Familieninitiative

Gleichstellungsbeauftragte kritisiert SVP-Familieninitiative

Gleichstellungsbeauftragte Sylvie Durrer

Gleichstellungsbeauftragte Sylvie Durrer

Für die Gleichstellungsbeauftragte des Bundes, Sylvie Durrer, birgt die Familieninitiative der SVP verschiedene Risiken für Familien, in denen ein Elternteil zu Hause bleibt. Bundesrätin Widmer-Schlumpf ihrerseits schlägt ein Gutscheinsystem vor.

Die am 24. November zur Abstimmung kommende SVP-Initiative verspreche zwar Steuerabzüge für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen. Gleichzeitig benachteilige die Vorlage aber Familien, die auf ein zweites Einkommen verzichten, sagte Durrer in einem Interview mit der Zeitung "Le Temps" vom Mittwoch.

Laut der Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) zeigen schon heute mehrere Studien, dass das zweite Gehalt zu grossen Teilen von den Steuern und Kinderbetreuungskosten "geschluckt" wird: "Die Folgen eines Verzichts auf ein zweites Einkommen können aber schwerwiegend sein."

"Familien haben zuerst den Eindruck, unter den Gewinnern zu sein", sagte Durrer. Auf längere Sicht könnten aber Schwierigkeiten auftreten. "Bei einer möglichen Scheidung, einer Entlassung oder einem Unfall des arbeitstätigen Elternteils kann die andere Person den Lohnausfall nicht kompensieren."

Falls diese Person während mehrerer Jahre nicht gearbeitet habe, werde es für sie schwierig, eine Tätigkeit zu finden. "Man muss eine Verarmung vieler Familien befürchten", sagte Durrer. Falls die Sozialhilfe in solchen Fällen eingreifen müsste, käme die SVP-Initiative teuer zu stehen.

Gutscheine für Kinderbetreuung

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die vor zwei Wochen die Argumente der Regierung gegen die SVP-Initiative dargelegt hatte, äusserte sich ebenfalls in der Presse. Gegenüber den Zeitungen "24 heures" und "Tribune de Genève" sagte die Finanzministerin, dass das heutige System mit Abzügen nicht in die richtige Richtung gehe.

"Heute praktizieren wir ein System mit zahlreichen unsichtbaren Abzügen", sagte sie. Es mangle an Transparenz: "Ein Gutscheinsystem wäre viel einfacher und würde mehr Klarheit schaffen." Ein entsprechendes Modell werde derzeit im Parlament und Bundesrat diskutiert.

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