Landwirtschaft

Gipfelikönig wird politisch: Hiestand will für Trinkwasser-Initiative kämpfen

© Alex Spichale

Unternehmer Fredy Hiestand engagiert sich für die Trinkwasser-Initiative. Es ist das bislang grösste Politengagement des «Gipfelikönigs». Für die Initianten rund um Fitnesstrainerin Franziska Herren ein Glücksfall sondergleichen.

Trinkwasser und Gipfeli – es gibt Lebensmittel, die man auf den ersten Blick eher miteinander assoziieren würde als diese beiden. Falsch, sagt sich Backwaren-Pionier Fredy Hiestand, besser bekannt als «Gipfelikönig». «Ich will Produkte anbieten, hinten denen ich stehen kann – von A bis Z.»

Mit dieser Prämisse im Hinterkopf hat sich Hiestand jüngst entschieden, die Trinkwasser-Initiative mit vollem Einsatz zu unterstützen – das bislang mit Abstand grösste Politengagement des «eher passiven FDP-Mitglieds», wie er es bezeichnet. Für die Initianten rund um Fitnesstrainerin Franziska Herren ein Glücksfall sondergleichen. «Ich dachte, ich höre nicht recht, als mich Fredy anrief und mir seine Unterstützung zusicherte», sagt sie. Sie habe – zumeist vergeblich – Verbände und Organisationen um Sukkurs angefragt, Unternehmen aber weniger. Umso mehr freue sie sich nun.

Die Initiative, die mit vollem Namen «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» heisst, hat drei Pfeiler: Sie will, dass nur noch diejenigen Bauern Direktzahlungen oder Subventionen erhalten, die in ihrem Betrieb keine Pestizide einsetzen. Auch dürfen sie, wenn sie Staatsgelder wollen, Antibiotika nicht mehr prophylaktisch einsetzen. Und sie dürfen nur noch so viele Tiere halten, wie sie ohne den Import von Futtermitteln ernähren können. So soll gemäss Initianten verhindert werden, dass durch die Regenversickerung auf intensiv bewirtschafteten Flächen Trinkwasser mit Giftstoffen und Rückständen belastet wird.

Die Bauern stellen sich quer

Für die hiesige Produktion von Obst, Gemüse und Fleisch würde ein Ja zur Initiative eine gewaltige Umstellung bedeuten. Für den Schweizer Bauernverband stellt das Anliegen die Schweizer Landwirtschaft gar «grundsätzlich infrage». Ohne Pflanzenschutzmittel würden die Erträge im Pflanzenbau um 20 bis 30 Prozent sinken – mit der Folge, dass mehr Produkte importiert werden müssten. «Wir setzen alles daran, Hilfsstoffe wie Pflanzenschutzmittel nur sehr zurückhaltend einzusetzen», sagt Verbandspräsident Markus Ritter. Die Initiative gehe viel zu weit, zumal auch Bio-Betriebe «genau gleich» betroffen seien. Zudem sei es der Mehrheit der Landwirte schlicht nicht möglich, ausreichend Futter für die eigenen Tiere selbst zu produzieren. An die Adresse von Gipfelikönig Hiestand sagt Bauernchef Ritter: «Für die Herstellung von Gipfeli braucht es Getreide. Eine Getreideproduktion ohne jegliche Pflanzenschutzmittel – seien es biologische oder andere – ist jedoch kaum möglich. Ich weiss nicht, ob sich Hiestand dessen bewusst ist.»

Der Angesprochene nimmt den Seitenhieb gelassen. Die «Angstmacherei» der Bauern sei übertrieben. Es gebe genug Betriebe, die heute schon bewiesen, dass das Anliegen umsetzbar sei. «Zudem verbieten wir die Pestizide ja nicht. Wer sie weiterhin einsetzen will, kann das – man kriegt dann einfach keine Subventionen mehr», so Hiestand, der sich auch bei Projekten in Afrika für eine nachhaltige Landwirtschaft engagiert. Ziel der Initiative sei unter anderem, dass Bio-Produkte günstiger würden. Der Backwaren-Produzent, der gemäss eigenen Angaben in seiner «Fredy’s AG» nur Mehle aus IP-Suisse-Produktion verwendet, hat bis anhin erst einen bescheidenen finanziellen Betrag zugunsten der Initiative gesprochen. «Da wird aber noch einiges dazukommen – denn unsere Gegner haben grosse Mittel», sagt der Unternehmer, der während seiner Laufbahn ein stattliches Vermögen angehäuft hat.

Am kommenden Donnerstag wird die Initiative offiziell bei der Bundeskanzlei eingereicht. Für den festlichen Rahmen ist ein Flash-Mob auf dem Bundesplatz mit der Unterstützung von Musik-Studenten geplant. Fredy Hiestand wird der grosse Abwesende sein. Er weilt dann in Burkina Faso – um sich dort für ein anderes Nachhaltigkeitsprojekt einzusetzen.

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