Zuwanderung
Grübel: «Habe grosses Verständnis für die Entscheidung der Schweizer»

Für den Ex-Chef der UBS und der Credit Suisse, Oswald Grübel, ist das Ja zur SVP-Initiative keine Überraschung. «Das konnte so nicht weitergehen, sagt er. Die Deutschen würden gleich abstimmen. Die Schweiz sei weiter attraktiv.

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Ex-UBS-Chef Oswald Grübel: «Das konnte so nicht weitergehen».

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel: «Das konnte so nicht weitergehen».

Keystone

«Ich habe zwar keinen Schweizer Pass, aber ich Sorge mich nicht darum, dass ich meine Aufenthaltsgenehmigung verlieren könnte. Ich habe viele Jahre hier gearbeitet und glaube nun nicht, dass man mich jetzt noch rauswirft», sagt der ehemalige Chef von Credit Suisse und UBS in einem Interview mit dem deutschen «Handelsblatt».

Das Ja zur Vorlage, die ja keine Ausschaffungs-Initiative sei, habe ihn nicht überrascht. Im Gegenteil: Grübel hat das so erwartet. «Und ich habe grosses Verständnis für die Entscheidung der Schweizer.»

In der Schweiz würden heute fast ein Viertel Ausländer leben, soviel wie kaum in einem anderen Land in der Welt. «Das konnte nicht so weiter gehen.»

Deutschland würde gleich abstimmen

Grübel ist überzeugt, dass auch in Deutschland «eine vergleichbare Abstimmung ähnlich ausgegangen wäre» und dies, obwohl in Deutschland nur acht Prozent der Bewohner Ausländer seien. «Wir Deutschen sollten also vorsichtig sein mit Kritik am Schweizer Votum», folgert Grübel.

Grübel ist überzeugt, dass das Ja für die Schweizer Wirtschaft kurzfristig Nachteile haben wird. Die Schweiz brauche nur wenige der 80000 Zuwanderer wirklich. Die Schweiz habe weiterhin auch attraktive Arbeitsplätze zu bieten, so dass weiter Hochqualifizierte zuwandern würden.

Freihandelsabkommen statt Bilaterale

Grübel sieht auch in einem System von Kontingenten nichts Negatives. «Als ich in die Schweiz gekommen bin, hat es solche Kontingente bereits gegeben. Und aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nicht sagen, dass das Land damit schlecht gefahren ist.»

Das Schweizer System der direkten Demokratie sei nicht mit der Funktionsweise einer Europäischen Union kompatibel, glaubt Grübe. Statt einer Fülle von Einzelverträgen rät er der Schweiz, mit der EU ein umfassendes Freihandelsabkommen auszuhandeln, wie es die EU ja auch mit den USA anstrebe. «Und in diesem Freihandelsabkommen ist die Zuwanderungsfrage natürlich ausgeklammert.»