Wallis
Grosse Empörung über Freysingers Flagge – nur nicht im Wallis

Oskar Freysingers Spiel mit Rechtsaussen war im Wahlkampf kaum ein Thema. Das hat sich nun geändert. Aus seinem Heimatkanton und auch von der Wahl-Verliererin CVP gibt es aber wenig Kritik.

Daniel Fuchs
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Wenig Kritik aus Oskar Freysingers Heimkanton (Archiv)

Wenig Kritik aus Oskar Freysingers Heimkanton (Archiv)

Keystone

Sein nonchalanter Auftritt und Varones Griff zum antiken Steinbrocken lenkten die Aufmerksamkeit von Oskar Freysingers Dauerflirt mit Europas Rechtsextremen-Szene ab. Das war vor den Walliser Staatsratswahlen und vor dem Auftritt des frischgebackenen SVP-Staatsrats im Schweizer Fernsehen vom letzten Sonntag.

Seither dreht sich alles um die deutsche Reichskriegsflagge, die die Bürodecke des Dichters und Lehrers aus Savièse ziert. Hörbar genervt, will Freysinger keine Stellung zu seiner Flagge nehmen. Trotzdem versucht er ausschweifend zu erklären, warum diese Geschichte nichts anderes als Medienhetze ist. «Das aber zur Nichtveröffentlichung», wie Freysinger nachschiebt.

Nur Innendekoration?

Von 1871 bis 1918 war die Reichkriegsflagge die offizielle Flagge der Streitkräfte des Deutschen Reichs. Hitlers Kriegsmarine hisste sie bis 1945. Heute zwar nicht verboten, aber dennoch verpönt, taucht die Reichskriegsflagge immer wieder bei Kundgebungen von Rechtsextremen auf. Doch im Wallis empört es kaum jemanden mehr, dass Freysinger diese Flagge zeigt. Nicht einmal die Sozialdemokraten, die mit einem Video den «Sexisten» und «Rechtspopulisten» als Staatsrat zu verhindern versuchten. Es half nicht - Freysinger wurde mit mehr als 53 000 Stimmen gewählt.

Das macht es für die CVP, die ihre absolute Mehrheit im Bergkanton erstmals abgeben musste, nicht einfacher: Der Präsident der Unterwalliser Sektion, Michel Rothen, würde am liebsten über die Flagge in Freysingers Büro hinwegsehen. «Die Häuser der Walliser glänzen nicht mit den besten Innendekorationen», beschwichtigt er. Die Wähler wüssten, wie der Mann ticke.

Würde die CVP mit Entrüstung reagieren, so müsste sie sich wohl vorwerfen lassen, die Rolle der Wahlverliererin schlecht zu spielen. Das weiss auch der CVP-Präsident und Walliser Christophe Darbellay, wenn er sagt: «Kein Kommentar.» Kein Kommentar - so verlautet es auch aus der Walliser Regierung, die erst ab Mai in neuer Besetzung amtieren wird.

Eine Wundertüte

Freysinger, der Mann, der mit der Provokation spielt: Peter Bodenmann, sozialdemokratischer Übervater der Walliser Politik, verglich ihn in der «Weltwoche» mit Beppe Grillo, mit dem Überraschungspotenzial eines «alpinen Flipperkastens». Ist es gerade diese Unernsthaftigkeit, die den Mann mit Rossschwanz umgibt? Wenig ernsthaft scheinen die Rezepte der Walliser Politik gegen die Liebäugelei des Volkstribuns mit Europas Rechtsaussen zu sein.

So macht sich die SP Oberwallis Gedanken darüber, an Mittelschulen eine Ausstellung der Gräueltaten Hitler-Deutschlands zu fordern. Sektionspräsidentin Doris Schmidhalter-Näfen, wohl ahnend, dass Freysinger Bescheid über die Verwendung der Flagge weiss: «Offenbar tut Aufklärung not. Es sieht danach aus, als ob an den Mittelschulen nicht bekannt ist, welche Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs unter dieser Flagge verübt worden sind.»

Nur wenig verbindlicher die Forderung der Grünen, für die insbesondere ein Bildungsdirektor Freysinger untragbar ist: «Man weiss bei Freysinger nie, woran man ist. Immer weicht er aus, statt sich von rechtsextremem Gedankengut ein für alle Mal zu distanzieren», kritisiert die Vizepräsidentin der Walliser Grünen Brigitte Wolf.

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