Bruno Utz

Dass der Handels- und Industrieverein Kanton Bern (HIV) gegen Ende Jahr an die Grossrätinnen und Grossräte Noten verteilt, hat mittlerweile Tradition. Gestern stellte der HIV bereits sein 6. Grossratsrating vor. Fünf Monate vor den Erneuerungswahlen kommt das HIV-Attest «wirtschaftsfreundlich» all jenen entgegen, die sich als Vertreter dieser Gruppierung verstehen. Dazu gehört Hans Baumberger.

Der 65-jährige freisinnige Langenthaler durfte für sein mit 34 von maximal 36 Punkten bewertetes Abstimmungsverhalten im Ratssaal ein Goldvreneli entgegennehmen. «Mich überrascht es, dass ich ganz vorne gelandet bin. Mein Abstimmungsverhalten kommt aber von Innen heraus, das entspricht eben meinem Wirtschaftsverständnis», kommentierte Baumberger sein Ergebnis.

FDP hat die Nase vorn

Als Beste «vergoldet» wurden noch Eva Desarzens (Boll), Hans-Rudolf Feller (Steffisburg), Franziska Stalder (Muri) und Adrian Haas (Bern). Sie gehören alle der FDP an. Die FDP stellte ihre eigene Einordnung als «Wirtschaftspartei» mit ihrem Abstimmungsverhalten unter Beweis: Die 25 erfassten freisinnigen Fraktionsangehörigen erreichten nämlich im Durchschnitt 26,8 Punkte.

«Für unsere Mitglieder und unsere Wählerschaft macht das Rating deutlich, weshalb der HIV gewisse Kandidierenden zur Wahl empfiehlt und andere nicht», sagte Präsident Niklaus J. Lüthi. Das Abstimmungsverhalten im Rat sei jedoch nicht alleinentscheidend. «Wichtig ist auch, dass die Grossräte durchs Jahr landauf und landab mit Referaten an Anlässen das Wirtschaftsverständnis der Zuhörenden fördern.»

SP und Grüne landen beim HIV hinten

HIV-Direktor Adrian Haas betonte, «es geht uns nicht ums Pünktchenzählen. Mit dem Rating wollen wir Tendenzen aufzeigen.» Aufgrund der Resultate gehörten selbstverständlich auch SVP (Punktedurchschnitt: 25,4), BDP (20,5) und EDU (19,6) zu den «wirtschaftsfreundlichen» Parteien. Die CVP (2) und die EVP(-5,7) bezeichnete Haas als «indifferent mit grossen personellen Unterschieden». Wie gewohnt erhielten SP (-14,7) und Grüne (-16,7) vom HIV den Stempel «wirtschaftsunfreundlich» aufgedrückt.

Die Frage, was der erfolgreiche Sonnenenergie-Pionier Josef Jenni (EVP/Oberburg) mit seinen vier Minuspunkten falsch mache, beantwortete Lüthi elegant: «Das unternehmerische Verhalten und die parteipolitische Einstellung einer Person müssen nicht übereinstimmen. Wir ermittelten nicht die Weltanschauung.» Er sei froh, dass Josef Jenni wirtschaftlich Erfolg habe.