Dieser Leser empörte sich auf den Online-Portalen der «Nordwestschweiz»: «Als ob nicht schon genug Auto gefahren wird. Die Jugendlichen sollten sich besser an andere Verkehrsmittel (ÖV oder Velo) gewöhnen», schrieb er als Leser-Kommentar. Seine Empörung richtet sich gegen den Bundesrat. Dieser lehnte zwar eine Motion des Genfer Nationalrats Mauro Poggia des Mouvement Citoyens Genevois (MCG) ab, 16-Jährigen das Autofahren mit einer Begleitperson gesetzlich zu erlauben. Trotzdem will die Landesregierung eine Senkung des Mindestalters prüfen. Sie hält sich die Option offen, das aber mittels Verordnung zu regeln.

Hat sich Leuenberger geirrt?

Jüngere Autofahrer auf vollen Schweizer Strassen – auch der Nationalrat und ehemalige Grüne-Präsident Ueli Leuenberger sympathisiert offenbar mit der Idee seines Genfer Kollegen von der politischen Gegenseite, der rechten Protestbewegung MCG. 13 Parlamentarier jeder politischen Couleur hatten Poggias Vorstoss mitunterzeichnet, darunter mit Ueli Leuenberger und Christian van Singer zwei Grüne, deren politisches Programm den Ausbau des öffentlichen Verkehrs priorisiert.

Ihrem Parteikollegen Bastien Girod (ZH) will das nicht in den Kopf. «Leuenberger hat sich wohl überreden lassen. Das Alter der Neulenker ist kein prioritäres Problem in der Schweiz», sagte der passionierte Velofahrer und Gegner schwerer Motorfahrzeuge. Auch die scheidende Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), die Franziska Teuscher, weiss mit dem Vorschlag nichts anzufangen, mit dem ihre Parteikollegen liebäugeln. «Der Vorstoss sendet total falsche Signale aus», kritisierte sie. «Wir zeigen den Jungen besser andere Möglichkeiten zum Autofahren auf, mobil zu sein.» Gerade im Ausgang sei das Auto schlicht das falsche Verkehrsmittel, der Vorstoss ein altes Anliegen der Autolobby. Deren Doktrin: «Man ist nur mobil, wenn man Autofahren kann», so die VCS-Präsidentin. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Auto werde so unterlaufen.

Eine Anfrage beim ehemaligen Präsidenten der Grünen Schweiz, Ueli Leuenberger, blieb bis Freitagabend unbeantwortet. Christian van Singer erklärte: «Ich habe mit meiner Unterzeichnung dem Sicherheitsaspekt dieses Vorschlags Gewicht gegeben. » Er erhoffe sich mit der Senkung des Mindestalters mehr Übung der Junglenker. Das könnte die Sicherheit auf den Strassen erhöhen. Ökologisch dagegen würde eine Praxisänderung wenig verändern, so van Singer. «Ob jene, die Autofahren wollen, das mit 18 oder 16 machen, spielt letztlich keine Rolle. »

Mehr Verletzte und Tote befürchtet

Skeptisch äusserten sich dagegen der Fahrlehrer-Verband und die Strassenopfer-Stiftung Road Cross. Road-Cross-Sprecher Silvan Granig verweist auf das «weniger ausgeprägte Risikobewusstsein von 16-Jährigen». Insgesamt befürchtet er bei einer Herabsetzung des Mindestalters mehr Tote im Strassenverkehr.