Die Rechnung der Thurgauer Kleinparteien ist aufgegangen. Dank einer Listenverbindung mit BDP, EVP, EDU haben die Grünliberalen (glp) den frei werdenden Sitz von Werner Messmer (FDP) ergattert.

Die glp, die im Thurgau erstmals zu den Nationalratswahlen antrat, und zusammen mit ihrer Jungpartei auf einen Stimmenanteil von über fünf Prozent kommt, schickt Thomas Böhni nach Bern.

Der 47-jährige Maschinen-Ingenieur ist Experte für Solarenergie. Er kam nur auf 5736 Stimmen, was wegen der Listenverbindung genügte.

FDP enttäuscht

Die Thurgauer FDP, die den Sitz des zurückgetretenen Werner Messmer nicht verteidigen konnte, ist erstmals nicht mehr im Nationalrat vertreten. Die Partei kommt noch auf einen Wähleranteil von 11,3 Prozent (-0,8 Prozent).

Ihr Präsident, Bruno Lüscher, zeigte sich vom Wahlresultat sehr enttäuscht. "Offenbar wurden neue Parteien zu Hoffnungsträgern, obwohl sie noch keinen Leistungsausweis erbracht haben", sagte der Parteipräsident gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

SVP verliert Wähleranteil

Bei der SVP ersetzt Markus Hausammann den zurücktretenden J. Alexander Baumann. Der 47-jährige Landwirt holte den dritten SVP-Sitz mit 20'604 Stimmen. Die SVP hat mit 38,7 Prozent gegenüber 2007 3,7 Prozent Wähleranteil verloren. Sie bleibt aber mit Abstand stärkste Partei im Thurgau.

Alle Bisherigen wurden wiedergewählt. Das beste Resultat mit 43'955 Stimmen machte - wie immer - SVP-Nationalrat Peter Spuhler, Inhaber von Stadler Rail. Ihm folgt mit 36'386 Stimmen Hansjörg Walter, Schweizer Bauernpräsident und designierter Nationalratratspräsident 2012.

CVP und SP halten Sitze

Die CVP hat leicht an Wähleranteil verloren und verfügt als zweitstärkste Partei über 14,3 Prozent. Brigitte Koller-Häberli, die als Bisherige auch für den Ständerat kandidierte und zum zweiten Wahlgang am 13. Oktober antritt, erreichte 16'841 Stimmen.

Falls sie die Wahl schafft, wird der 49-jährige Christian Lohr aus Kreuzlingen in den Nationalrat einziehen. Der schwerbehinderte Journalist erreichte 10'670 Stimmen.

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher bekam 14'038 Stimmen. Die 47-Jährige musste während der letzten Sommer-Session wegen einer Brustkrebserkrankung pausieren. Die SP hatte ihre Liste mit den Grünen verbunden und konnte ihren Wähleranteil um 0,4 Prozent steigern auf 12,1 Prozent.

Roland Eberle im Ständerat

SVP-Kandidat Roland Eberle hat die Wahl in den Ständerat mit 40'688 Stimmen geschafft. Der ehemalige Thurgauer Regierungsrat und SVP-Bundesratskandidat ersetzt seinen Parteikollegen Hermann Bürgi. Die anderen fünf Kandidatinnen und Kandidaten verpassten das absolute Mehr von 33'358 Stimmen. Der zweite Wahlgang ist am 13. November.

CVP-Kandidatin Brigitte Häberli-Koller schwingt bei den Nichtgewählten obenaus und erhielt 26'761 Stimmen. Die amtierende Nationalrätin kämpft nach dem Rücktritt von Philipp Stähelin (CVP) um den frei werdenden Sitz im Stöckli.

Sie werde "mit Effort" in den zweiten Wahlgang steigen, sagte die 53-Jährige. Nochmals antreten will auch Max Vögeli von der FDP, der 21'941 Stimmen erreichte. 18'437 Stimmen erhalten hat die amtierende SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Ob sie wieder antritt, ist offen. Die Grüne Silvia Schwyter belegt den zweitletzten, Daniel Wittwer von der EDU den letzten Platz.