Prozess wegen Feuerwehrunglück

«Gretzenbach»-Ingenieur gibt Fehler zu

Die Stützen konnten die Decke der Tiefgarage nicht halten.

Die Stützen konnten die Decke der Tiefgarage nicht halten.

Der veranwortliche Ingenieur hat beim «Gretzenbach»-Prozess Fehler zugegeben. Sein damaliger Vorgesetzter machte von seinem Schweigerrecht Gebrauch.

Der Prozess zum Feuerwehrunglück von Gretzenbach begann gestern Morgen vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen. Das Gericht tagt in der Zusammensetzung Eva Berset (Vorsitz), den Amtsrichtern Gisela Stoll und Arnold Uebelhart sowie Gerichtsschreiberin Madeleine Steinegger (mit beratender Stimme). Eingangs rollte die Gerichtspräsidentin nochmals die Vorgeschichte auf und erläuterte den Anwesenden, wieso es fast sechs Jahre gedauert habe, bis der Prozess begonnen werden konnte (vergleiche dazu die Samstags-Ausgabe). Nach der Bekanntgabe des Fahrplans für die kommenden zwei Wochen stellte sie den Anwälten der Angeklagten die Frage nach eventuellen Vorbemerkungen, was eine Verzögerung des Prozessauftakts nach sich zog.

Am Nachmittag, nach der Behandlung der Anträge der Verteidiger, konnte mit dem verantwortlichen Ingenieur der erste Angeklagte befragt werden. Zusammenfassend warf ihm Staatsanwalt Rolf von Felten vor, er habe sich durch pflichtwidrig unvorsichtiges Verhalten schuldig gemacht: Während der Planung der Einstellhalle im Gretzenbacher Staldenacker im Jahr 1989 habe er die Stützenlast falsch berechnet sowie den Widerstand hinsichtlich sämtlicher Stützen unterschätzt.

Dadurch hätten sich «Einspannmomente ergeben, welche zu einer ungleichmässigen Verteilung der Querkraft» geführt habe. Somit sei die Durchstanzsicherheit bei sechs Stützen nicht eingehalten worden.

Fall Gretzenbach - der zweite Prozesstag

Fall Gretzenbach - der zweite Prozesstag

Berechnungen nicht überprüft

Ferner habe es der Ingenieur unterlassen, die Informationen über die gegen Ende des Jahres 1990 festgestellten Risse in der Decke sowie die massive Überschüttung zum Anlass zu nehmen, seine Berechnungen zu überprüfen und vom Bauherrn respektive Bauleiter das Abtragen des Aufschüttungsmaterials «mit Nachdruck» zu fordern.

Der Ingenieur, für den der «Staldenacker» die erste Einstellhalle gewesen war, für die er statische Berechnungen durchführen musste, gab zu, dass er falsche Kalkulationen vorgenommen habe. «Ich stehe zu meinen Fehlern», bekannte er, meinte auf Nachfrage der Gerichtspräsidentin aber auch: «Ich weiss nicht, wie das passieren konnte.» Die Vorwürfe bezüglich der Risse und der Aufschüttung bestritt er aber heftig: «Wir haben ganz klar kommuniziert, dass die Aufschüttung zu massiv ist.»

Weshalb er denn nicht mit mehr Nachdruck interveniert habe, wollte Eva Berset weiter wissen. «Beides zusammen erachteten wir als gravierend, aber nicht als so schwerwiegend, dass wir von einer Einsturzgefahr ausgingen», so der Angeklagte 1. Er äusserte die Vermutung, dass alles zusammen – falsche Berechnungen, Überschüttung und Brand – zum Einsturz geführt haben könnte. Ansonsten waren bei ihm deutliche Erinnerungslücken zu erkennen, auf die er sich immer wieder berief.

Der damalige direkte Vorgesetzte des Ingenieurs (Angeklagter 2) machte von seinem Schweigerecht Gebrauch, verlas aber eine Erklärung, in der er das Geschehene zutiefst bedauerte.

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