Grenchen

Amokläufe schockieren. Und sie erschüttern das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung. Grenchen hat nach den jüngsten Ereignissen in aller Welt eine Gefahrenanalyse erstellt. Nun wird die Umsetzung konkreter Massnahmen vorangetrieben.

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Das Thema Sicherheit sei den Krippenleitungen jedoch schon länger bekannt. «Es bestehen strikte Regeln darüber, wer ein Kind von einer Krippe abholen darf.» Personen, die ein Kind keinesfalls abholen dürfen - beispielsweise ein Vater, dem das Besuchsrecht entzogen wurde - sind in den Unterlagen des Kindes mit Foto vermerkt. Der Grund für diese Massnahme ist aber weniger die Angst vor einem Amok als vor der Entführung eines Kindes.

Alarmanlage und Videoüberwachung

Die Spielgruppen werden ebenfalls als besonders gefährdet eingestuft. Das Thema Sicherheit genoss dort bislang wenig Aufmerksamkeit. Dazu Maya Karlen: «Die Stadt hat nur beschränkten Einfluss auf die privaten Spielgruppen. Wir sehen jedoch Handlungsbedarf und haben die Leiterinnen diesbezüglich informiert.»

Ein Massnahmenkatalog gibt neu Auskunft darüber, wie die Sicherheit in den städtischen Institutionen verbessert werden kann. Dazu gehören Präventionsmassnahmen im technischen Bereich. «Obwohl auch sie kein Allheilmittel sind», betont Maya Karlen. Im Gespräch stehen automatische Türschliesssysteme, Alarmanlagen, Videoüberwachung der Eingänge und interne Notruftasten. Des Weiteren sollen organisatorische Massnahmen helfen, unberechtigte Personen von Gebäuden fernzuhalten. «Handwerker müssen sich voranmelden. Es darf nicht mehr geschehen, dass jemand im Arbeitskittel auftaucht und sagt, er müsse den Zähler ablesen.»

Kugelsichere Weste und Kampfstiefel

Die Angestellten der Stadt werden darauf vorbereitet, im akuten Fall richtig zu handeln. Dazu Stadtschreiber François Scheidegger: «Alle Abteilungen müssen Sofortmassnahmen anwenden können.» Dennoch will der Stadtschreiber keine Hysterie auslösen: «Man darf das Ganze nicht überbewerten, aber auch keinesfalls unterschätzen.»

Bei einer Amoktat übernimmt die Polizei die Führung. «Wir sind die letzte Instanz. Wenn wir gerufen werden, ist es eigentlich bereits zu spät», kommentiert Robert Gerber, Kommandant der Stadtpolizei. Er habe das Thema mit seinem Team mehrfach besprochen. «Alle Polizeikorps sind da dran.» Regelmässig werden Pistolenschiessen und Nahkampf trainiert. «Ein Amoktäter nimmt auf niemanden Rücksicht. Das ist für die Polizei ein heikle Angelegenheit.»

Der Polizeikommandant beobachtet, dass seine Leute die freiwillige kugelsichere Weste häufiger tragen - insbesondere in der Nacht. Zudem gebe es Unterschiede zwischen den jungen und den älteren Polizisten: «Die Jungen tragen immer Kampfstiefel. Die älteren eher Halbschuhe. Das ist eine Sache der Ausbildung.»

Verherrlichung von Gewalt

Grundsätzlich ist Robert Gerber der Meinung, dass alles unternommen werden müsse, um potenzielle Täter zu erkennen, bevor etwas passiert. «Amoks werden langfristig geplant. Die Beobachtung auffälliger Jugendlicher ist unerlässlich.»

Dem stimmt Schulsozialarbeiterin Jeannine Brodbeck zu. Früherkennung sei jedoch nicht einfach. «Quasi alle Jugendlichen machen in dieser Entwicklungsphase enorme Veränderungen durch. Da ist es schwer zu erkennen, ob es sich dabei um eine abnormale Veränderung handelt.» Verherrlichung von Gewalt und Waffen seien mögliche Hinweise darauf. «Es kommt aber immer auch darauf an, was ein Kind wirklich erzählt.»

Gewalt sei durchaus ein Thema an Grenchner Schulen. «Der Umgang unter den Kindern ist oft grob. Zu uns kommen meistens diejenigen, die sich bedroht fühlen und darunter leiden.» Die Schulsozialarbeiterin geht davon aus, dass 99,9 Prozent der Jugendlichen «weit weg davon sind, zum Amoktäter zu werden. Doch nur ein Einziger ist einer zu viel.» (mz/bel/aen)