Von Werner Schneiter

Sie erlangte zur Blütezeit landesweite Bekanntschaft. Nach der Schliessung der OVA im Jahr 2000 relegierte das Areal zur Industriebrache, die mit «geordneten Zwischennutzungen» am Leben gehalten wurde. Die Nestor Immobilien AG erwarb das Areal und will an dieser verkehrsmässig gut erschlossenen, zentralen Lage eine Überbauung realisieren, die eine sorgfältige Planung erfordert.

Übergeordnetes Ziel: eine optimierte Nutzung mit verdichtetem Bauen. Laut Hochbauvorstand Jakob Schneebeli sind im Gestaltungsplan vier Baufelder definiert: Wohnen (55 Wohnungen, Gesamtanteil 30%, Bauhöhe 16,5 Meter), Pflegeheim (Bauhöhe 16,5 Meter), Gewerbe (Bauhöhe 15,5 Meter) und Hotel (Bauhöhe 25 Meter). Innerhalb des jeweiligen Baufeldes sind die einzelnen Baukörper noch nicht definiert. In einer ersten Etappe müssen mindestens 30% der maximal erlaubten Baumasse des Wohn- und Gewerbeteils realisiert werden.

«Das Verkehrsregime-Projekt befindet sich noch in Ausarbeitung. Wir wollen eine sinnvolle Erschliessung ohne Schleichverkehr. Deshalb sollen Motorfahrzeugverkehr und Langsamverkehr entflechtet und örtlich beschränkt werden», verlangte eine Einwendung im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens. Die Alte Obfelderstrasse soll als Einbahnstrasse und Langsamverkehrsachse ausgestaltet und die Verkehrsfläche bis 3,5 Meter an das jeweilige Baufeld herangeführt werden. Ab Obstgartenstrasse soll der Verkehr in die unterirdische Garage geführt werden. Von den 290 geplanten Unterniveau-Parkplätzen sind 70 für 55 geplante Wohnungen vorgesehen - am unteren Limit, wie Jakob Schneebeli beifügte.

Der Hochbauvorstand verwies auf die «positive Würdigung» des Vorhabens durch den Kanton im Rahmen einer Vorprüfung - und auf den «dringend nötigen Wandel auf dem OVA-Areal», was auch insgesamt gut sei für die künftige Entwicklung der Gemeinde. Für Gemeindepräsidentin Irene Enderli hat die Neugestaltung zentrale Bedeutung. Sie verwies auf die Notwendigkeit eines Hotelbaus und - vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung - eines Pflegeheims. Das OVA-Areal sei ein Standortvorteil für die Gemeinde und lasse eine Entwicklung mit hoher Qualität zu. «Der Investor wird dem gerecht», sagte sie und verwies auf die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Investor.

Fragezeichen zur Erschliessung

Kritische Anmerkungen gab es nicht zur Art der Überbauung - die finden wohl fast alle gut -, sondern an der Verkehrserschliessung der Wohnungen via Chalofenstrasse/Alte Obfelderstrasse, die als Einbahnstrassen daherkommen sollen. «Da gibt es noch viele Unbekannte, die Erschliessung ist nicht klar. Streichen Sie die Alte Obfelderstrasse heraus aus dem Plan. Dann können wir zustimmen», sagte zum Beispiel Hans-Peter Gautschi, einer der Anwohner, der unliebsamen Mehrverkehr erwartet. Jemand sprach sogar von einem drohenden Verkehrskollaps im Gebiet, von Humbug und einer nicht zu Ende gedachten Strategie. Ein anderer verlangte vor der Klärung der Erschliessungsfragen ein gesamtes Verkehrskonzept in diesem Autobahnzufahrtsbereich. «Bei der Verkehrsplanung wird nur punktuell überlegt», bedauert Hans Läubli, Kantonsrat der Grünen.

An diesem Verkehrskonzept arbeite man, hiess es vom Gemeinderatstisch. Der Gestaltungsplan sei auch kein Blankocheck für die Zufahrt, sondern er lasse für die Klärung dieser Frage mehrere Möglichkeiten zu. «Es ist nun einmal Baugebiet. Der Investor könnte auch ohne privaten Gestaltungsplan bauen», sagte Jakob Schneebeli. «Im Rahmen dieses Verkehrskonzeptes sehen wird dann ja, ob die Zufahrt via Chalchofenstrasse/Alte Obfelderstrasse richtig ist oder nicht. Da ist im Detail noch nichts in Stein gemeisselt. Die gesamte Verkehrsführung im Süden von Affoltern ist eine Riesenübung», fügte der Hochbauvorstand bei, und Irene Enderli doppelte nach: «Schenken Sie uns doch bei diesen Erschliessungsfrage Vertrauen».

Sukkurs für den Gemeinderat kam von SP-Präsident Hansueli Rickli: «Stimmen Sie dem Gestaltungsplan zu. Wir müssen vorwärts machen und können darauf vertrauen, dass die Verkehrsfragen gelöst werden.» Und für alt Gemeindepräsident Hans Gut ist die Erschliessung «sicher gut überlegt worden». Er könnte sich für die Alte Obfelderstrasse auch einen neuen Namen vorstellen, zum Beispiel «Bundesrat-Dubs-Strasse».
Im Weiteren wurde die Frage nach dem sogenannten Public-Private-Projekt (PPP) aufgeworden, konkret: eine Abklärung über ein gemeinsames Vorgehen beim Bau von privaten Pflegewohnungen und öffentlichem Seewadel. «Das ist noch offen. Erste Kontakte zum Investor werden stattfinden», sagte die zuständige Gemeinderätin Heidi Fraefel.

Überbauen, was schon überbaut ist

Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Nestor Immobilien AG, dankte den Anwesenden dafür, «dass Sie sich mit diesem Projekt auseinandersetzen. Diese Möglichkeit gibts doch nur in der Schweiz». Er betonte, das Projekt sei gut überlegt, anspruchsvoll, sinnvoll und notwendig. «Wir überbauen, was schon überbaut ist - im Minergiestandard und mit Erdwärme», sagte er und verwies auf eine ähnliche Überbauung in Kreuzlingen, die dort alle begeistere. Aus Altem etwas Neues machen - diesem Prozess könne sich das urbaner werdende Affoltern nicht verschliessen. Und es vor dem Hintergrund der Autobahneröffnung auch nicht verhindern. «Hätten wir 70% Wohnanteil und 30% Gewerbe - dann wäre die Überbauung wohl schon lange fertig», sagte Hess, für den die Auswirkungen der Wohnungsparkplätze «gering» sind. Er will nicht, dass die Alte Obfelderstrasse als Zufahrt «herausgestrichen» wird.

Nach rund einstündiger Diskussion war das Abstimmungsresultat klar: 96 votierten für den Gestaltungsplan, 33 dagegen. Laut Klaus Morlock, Leiter Immobilien beim Investor, wird die Baubewilligung diesen Winter eingereicht. Die Ausgestaltung der Bereiche Wohnen und Hotel seien klar, beim Pflegeheim seinen noch Anpassungen nötig, sagte er auf Anfrage. Bei der Aufhebung der bis Mitte 2010 geltenden Planungszone will der Investor jedoch bereit sein.