Krankenkasse
Grundversicherung soll Medikament für 300000 Franken bezahlen

Das Bundesgericht hält ein Medikament gegen Muskelschwund für zu teuer. Die Eidgenössische Arzneimittelkommission sieht das anders. Sie hat das Medikament jetzt auf die Spezialitätenliste gesetzt. Die Kassen müssen es damit wohl bezahlen.

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Krankenkassen sollen 300000 Franken teures Medikament bezahlen (Symbolbild).

Krankenkassen sollen 300000 Franken teures Medikament bezahlen (Symbolbild).

Keystone

Die Eidgenössische Arzneimittelkommission hat laut NZZ am Sonntag am letzten Dienstag den umstrittenen Entscheid getroffen. Danach müssen die Krankenkasse das Medikament Myozyme, das pro Patient und Jahr 300000 Franken kostet, mit der obligatorischen Grundversicherung decken.

Das sehr teure Medikament Myozyme wirkt gegen die Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe. In der Schweiz sind heute rund 20 Personen auf das Myozyme angewiesen.

Bundesgericht fand das Mittel zu teuer

Definitiv ist das Verdikt allerdings noch nicht. Die Bundesbehörden könnten den Entscheid ablehnen. Das haben sie bis heute allerdings noch nie getan.

Erst Ende 2010 hatte das Bundesgericht entschieden, die Grundversicherung müsse das Medikament nicht bezahlen. Die höchsten Schweizer Richter befanden im konkreten Fall einer von Morbus Pompe betroffenen Patientin, Myozyme habe keinen hohen Nutzen. Das Gericht befand ausserdem, dass für ein gerettetes Menschenleben pro Jahr maximal 100 000 Franken angemessen seien.
Hergestellt wird das Medikament durch die US-Pharmafirma Genzyme. Sie hatte beim Bund die Aufnahme des Mittels in die Spezialitätenliste beantragt. (rsn)