Strassenverkehr
Giezendanner will zweite Gotthardröhre – jetzt

Der Aargauer SVP-Nationalrat und Transportunternehmer Ulrich Giezendanner verlangt einen zweiten Strassenunnel durch den Gotthard. Support erhält er von bürgerlichen Politikern.

Andrea Marthaler
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Vielleicht wird die zweite Gotthardröhre doch noch gebaut. Nationalrat Ulrich Giezendanner (SVP) lancierte heute eine neue parlamentarische Initiative. Darin fordert er den Bau einer zweiten Röhre. Allerdings soll diese nicht die Kapazität erhöhen, sondern während der nötigen Sanierung des bisherigen Tunnels als Ersatz dienen. Danach soll der Verkehr zwar nach Richtung getrennt, aber mit nur je einer Spur geführt werden. Die zweite Spur dient als Pannenstreifen.

«Während der Sanierung würde der Kanton Tessin diskriminiert werden», führt Giezendanner als wichtigstes Argument auf. «Das geht in einem föderalistischen Land nicht.» Ohne Ersatzlösung würde der Tourismus im Tessin und im Kanton Uri massiv unter der Sanierung leiden. Zudem sei die Schweiz durch die bilateralen Verträge verpflichtet, eine wintersichere Nord-Süd-Verbindung zu unterhalten.
Eine zweite Röhre und richtungsgetrennte Spuren würden nach der Sanierung die Sicherheit massiv erhöhen. Unfälle könnten verhindert werden. Als Transportunternehmer ist dies Giezendanner ein persönliches Anliegen. «Ein tödlicher Verkehrsunfall ist das Schlimmste, was passieren kann.»

Durchdachte Initiative

Giezendanner forderte bereits früher eine zweite Gotthardröhre. Damals zur Kapazitätserweiterung. Im Rahmen der Avanti-Initiative wurde diese vom Volk abgelehnt. Trotzdem ist er zuversichtlich: «Diese Initiative ist durchdacht.» Zudem lanciert er sie diesmal nicht alleine. Markus Hutter (FDP), Norbert Hochreutener (CVP), Filippo Lombardi (CVP) und Hans Grunder (BDP) sammelten ebenfalls Unterschriften. So ist die parlamentarische Initiative in den bürgerlichen Parteien breit abgestützt, auch geografisch gesehen. Giezendanner schätzt, dass über 100 Unterschriften zusammengekommen sind. «Diese Personen werden auch bei einer Abstimmung in den Räten dafür stimmen.»

Anders als frühere Forderungen einer zweiten Gotthardröhre widerspricht der neue Vorschlag insbesondere dem Alpenschutzartikel nicht. Dieser wurde 1994 vom Volk angenommen und verbietet eine Erhöhung der Kapazität auf Transitstrassen im Alpengebiet. Für die Finanzierung, durch Baufirmen auf 1 Milliarde geschätzt, präsentiert Giezendanner verschiedene Lösungen wie eine private Trägerschaft oder eine allfällige Tunnelgebühr.

Keine Kapazitätserhöhung

Kritiker werden in Giezendanners neuem Vorstoss eine versteckte Kapazitätserhöhung wittern. Von zwei Tunnels ist es nicht weit bis zum vierspurigen Ausbau. «Es gibt keine Möglichkeit den Pannenstreifen freizugeben», dementiert Giezendanner. «Wir respektieren die Verfassung.» Würde tatsächlich einst die Kapazität im Gotthard erhöht werden, brauchte es dafür eine Volksabstimmung.