Kirchen
Gottes Lohn reicht nicht: So unterschiedlich sind die Löhne der kantonalen Kirchenfürsten

Das Top-Salär des obersten Reformierten hinterfragt in der Kirche kaum einer. Kein Wunder, denn auch die kantonale Kirchenspitze wird gut entlöhnt.

Jonas Schmid
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Vergoldete Kirchen? Das Grossmünster ist ein Wahrzeichen des zwinglianischen Zürichs.

Vergoldete Kirchen? Das Grossmünster ist ein Wahrzeichen des zwinglianischen Zürichs.

SEVERIN BIGLER

Wie viel verdient das Bodenpersonal Gottes? Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK), legte vor Monatsfrist sein Gehalt offen: 220'000 Franken brutto verdient er pro Jahr, Spesen wie etwa Kurzstrecken-Flüge in der Business-Klasse nicht inbegriffen. Der oberste Reformierte bewegt sich lohnmässig in vergleichbaren Gefilden wie Regierungsräte eines Kleinkantons. Zu reden gibt Lochers Top-Salär in Kirchenkreisen kaum. Mit gutem Grund: denn während die Basis oft ehrenamtlich arbeitet, beziehen auch kantonale Kirchenfunktionäre stattliche Gehälter.

Top-Verdiener ist der Zürcher Ratspräsident Michel Müller. Er kassiert für sein Vollamt 217'178 Franken, also nur geringfügig weniger als Locher. Während der SEK-Präsident 35 Angestellte beschäftigt, trägt Müller immerhin die Verantwortung für gut 600 Mitarbeiter. Die übrigen sechs Mitglieder der Zürcher Exekutive sind mit einem 38-Prozent-Pensum angestellt, wofür sie mit 71'700 Franken abgegolten werden.

Die grösste Kirche sind die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn mit 600'000 Mitgliedern. Alleine mit Gottes Lohn kommt aber auch deren Synodalratspräsident Andreas Zeller nicht über die Runden. Er bezieht im Vollamt ein Gehalt von 203'500 Franken. Seine sechs Kollegen im Synodalrat verdienen für eine 45-Prozent-Anstellung immerhin noch rund 86'600 Franken.

Dank Kirchensteuern von Privatpersonen und Firmen verfügt die reformierte Kirche über viel Geld. Fast eine Milliarde Franken sprudelt jährlich in ihre Kassen. Sicher ist: der Löwenanteil dieser Mittel wird für Lohnkosten aufgewendet. Da jeder Kanton ein eigenes Staatskirchenrecht kennt, fallen die Bezüge sehr unterschiedlich aus – je nach regionalem Lohnniveau und Wohlstand der jeweiligen Kirche.

Ein Ost-West-Graben

Zu den reicheren Kirchen zählen die Aargauer Reformierten. Das Vollamt ihres Präsidenten Christoph Weber-Berg wird mit 180'000 Franken vergütet, inklusive Zulagen. Die anderen zu 90 Prozent angestellten Kirchenräte erhalten noch 164'000 Franken. Der St. Galler Kirchenvorsteher Martin Schmidt wiederum wird für sein Vollamt mit 159'708 Franken, plus 12'000 Franken Funktionszulage entschädigt.

Im selben Rahmen bewegen sich die Luzerner und Bündner: Die Präsidentin des Luzerner Synodalrats, Ursula Stämmer, verdient für ihr 50-Prozent-Pensum 80'000 Franken, plus Zulagen von 13'000 Franken. Den restlichen vier Synodalratsmitgliedern wird ihre 25-Prozent-Anstellung mit je 40'000 Franken vergütet. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden schliesslich zahlt für die 20-Prozent-Anstellung ihrer Kirchenräte 25'600 Franken, plus Sitzungsgelder von 250 Franken pro Tag. Das 40-Prozent-Präsidium, welches Andreas Thöny innehat, wird mit rund 51'000 Franken abgegolten.

Im Kanton Waadt sind Kirche und Staat nicht getrennt: Pfarrer erhalten ihren Lohn direkt aus der öffentlichen Kasse. Ratspräsident Xavier Paillard übt sein Amt zu 80 Prozent aus und bezieht ein Gehalt von 106'000 Franken, zuzüglich Spesen von monatlich 800 Franken.

Den Gürtel enger schnallen müssen die Landeskirchen in Genf und Neuenburg: Kirche und Staat sind strikt getrennt. Steuern werden keine erhoben. Die Reformierten in Neuenburg sind auf freiwillige Zuschüsse ihrer Mitglieder angewiesen. Auf ihrer Website prangt denn auch prominent ein Spendenaufruf. Pfarrer aus der übrigen Schweiz unterstützen ihre Neuenburger Kollegen mit einem Solidaritätsbeitrag.

Mit dem Mitgliederschwund sinken auch die Pfarrgehälter. Orientierten sich diese früher am Lohn der Gymnasiallehrer, so entsprechen sie heute jenem der Sekundarlehrer. Tendenz sinkend.