2. Gotthard-Röhre
Giezendanner: «Ich will einen sicheren Tunnel»

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner erklärt, wieso er eine zweite durch den Gotthard Röhre fordert

Christof Forster
Merken
Drucken
Teilen

Ihr Vorschlag für eine zweite Röhre am Gotthard ist geschickt austariert. Damit wäre es aber möglich, den Tunnel dereinst auf vier Spuren zu öffnen.

Ulrich Giezendanner: Dazu braucht es eine Volksabstimmung. Man müsste den Alpenschutz-Artikel in der Verfassung ändern. Das wäre auch heute schon möglich.

Wollen Sie den Ausbau auf vier Spuren?

Nein, jetzt nicht. Ich will vor allem einen sicheren Tunnel mit richtungsgetrenntem Verkehr in zwei Röhren. Die Kapazität bleibt aber die gleiche. Kommt hinzu, dass der Strassentunnel wegen der Sanierung komplett geschlossen sein wird. Für diese Zeit brauchen wir einen Ersatztunnel. Sonst kommt es zum totalen Chaos.

Der Bund wird Alternativen vorschlagen: eine Kombination von Bahnverlad, Passstrasse und San Bernardino.

Das sind utopische Lösungen. Der Bahnverlad kann die Fahrzeuge in Spitzenzeiten nicht bewältigen. Das gäbe Staus bis nach Mailand und Luzern. Die Bündner haben wegen des Schwerverkehrs über den San Bernardino protestiert, als der Gotthard nach dem Brand für zwei Monate geschlossen war.

Wenn die vier Spuren einmal gebaut sind, wäre es doch einfacher als heute, eine Abstimmung zu gewinnen.

Das sehe ich nicht so. Das Volk hat auch in 20 Jahren die genau gleichen Argumente, um abzuwägen, ob es die Kapazitäten durch den Gotthard erweitern will.

Wenn das Volk dazu Ja sagt: Was hätte dies für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zur Folge?

Gar nichts. Der Gotthard-Basistunnel wird vom ersten Tag an nur so stark ausgelastet sein, wie es die Zufahrtsstrecken ermöglichen. Wir haben heute grösste Kapazitätsprobleme auf der Nord-Süd-Achse, obwohl der Lötschberg-Basistunnel in Betrieb ist, aber eben nur einspurig. Wir kommen gar nicht zum Tunnel, weil sich unsere Züge jeden Tag vor Bern stauen. Bei der Neat fehlt der Wiesenbergtunnel.

Aber wenn einmal die Neat fertig ausgebaut ist, konkurrenzieren sich Schiene und vierspuriger Strassentunnel.

Nein. Wir transportieren fast alle unsere Güter mit der Bahn. Am Gotthard haben wir den Stau nicht wegen der Lastwagen, sondern wegen den Personenwagen. Und dies nicht nur in den Ferien, sondern jedes Wochenende.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse will mit dem Geld für die zweite Röhre lieber die Staus in den grossen Agglomerationen beheben.

Economiesuisse sieht hier nicht durch. Auf der Ost-West-Achse haben wir weniger Probleme als am Gotthard. Hier haben wir bewilligte Projekte, die jetzt ausgeführt werden. Am Gotthard hingegen haben wir noch nichts. Um die Staus in den Agglomerationen zu lösen, müssen wir Strassen- und Schienenverkehr ausbauen. Mein Anliegen ist im Übrigen breit unterstützt: Über die Hälfte der National- und Ständeräte hat meinen Vorstoss unterschrieben.