Griechenland
Griechenpleite kostet Schweiz 690 Millionen - oder weit mehr

Auch die Schweiz zahlt für Griechenland. Es werden mindestens 690 MIllionen Franken. Für Experten ist das Geld aus dem Fenster geworfen. Griechenland sei trotz Milliardenspritze spätestens 2012 pleite, sagt Wirtschaftsprofessor Walter Wittmann.

Christian Bütikofer
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Keystone

Damit Griechenland nicht Bankrott geht mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft, bekommt das Land einen Kredit von 110 Milliarden. Auch die Schweiz zahlt sicher über 600 Millionen. Denn die Euro-Länder bringen 80 Milliarden ein, den Rest spricht der Internationale Währungsfonds (IWF), wo die Schweiz Mitglied ist. Der IWF hilft Ländern in Not und hält die Weltwirtschaft in Schwung.

690 Millionen oder mehr von der Schweiz

Die Schweiz müsste gemäss ihrem Anteil von 1,6 Prozent am IWF etwa 690 Millionen Euro zahlen. Es könnten aber deutlich mehr werden, was mit dem Finanzierungsmodell des IWF zusammenhängt: Der Fonds mit einer Gesamtvolumen von 350 Milliarden erhält die Gelder von seinen 186 Mitgliedern in Tranchen.
Da wie die Schweiz auch andere Länder noch nicht alle ihre Beiträge voll einzahlten, ist es möglich, dass von den 30 Griechen-Milliarden ausstehende Gelder nicht anteilmässig verteilt werden. Länder mit solider Finanzlage wie die Schweiz müssten dann mehr beisteuern. Entschieden ist noch nichts, spätestens am 12. Mai legen sich die IWF-Mitglieder fest.

Experten: Griechenland-Kredit ist verloren

Mehrere Experten sind sicher, dass Griechenland die Schulden nicht zurückzahlen kann. Gegenüber der Aargauer-Zeitung meinte Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann von der Universität Zürich, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr begleichen könne. Eine Schuldenreduktion oder ein Moratorium sei in ein paar Jahren unausweichlich. Noch deutlicher wird Wirtschaftsprofessor Walter Wittman gegenüber dem Wirtschaftsportal Cash: «Griechenland sollte man pleite gehen lassen.»

Verfehlte EU-Zinspolitik

Tobias Straumann meinte, dass Griechenland Opfer einer verfehlten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geworden sei. Denn die Leitzinsen seien der Konjunkturlage der südlichen Länder Europas nicht genug angepasst. Ändere die EZB diese Praktik nicht, sieht Straumann weitere Wirtschaftskrisen am Horizont - etwa in Portugal oder Spanien.

Weitere Informationen: Griechen protestieren gegen Sparprogramm