Flüchtlinge

Glückskette schönt Spenden-Einsatz auf der Balkan-Route

Flüchtlinge überqueren Absperrungen im Sammelzentrum an der Slowenisch-Österreichischen Grenze

Flüchtlinge überqueren Absperrungen im Sammelzentrum an der Slowenisch-Österreichischen Grenze

Die Sammelkette Glückskette ist mit dem Vorwurf konfrontiert, die Angaben zu den für die Flüchtlings-Nothilfe auf der Balkan-Route eingesetzten Mittel geschönt zu haben.

Die Kritik an der Glückskette reisst nicht ab. Nachdem die Sammelorganisation vergangene Woche in die Kritik geraten ist, weil sie entgegen eigenen Aussagen während des Sammelmonats «weniger als 10 Prozent» der gespendeten 24 Millionen Franken für Flüchtlings-Nothilfe auf der Balkan-Route einsetzen will, muss sie sich jetzt auch vorwerfen lassen, die Angaben zu den eingesetzten Mittel geschönt zu haben.

Wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» schreibt, ist in der Medieninformation der Glückskette von 1,2 Millionen Franken die Rede, die in Projekte auf der Balkanroute fliessen – so vermeldete dies aufgrund der Glückskette-Angaben vergangene Woche auch der «Blick».

Tatsächlich jedoch sind davon nur 778 889 Franken Glückskette-Gelder - der Rest sind Eigenmittel der Hilfswerke. Auch der Entscheid der Glückskette, Projektbeiträge für die Flüchtlings-Nothilfe von Schweizer Hilfswerken auf maximal 200 000 Franken zu beschränken, sorgt weiter für Kritik.

Wie die Glückskette diese Woche gegenüber ihren Partnerhilfswerken bekräftigte, sollen Anträge für grössere Nothilfe-Projekte nur in 200 000 Franken-Tranchen gestückelt und als sogenannte Direktorenanträge eingereicht werden können. «Das erhöht die Administrationskosten massiv und verhindert Planungssicherheit», kritisieren Hilfswerksvertreter gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Das Beharren auf Direktorenanträgen, die eigentlich zu einer unbürokratischen Bewilligungspraxis für Soforthilfe führen sollten, hat gemäss Caritas die gegenteilige Auswirkung: Damit wird dringend benötigte humanitäre Nothilfe auf dem Balkan erschwert. Das Caritas-Projekt für Überwinterungshilfe in leerstehenden Hotels auf der griechischen Insel Lesbos wird derzeit weiter vorangetrieben – obwohl bislang unklar ist, ob die Glückskette dafür die benötigten 1,6 Millionen Franken bewilligen wird.

«Caritas Deutschland finanziert 600 000 Franken mit. Im Fall einer Absage der Glückskette müssten wir uns um eine weitere Finanzierung aus dem internationalen Caritas-Netzwerk bemühen», sagt Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Odilo Noti, der weiterhin auf ein Entgegenkommen der Glückskette hofft: «Aufgrund der bisherigen Erfahrungen kann ich mir nicht vorstellen, dass die Glückskette das Projekt nicht mitfinanziert.»

Glückskette-Direktor Burgener beteuert auf Anfrage, dass auch «grössere Projekte» möglich seien, «sofern sie bei der rasch wechselnden Situation vor Ort Sinn machen» – und er kündigt an, «zusätzlich sieben Projekte» auf der Balkan-Route «schnell und unbürokratisch» zu bewilligen.

Auch vergangene Woche hat sich Situation auf der Balkan-Route weiter dramatisch zugespitzt: Täglich kommen derzeit 9600 Flüchtlinge in Griechenland an, allein in den letzten fünf Tagen 48 000 – laut der internationalen Organisation für Migration (IOM) ein neuer Rekord. Über 10 000 Kriegsvertriebene machten sich diese Woche nach UNO-Angaben aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo Richtung Europa auf.

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