Zweiter Wahlgang

Grüner Höhenflug erleidet einen Dämpfer - Parteipräsidentin Rytz verpasst den Sprung ins Stöckli

Regula Rytz verpasst den Sprung in den Ständerat.

Regula Rytz verpasst den Sprung in den Ständerat.

Die Parteipräsidentin der Grünen, Regula Rytz, schafft in Bern den Sprung ins Stöckli nicht. Auch in Zürich scheitern die Grünen. Ein Sitzgewinn hätte ihrer Forderung nach einem grünen Bundesrat zusätzlichen Aufwind gegeben. Diese Woche will die Partei bekannt geben, ob sie antreten – und mit wem.

Sie sind sich momentan das Siegen gewohnt, die Grünen. Erst eilten sie bei kantonalen Wahlen von Erfolg zu Erfolg, dann konnten sie bei den nationalen Wahlen historische Sitzgewinne feiern. Am Sonntag aber erlitt Präsidentin Regula Rytz eine Niederlage – keine krachende zwar, aber doch eine deutliche. Die Bernerin verpasst den Sprung ins Stöckli um rund 13000 Stimmen.

Ihr standen zwei Männer vor der Sonne: Der bisherige SP-Ständerat Hans Stöckli erzielte das beste Resultat, knapp gefolgt von Werner Salzmann von der SVP. Er eroberte den Sitz des abtretenden BDP-Ständerats Werner Luginbühl. Abgeschlagen auf dem letzten Platz landete FDP-Nationalrätin Christa Markwalder.

Ueli Maurers Unterstützung für den SP-Mann

Rytz war gemeinsam mit Stöckli angetreten. Rotgrün träumte von einem linken Duo im Ständerat – und das in einem bürgerlichen Kanton, in dem allein die SVP auf 30 Prozent Wähleranteil kommt. Für Stöckli war die Strategie nicht ohne Risiko: Der Zeitgeist schien gegen den 67-jähriger SP-Mann zu sprechen.

Ihm gelang es jedoch offensichtlich besser als Regula Rytz, über das eigene Lager hinaus zu mobilisieren. Im Wahlkampf liess sich selbst SVP-Bundesrat Ueli Maurer mit der Aussage zitieren: «Ich würde Stöckli zum Ständeratspräsidenten wählen.»

Mehr Zugewinne als gedacht

Eine Niederlage setzte es für die Grünen auch im Kanton Zürich ab. Der bisherige FDP-Ständerat Ruedi Noser schaffte die Wiederwahl im zweiten Wahlgang problemlos; er distanzierte die Grüne Marionna Schlatter klar. Damit ist der bevölkerungsreichste Kanton weiterhin durch ein SP-FDP-Duo vertreten: SP-Ständerat Daniel Jositsch war bereits im ersten Wahlgang gewählt worden.

Trotz der Niederlagen in Zürich und Bern: Die Grünen haben im Stöckli überraschend viele Mandate geholt. Vor den Wahlen hatte man ihnen kaum markante Zugewinne zugetraut. Nun kommen sie auf mindestens vier Sitze, drei mehr als bisher: In Glarus schnappte Mathias Zopfi der SVP den Sitz weg, in Neuenburg und Waadt holten die Grünen je einen Sitz auf Kosten der SP.

Und es könnten noch mehr werden. In Aargau, Basel-Landschaft und Schwyz wird erst kommenden Sonntag gewählt. Mit Maya Graf (BL) und Ruth Müri (AG) sind zwei Grüne im Rennen.

Will Rytz in den Bundesrat? Diese Woche muss sie Farbe bekennen

Die stärksten Parteien im Stöckli werden jedoch CVP und FDP sein, so viel ist bereits klar. Sie können ihre Sitzzahl in etwa halten. Anders die SP, für die das Stöckli bisher eine Machtbastion war: Sie verliert drei ihrer zwölf Sitze. Die SVP bleibt bei ihrer Handvoll Mandate. Zu einem Linksrutsch wie im Nationalrat kommt es damit trotz der Sitzgewinne der Grünen nicht.

Für die Grünen ist die Niederlage diesen Sonntag bei den Ständeratswahlen ein doppelter Dämpfer: Ein Sitzgewinn hätte der Forderung nach einem grünen Bundesrat zusätzlichen Rückenwind gegeben. Diese Woche will die Partei bekannt geben, ob sie antreten – und mit wem. Zu möglichen Kandidaten wollte sich Regula Rytz gestern nicht äussern; auch zu eigenen Ambitionen hüllte sie sich in Schweigen. Im Vorfeld der Wahlen hatte sie gesagt, falls sie den Sprung ins Stöckli schaffe, stehe sie für eine Bundesratskandidatur nicht zur Verfügung. Nun wäre der Weg frei.

Autor

Maja Briner

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