Grünliberale gehen ungewöhnliche Wege

OK-Team des Schwingfestes Hölstein ärgert sich

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OK-Team des Schwingfestes Hölstein ärgert sich

Das Frühjahrsschwinget vom 1. Mai in Hölstein wirft jetzt schon Schatten voraus. Im Festführer wirbt die Oberbaselbieter Sektion der Grünliberalen um Mitglieder. Daran haben nicht alle ihre Freude, denn Sportvereine sind gegen Aussen in der Regel politisch neutral.

Tobias Gfeller

Würde wohl am Schwingfest in Hölstein eine politische Umfrage unter den Teilnehmern und Zuschauern durchgeführt werden, hätte die SVP mindestens die absolute Mehrheit. Umso bemerkenswerter ist es, dass ausgerechnet die Grünliberalen im Festführer eine Werbung schalten, um Mitglieder anzuwerben.

Laut der Präsidentin der Oberbaselbieter Sektion, Sabine Völlmin, ist das Gewinnen von Neumitgliedern nur das sekundäre Ziel: «Uns geht es mehr darum, im Oberbaselbiet und im Speziellen im Waldenburgertal die Menschen zu unterstützen, in diesem Falle eine Sportveranstaltung.» Ob das jetzt ein Schwingfest oder etwas anderes ist, sei nicht im Vordergrund gestanden.

Alternative im Oberbaselbiet

Die erst im Januar gegründete Sektion geht ungewöhnliche Wege, um ihr Ziel, an Bekanntheit zuzulegen, zu erreichen. Sie hätten sich von Anfang an vorgenommen, das bisherige politische Denken zwischen Links und Rechts ein wenig zu kippen. «Man kann doch als politisch denkender Mensch nicht strikt auf einer Linie fahren, sondern hat von Thematik zu Thematik eine andere Meinung», sagt Völlmin.

Die Präsidentin weiss, dass die SVP bei den Schwingern stark verankert ist. Diese Tatsache hält sie nicht davon ab, an den Erfolg der lancierten Eigenwerbung zu glauben. «Rein die Aufmerksamkeit, die uns durch die Werbung garantiert ist, ist ein kleiner Erfolg. Die Leute sollen realisieren, dass es da zwischen Links und Rechts noch eine Alternative gibt - seit Januar auch im Oberbaselbiet.»

Auf diese Idee der Werbung kam Völlmin durch einen Solothurner Parteikollegen, der ebenfalls das Schwingfest mit organsiert. Völlig überzeugt von der Idee, sagten sie und die Sektionsmitglieder geschlossen zu diesem aussergewöhnlichen Schritt zu. «Ich wusste schon von vornherein, dass wir anecken werden.» Dass sie aber derart anecken würden, hat wohl selbst Völlmin nicht erwartet. Es geht weder um die Partei an sich, sondern um das Prinzip des Grundsatzes der politischen Neutralität eines Sportanlasses.

Organisationskomitee wusste von nichts

Peter Minder ist Chef des Organisationskomitees des Hölsteiner Schwingfests. Sogar er selbst war überrascht von der Werbung im Festführer: «Ich wusste davon nichts, bis ich das erste Exemplar in der Hand hielt. Ich war gar nicht erfreut, im Gegenteil.» Minder sass 16 Jahre lang im Landrat - für die SVP. Seine Kritik an der Werbung hat nichts mit den Grünliberalen an sich zu tun. Ihm ist der Grundsatz der politischen Neutralität wichtiger.

Er hofft, dass die Anzeige nicht zu sehr auffallen wird, da die Grünliberalen nicht gerade eine polarisierende Partei wären. Anders sehe es wohl mit den «richtigen» Grünen aus. Dass im diesjährigen Festführer tatsächlich eine politische Werbung zu finden ist, wusste nur der Macher des Heftes. Im Nachhinein ist Minder klar, dass vor der endgültigen Realisation des Festführers ein kurzes Durchblättern notwendig gewesen wäre: «Wir haben dies verpasst und hoffen nun, dass diese Werbung nicht allzu grosse Wellen wirft.» Der ehemalige Landrat weiss, dass es ein Tabubruch ist. «Das muss ein einmaliger Vorfall bleiben.»

Ins gleiche Horn bläst Markus Kurz, ebenfalls OK-Mitglied. «Ich war erstaunt und zugleich etwas irritiert.» Das sollte nicht passieren, fuhr er fort. Es ist erstaunlich, dass es dem Hersteller des Festführers gelingt, ohne das Wissen der OK-Mitglieder diese Werbung durchzuziehen. Politische Werbung im Sport wird eine einmalige Sache bleiben. Und ob Sabine Völlmin ihr Ziel von mehr Bekanntheit erreicht, bleibt dahingestellt. Aufmerksamkeit hat sie schon jetzt erlangt.

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