibri. Niemand wolle die Konkurrenz aufschrecken. «Falls tatsächlich Schiefergas entdeckt wird, geht es sehr schnell um sehr viel Geld», so Petitpierre.

Auch die Westschweizer Firma Petrosvibri hat unter dem Genfersee vier Kilometer tiefe Probebohrungen gemacht. Gesucht wurde vor allem nach herkömmlich gefördertem Erdgas, das sich also bereits aus dem Gestein gelöst hat. Dabei sei man allerdings auch auf Spuren von Schiefergas gestossen, sagt Petitpierre. Ob die Firma dabei das grosse Los gezogen hat, wird sich in ein paar Wochen zeigen, wenn die Auswertungen vorliegen.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Ob sich in der Schweiz grössere Schiefergasvorkommen finden lassen, ist noch unklar. In ganz Europa wird danach gesucht. Dies ruft auch Gegner auf den Plan. Die Risiken sind erheblich, wie man aus den USA weiss. Dort stammt bereits die Hälfte der Erdgasproduktion aus unkonventioneller Förderung, ein grosser Teil davon ist Schiefergas.

«Die eingesetzten Chemikalien sind eine Gefahr für das Grundwasser und die Bohrungen können wie bei der Geothermie in Basel zu Erdbeben führen», sagt Nationalrat Christian van Singer, der im Namen der Grünen diese Woche eine dringliche Interpellation im Nationalrat eingereicht hat. «Wir wollen das Thema an die Öffentlichkeit zerren.» Die Grünen möchten vom Bundesrat wissen, ob er Vorkehrungen gegen die Risiken getroffen hat. Die Grünen seien grundsätzlich für die Förderung von Schiefergas, falls die Firmen klare Auflagen zum Umweltschutz einhielten.