Globegarden

Grösster Kita-Betreiber der Schweiz bittet Eltern um Spendenbeitrag – wegen Treuhandkosten

Viele Eltern haben den Beitrag gemäss eines Sprechers bezahlt. (Symbolbild)

Viele Eltern haben den Beitrag gemäss eines Sprechers bezahlt. (Symbolbild)

Globegarden, der grösste Kitabetreiber der Schweiz, hat wegen der Coronakrise hohe Treuhandkosten. In einem E-Mail bittet Globegarden die Eltern deswegen um einen «solidarischen Beitrag» von 150 Franken. SP-Nationalrat Cédric Wermuth findet, die Sache habe einen faden Beigeschmack.

Schweizer Eltern hatten es während des Corona-Shutdowns nicht leicht. Die Schulen waren geschlossen, viele Betriebe auch. Kindertagesstätten hingegen blieben grösstenteils geöffnet. Trotzdem entschieden sich viele Eltern dazu, ihre Schützlinge zuhause zu behalten.

Mehrere Kantone haben sich dann auch dazu entschieden, den Eltern die Betreuungsgebühren zu erstatten. Dies ist jedoch ein komplizierter Prozess: Für jedes Kind müssen tagesgenaue Abrechnungen gemacht werden, um die präzise Summe für die Kantone zu berechnen.

Eine Last, für die sich der grösste Kitabetreiber der Schweiz, Globegarden, Hilfe geholt hat. Ein externes Treuhandbüro hat der Kita-Kette bei den Berechnungen unter die Arme gegriffen. Natürlich aber nicht umsonst.

Das Unternehmen möchte diese Kosten jedoch nicht alleine tragen: In einer E-Mail an alle Eltern bittet man um einen «freiwilligen, solidarischen Beitrag» von 150 Franken, «um unsere Aufwände inklusive Mehrarbeit und Treuhänderaufwände für die Abrechnungsperiode zumindest teilweise zu decken.»

«Kosten sollten nicht auf Eltern abgewälzt werden»

Wollen die Eltern das Geld nicht zahlen, so müssen sie dies schriftlich begründen. Erfolgt keine Antwort, so werden die 150 Franken in Rechnung gestellt. Wie Globegarden auf Anfrage sagt, würden diese Schlussrechnungen aufgrund der komplizierten Lage jedoch persönlich mit den Eltern angeschaut.

Für SP-Nationalrat Cédric Wermuth, der selbst ein Kind in einer Kita hat, hinterlässt diese Forderung einen faden Beigeschmack: «Es kann nicht sein, dass Eltern für diese durch die Coronakrise verursachten Kosten aufkommen müssen.»

Von der Kita seines Vertrauens habe er zwar noch keine solche Spendenanfrage erhalten, trotzdem fordert Wermuth, den Bund und die Kantone mehr in die Verantwortung zu nehmen. «Kindertagesstätten sollten wie eine Volksschule behandelt werden, sie sind eine wichtige Vorstufe zum Kindergarten.» Wermuth findet, dass Kitas zu einem selbstverständlichen Service Public werden sollten und die teilweise sehr hohen Kosten für die Eltern sinken.

Viele Eltern zahlen

Ein Pressesprecher von Globegarden relativiert indes: «Wir haben ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Beitrag freiwillig sei.» Viele der Eltern hätten den Betrag bereits bezahlt, nur vereinzelt sei dies abgelehnt worden.

Die finanzielle Lage der Kita-Kette, die vor 13 Jahren gegründet wurde und bereits 54 Filialen in der ganzen Schweiz zählt, sei jedoch trotz der Spenden-Bitte stabil. Bei diesem Solidarbeitrag gehe es ausschliesslich darum, einen Teil des Mehraufwands zu decken.

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