Langenthal
Gibt es genug Parkplätze?

Die Parkplatzsituation in Langenthal gibt immer mal wieder zu reden. Nun erst recht, da die Abstellplätze auf dem Wuhrplatz verschwinden. Doch nicht nur die Anzahl der Plätze ist umstritten, sondern auch das Gebührensystem und die Signalisierung der verschiedenen Parkplätze.

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Parkplätze

Parkplätze

Berner Rundschau

Karin Iseli-Trösch

Einen der grössten öffentlichen Parkplätze in Langenthal wird es schon bald nicht mehr geben: Den Wuhrplatz im Herzen der Stadt. Wo sich heute ein Parkplatz neben den anderen reiht, werden Autos in Zukunft nichts mehr zu suchen haben. Stattdessen wird eine grosszügige Überbauung entstehen und der Platz als Begegnungsort fungieren.

Schön für das Ortsbild und für erholungssuchende Leute. Doch was ist mit all den Automobilisten, die den Platz bis anhin zum Abstellen ihres Fahrzeuges nutzten? Wo sollen die in Zukunft parkieren? Das Projekt für ein unterirdisches Parkhaus wurde im letzten November aus Gründen der Rentabilität verworfen. Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) beruhigt: «Auf dem alten Schlachthausareal gibt es ein Projekt zur Erweiterung des bestehenden Parkplatzangebotes. Fast alle Parkplätze, die wegen der Umgestaltung des Wuhrplatzes wegfallen, können so ersetzt werden.» Nach Meinung des Stadtpräsidenten stehen somit «auch in Zukunft ausreichend öffentliche Parkplätze zur Verfügung». Normalerweise finde jeder Automobilist einen Abstellplatz. Zudem seien die Parkplätze gut in der ganzen Stadt verteilt. Klar könne man nicht direkt vor den Detaillisten in der Marktgasse sein Auto abstellen, aber in städtischen Verhältnissen müsse man einen Fussmarsch von höchstens fünf Minuten vom Parkplatz bis zu einem Geschäft in Kauf nehmen.

Das heutige Parkleitsystem ist ungenügend

Langenthal ist bekannt für seinen Strassenwirrwarr. Nicht nur auswärtige Mobilisten können sich kaum orientieren, auch die einheimische Bevölkerung hat zum Teil Mühe, sich zurechtzufinden. «Immer wieder kommen Kunden zu spät zu ihrem Coiffeurtermin, weil sie den Weg nicht finden konnten», sagt Erhard Trösch, Inhaber von City Coiffure. Einen Parkplatz in der Nähe des gewünschten Ladens zu finden, sei noch einmal eine Stufe schwieriger, da der Weg zu den einzelnen Parkplatzangeboten schlecht gekennzeichnet sei. Der Verwaltungsratspräsident der Langete Parking AG, Werner Leuenberger, kennt diese Problematik. «Immer mal wieder wird der Vorschlag laut, in Langenthal ein elektronisches Parkleitsystem zu realisieren, wie etwa Solothurn oder Bern eines haben. Doch ein solches System ist für Langenthal schon nur aus finanziellen Gründen undenkbar», macht Leuenberger klar. Anders als in anderen Städten gebe es in Langenthal zudem nicht nur eine oder zwei Hauptachsen, die ins Zentrum führten und
beschriftet werden müssten, sondern viele mehr. Um die heutige Situation etwas zu entschärfen, reicht es laut Leuenberger aber schon, wenn bei den entsprechenden Abzweigungen und Kreuzungen die
jeweiligen Parkhäuser und Parkplätze mit einem grossen blauen «P» gekennzeichnet würden. Dies sei jedoch Sache der Stadt. Doch ob man auf dieser Ebene aktiv wird, ist nicht klar. Laut Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) «findet man die Parplätze grundsätzlich». (kit)

Angebot muss vergrössert werden

«Müssen» vielleicht schon, aber «wollen» bestimmt nicht, wie Daniel Bader, Präsident der Stadtvereinigung Langenthal und Mitinhaber der Bader AG Büro Design, sagt. «Fünf Gehminuten sind für den modernen Menschen zu lange, wenn es darum geht, ein Geschäft zu erreichen. Befindet sich der Parkplatz mehr als 100 Meter vom Laden entfernt, sucht sich der Kunde laut Studien eine andere Einkaufsmöglichkeit.» Für Bader ist klar: Um die Umsätze in den Läden im Zentrum halten zu können, muss das Angebot an Parkplätzen im Zentrum der Stadt vergrössert und das Parkleitsystem überarbeitet werden, da sowohl die einheimische Bevölkerung wie auch auswärtige Besucher Mühe hätten, die Abstellplätze zu finden (siehe Kontext).

Doch Bader sieht nicht nur im Angebot und im Leitsystem Verbesserungsbedarf, sondern auch bei den Parkgebühren: «Bei den meisten Parkplätzen ist die erste Stunden Parkieren gratis. In den Innenstädten muss aber vielerorts von der ersten Minute an bezahlt werden. Dies verzerrt den Wettbewerb und ist ein Grund, warum die Geschäfte in den Innenstädten von den Konsumenten gemieden werden.» Auch Erhard Trösch, Inhaber von Coiffure City, ist mit dem heutigen Gebührensystem unzufrieden. Ihm ist vor allem ein Dorn im Auge, dass sich der Kunde bereits beim Parkieren entscheiden muss, wie lange er bleiben wird und nicht erst, wenn er zurückkommt: «Dadurch gehen uns in der Marktgasse viele Einnahmen flöten. Kunden, die sich bei mir die Haare schneiden lassen und sich spontan noch ein paar Strähnchen färben lassen möchten, müssen dies beispielsweise oftmals bleiben lassen, weil die Parkuhr abläuft.» Auch das Zwischenmenschliche leide unter dem Vorherbezahl-Zwang, da die Zeit für einen Kaffee mit einem zufällig getroffenen Freund nicht schon beim Parkieren eingerechnet werden könne.

Eine Barriere für Markthallenplatz

«Ideal wäre ein Parksystem, bei dem der Kunde bei der Anfahrt ein Ticket lösen könnte und die Gebühr erst beim Wegfahren bezahlen müsste», so Trösch. Ihm schwebt etwa für den Markthallenplatz ein Parkiersystem mit Barrieren vor. «Klar ist eine solche Infrastruktur unterhaltsträchtiger als eine Parkuhr, aber ich bin sicher, dass alle davon profitieren würden.» Wie Trösch ist auch Werner Leuenberger, Verwaltungsratspräsident der Parking Langete AG, von den Vorteilen eines Barrierensystems überzeugt. Hoffnungen auf eine baldige Realisierung dieser Idee zerschlägt er aber: «Wir haben der Stadt diesen Vorschlag vor ein paar Jahren bereits einmal unterbreitet. Leider ohne Erfolg. Damals hiess es seitens der Langenthaler Polizeikommission, man habe kein Interesse an zwei unterschiedlichen Gebührensystemen in der Stadt. Der Aufwand für die Kontrolle sei zu gross.» Für Leuenberger ist dieses Argument nicht viel mehr als eine faule Ausrede. Er schliesst nicht aus, dass die Parking AG in Zukunft einen erneuten Vorstoss bei der Stadt machen wird.