Gotthard

Gotthard-Tunnel - ein Milliardengrab?

Bundesrat Moritz Leuenberger, frisch gewaehlter Bundesrat, stoesst mit seinem Amtsvorgaenger Otto Stich, links, auf ein Glas an, aufgenommen im September 1995 in Bern.

Bundesrat Moritz Leuenberger, frisch gewaehlter Bundesrat, stoesst mit seinem Amtsvorgaenger Otto Stich, links, auf ein Glas an, aufgenommen im September 1995 in Bern.

Ex-SP-Bundesrat Otto Stich hält den Gotthard-Tunnel für ein Milliarden-Grab. Der ehemalige SP-Bundesrat und Finanzminister Otto Stich mag nicht in den Durchstoss-Jubel einstimmen.

«Der neue Gotthard-Tunnel ist ein Flickwerk, solange die Zufahrten nicht gemacht werden», kritisiert Ex-SP-Bundesrat Otto Stich in der Zeitung "Der Sonntag".Und ergänzt. «Der Tunnel ist so teuer, dass man ihn vermutlich nie wird rentabel machen können.» Der Solothurner war 1983 bis 1995 im Bundesrat und galt als Gegenspieler des europafreundlichen SVP-Bundesrats Adolf Ogi, der die neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) vorantrieb.

Otto Stich hat seine Meinung nicht geändert: «Wichtige Fragen sind bis heute unbeantwortet: Was werden die wahren Investitionsbeträge sein, was kosten Betrieb und Unterhalt und wer soll das alles zahlen?» Er ist überzeugt: «Da entstehen neue Schuldenberge.» Stichs Kritik als blosse Stichelei eines schlechten Verlierers abzutun, wäre zu einfach. Denn der Ex-Finanzminister trifft wunde Punkte. So rechnet man bei den Baukosten für die Gotthard-Achse inzwischen mit  12,2 Milliarden Franken - das sind fast 5 Milliarden mehr als ursprünglich veranschlagt.

Teuer könnte auch der Betrieb zu stehen können. Wenn die Züge ab 2016/2017 durch den neuen Tunnel brausen, brauchts Geld für den Betrieb und Unterhalt. Woher das kommen soll, ist weitgehend unklar. Natürlich gibts auch Einnahmen: Die Bahnen, die durch den Rekordtunnel fahren, müssen einen Trassenpreis bezahlen. Aber diese Einnahmen werden die Betriebs-, Unterhalts- und Zinskosten kaum decken. Aktuelle Studien dazu gibts nicht. Die letzte Untersuchung – vom Büro Ecoplan aus dem Jahr 2002 – ergab, dass sich bis ins Jahr 2070 ein Bruttoverlust von 10 bis 24 Milliarden Franken (!) auftürmen wird, je nach Verkehrsszenario.

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