Schon in den Vormittagsstunden ging im Zentrum Pristinas nichts mehr. Endlose Autokolonnen verstopften die Strassen. Busse, Autos, Lastwagen und Taxen waren ausnahmslos mit der blauen Nationalfahne geschmückt.

"Heute ist ein Geburtstag für uns alle", sagte Regierungschef Hashim Thaci während einer Sondersitzung des Parlaments in der Hauptstadt. Das vergangene Jahr sei das Jahr "des historischen Erfolgs unseres Landes" gewesen, sagte Thaci weiter.

Mahnende Worte kamen allerdings von Präsident Fatmir Sejdiu. Er kritisierte die Haltung Serbiens, das die Unabhängigkeit des Kleinstaats weiterhin ablehnt.

Das Kosovo hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, neun Jahre nach dem Ende des Krieges von 1998 bis 1999. Es wird unter anderem von 22 der 27 EU-Staaten, der Schweiz sowie den USA diplomatisch anerkannt.

Der Kleinstaat ist tief gespalten zwischen der albanischstämmigen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit, die im Norden an der Grenze zu Serbien lebt.

Der serbische Präsident Boris Tadic schloss am Vorabend der Unabhängigkeitsfeiern erneut eine Anerkennung des Kosovo kategorisch aus. Serbien werde nichts unternehmen, aus dem sich ein solcher Schritt ableiten lasse, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Regierung des jüngsten europäischen Staates kämpft aber nicht nur mit den ethnischen Problemen. Der Rekord an Arbeitslosen im europäischen Massstab, die soziale Misere, die Energie- und Wasserknappheit, das kränkelnde Bildungssystem, die fehlende Infrastruktur und Zigtausende ungeklärte Eigentumsfälle sind nur einige Steine im grossen Problemberg.