Sandro Zimmerli

Die einen sehen in der teilweisen Überbauung des Grundstückes eine Chance für die Aufwertung des Dorfbildes, die anderen möchten die Grünfläche so belassen, wie sie ist. Das Gebiet Stolzwies liegt mitten im alten Dorfkern von Unterengstringen. Geprägt wird es von einem unter kommunalem Denkmalschutz stehenden, aber baufälligen Haus sowie massiven hochstämmigen Obstbäumen.

Wie das Gebiet künftig genutzt wird, entscheidet sich am 27. September. Dann werden die Unterengstringer Stimmbürger an die Urne gebeten, um über eine Umzonung und die Zustimmung zum privaten Gestaltungsplan «Stolzwies West» zu befinden. Denn erst mit der Umzonung des Grundstückes von der Freihalte- in die Bauzone würde es möglich, das Gebiet zu überbauen.

Das ist ganz im Sinne des Besitzers des Landes und der Gemeinde. Der neue Eigentümer hat die Parzelle mit der Absicht erworben, das alte, verfallene Haus auf dem Grundstück zu sanieren und gleichzeitig den Rest der Parzelle durch den Souverän in die Bauzone überführen zu lassen. Geplant sind zwei Mehrfamilienhäuser.

«Aufwertung des Dorfbildes»

Der Gemeinderat unterstützte die Idee der Umzonung bereits seit längerem, «da er darin eine Chance für das Dorfbild und die Zentrumsbildung von Unterengstringen sieht», wie er in der Weisung zur Abstimmung schreibt. Gleichzeitig erachte er es aber als Voraussetzung, dass der Stimmbürger für die Einzonung eines Teils des Grundstücks eine Gegenleistung erwarten könne.

Dies wäre einerseits eine unter denkmalpflegerischer Sicht einwandfrei renovierte Liegenschaft. Andererseits würde durch die vorgesehene Überbauung aber auch ein wertvoller Beitrag an die Aufwertung des Ortsbilds geleistet.

«Kein öffentliches Interesse»

Aus diesem Grund wurde parallel zur Umzonungsvorlage ein Gestaltungsplan erstellt, der allerdings gewisse Einschränkungen enthält. So dürfen Neubauten erst erstellt werden, wenn das alte Bauernhaus und seine Nebenbauten saniert sind. Zudem muss die Renovation gemäss dem Projekt erfolgen, das zwischen der Denkmalpflege und dem Gemeinderat ausgearbeitet wurde.

Von einer Umzonung gar nichts wissen, will hingegen eine Gruppe von Einwohnerinnen und Einwohnern, meist Anwohner des zur Diskussion stehenden Grundstückes. Sie haben an der Gemeindeversammlung vom 10. Juni, als das erste Mal über das Geschäft befunden wurde, dafür gesorgt, dass die Vorlage überhaupt erst an die Urne kommt.

Obschon damals eine grosse Mehrheit der Stimmberechtigten für die Umzonung plädierte, gelang es den Gegnern, einen Drittel der anwesenden Stimmberechtigten hinter sich zu vereinigen, um so eine Urnenwahl zu erzwingen.

Aus Sicht dieser Anwohnergruppe gibt es für die Umzonung «keinen vernünftigen Grund», wie sie in einem Flugblatt schreibt. Es sei genügend eingezontes Bauland vorhanden. Dem Gemeinderat werfen die Verfasser vor, dass er den Bürgern «mit seinen einseitigen Darstellungen und Scheinargumenten Sand in die Augen streut».

Von der Umzonung massiv profitieren würde lediglich der jetzige Landbesitzer. Eine schöne Wiese mit Baumgarten nahe der Kernzone gegen zwei Mehrfamilienhäuser einzutauschen, entspreche nicht dem öffentlichen Interesse.