Urs Moser

Stolz vermeldet die «Bürgerbewegung Pro Köln e.V.» auf ihrer Homepage einen Neuzutritt. Als Mitglied firmiert seit Neustem der Aargauer SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner. «Für uns kommt diese Neuaufnahme einem Ritterschlag gleich», überschlägt sich «Pro Köln»-Präsident Markus Beisicht vor Freude. Glarner wird als «einer der profiliertesten Islamisierungskritiker in der Schweizer Volkspartei» gefeiert.

Einer der «Spitzenrepräsentanten der mit Abstand erfolgreichsten rechtsdemkokratischen Partei in Europa» bekenne sich damit zur Pro-Bewegung und ihrem Kampf gegen die Islamisierung in Deutschland. Glarners Beitritt zu Pro Köln wird unbescheiden als «Quantensprung für die Zusammenarbeit der Patrioten und Islamkritiker» gewertet.

Unter Extremismus-Verdacht

So viel Ehrerbietung ist für den Aargauer Politiker nicht unbedingt nur schmeichelhaft, denn Pro Köln ist eine alles andere als unumstrittene Vereinigung. Sie wird immer wieder mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht. An verschiedenen Kundgebungen von Pro Köln nahmen in Deutschland bekannte Neonazis teil.

Seit 2004 ist die Organisation im Verfassungsschutzbericht von Nordrhein-Westfahlen unter dem Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung aufgeführt und hat erfolglos vor Gericht gegen diese Erwähnung gekämpft. Gegenüber Radio DRS erklärte gestern eine Vertreterin des Verfassungsschutzes ausdrücklich, es gebe eindeutige Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen von Pro Köln.

«Alles ehrbare Bürger»

Andreas Glarner ficht das nicht an. Die Mitglieder von Pro Köln seien alles ehrbare Bürger. Wenn auch nur ein Rechtsextremer bei Pro Köln dabei wäre, würde er selbstverständlich sofort wieder aus der Organisation austreten, erklärte er gestern auf Anfrage. In Deutschland stehe praktisch jeder unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, auch Linksparteien, selbst Angela Merkel sei von den Verfassungsschützern unter die Lupe genommen worden.

Die Erwähnung von Pro Köln im Verfassungsschutzbereicht hat daher für Glarner keine besondere Bedeutung, das müsse man auch vor dem speziellen geschichtlichen Hintegrund in Deutschland sehen.

Verwandtschaft mit der SVP

Der Aargauer SVP-Fraktionschef sieht in der Bürgerbewegung Pro Köln eine Organisation, die «in etwa die gleichen Ziele wie die SVP» verfolgt. Er sei auf sie aufmerksam geworden, weil er öfters beruflich in Köln zu tun habe.

Die Idee zum Beitritt reifte dann nach der klaren Annahme der Anti-Minarettinitiative und die Reaktionen darauf. Es laufe eine Demokratisierungswelle in Europa an, konstatiert Andreas Glarner, und die Anti-Minarettinitiative werde zum Exportschlager. Daher lohne es sich, sich international zu vernetzen und im Kampf für die gleichen Ziele zu helfen. Pro Köln tut sich hauptsächlich durch den Widerstand gegen den Ausbaudes moslemischen Gebetshauses in Köln-Ehrenfeld zur Zentralmoschee des türkisch-islamichen Dachverbands Ditib hervor.

Andreas Glarner wurde von Pro Köln bereits als Gastreferent an einen Neujahrsempfangs am 17. Januar eingeladen. Er wisse aber noch nicht, ob er daran teilnehmen könne.