Gibt es bald zwei Aargauer Bundesräte?

Gibt es bald zwei Aargauer Bundesräte?

Erst seit der Wahl von Doris Leuthard 2006 ist der Aargau nach langer Zeit wieder im Bundesrat vertreten. Besteht jetzt gar die Chance, nachzudoppeln? MIt Pascale Bruderer und Urs Hofmann stehen zwei sehr valable Kandidaten bereit.

Mathias Küng

Die Diskussion über die Nachfolge von SP-Bundesrat Moritz Leuenberger hat erst angefangen und schon zeigt sich: Die SP Aargau hat gleich zwei herausragende Mandatsträger, denen dieses Amt zugetraut wird - Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer und Regierungsrat Urs Hofmann.

In einer Umfrage des «SonntagsBlicks» votierten 32 Prozent für Bruderer. Vor ihr rangierte einzig die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga mit 43 Prozent. Zwar ist der Aargau mit Bundespräsidentin Leuthard in Bern schon vertreten. Doch die Umfrage zeigt: Für das Volk ist die Herkunft sekundär. Es will die Besten. Und rechtlich sind zwei Bundesräte aus einem Kanton möglich.

Einziger Makel: Jugendlichkeit

Wenn es also zwei aus Zürich oder Bern sein können, so fragt SP-Nationalrat Max Chopard selbstbewusst: «Warum nicht erstmals zwei Aargauer im Bundesrat? Wir hatten lange genug niemanden dort.» Mit Pascale Bruderer und Urs Hofmann habe man ja gleich zwei Leute mit dem Format für dieses Amt.

Der einzige «Makel» von Bruderer sei ihre Jugendlichkeit, nimmt Chopard zu erwartende Einwände vorweg. Aber gerade Frische könne so einem Gremium guttun. Zudem habe Bruderer schon langjährige Parlaments- und als Ratspräsidentin auch Führungserfahrung. Chopard: «Diese Blutauffrischung täte gut.»

Geradezu jugendlich wäre im Vergleich zum bestehenden Gremium selbst Urs Hofmann, findet Chopard. Er habe sehr viel politische und - als Regierungsrat - auch Führungserfahrung. Beide, so Chopard, «sind inner- und ausserhalb der SP getragen, respektiert und gut verankert».

Muss es eine Frau sein?

Die Geschlechterfrage ist für CVP-Nationalrätin Esther Egger sekundär. Wen würde sie denn favorisieren? Simonetta Sommaruga und Jacqueline Fehr seien sehr gut vernetzt und akzeptiert, aber es gäbe auch mögliche Kandidaten im Aargau, sagt auch Egger: «Urs Hofmann mit seiner langjährigen politischen und jetzt auch Exekutiverfahrung käme für mich sofort inf rage», sagt sie.

Und Pascale Bruderer erlebe zwar als Ratspräsidentin sehr hohe Akzeptanz, die fehlende Exekutiv- und Führungserfahrung sprächen jedoch gegen ein solches Amt. Wenn man über zwei Zürcher im Bundesrat diskutiert, könne man gerade so gut über zwei Aargauer(innen) reden, findet auch sie. Die Chance, dass der Aargau einen zweiten Sitz bekommt, erachtet Egger aber als sehr klein.

Eichenberger: Chance nicht gross

Auch FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger sagt spontan: «Ich könnte mir vorstellen, dass der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann dieses Amt gut ausüben würde.» Nachdem der Aargau mit Doris Leuthard bereits im Bundesrat vertreten ist, erachtet Eichenberger die Chancen einer Aargauer Kandidatur allerdings nicht als gross. Zumal auch, weil Bern momentan keinen Bundesrat hat.

In die Namensdiskussion noch nicht einklinken mag sich der grüne Nationalrat Geri Müller. Derweil ist es für SVP-Nationalrat Walter Glur «ganz klar in Ordnung», dass seine Partei versucht, den frei werdenden SP-Sitz zu erobern. Fällt die Wahl des Parlaments indessen erwartungsgemäss auf jemand von der SP, dann wäre für Glur «Urs Hofmann sehr fähig und der beste von allen». Von Pascale Bruderer, die das Ratspräsidium «extrem gut macht» (Glur), erwartet er, dass sie in einigen Jahren mehr Erfahrung mitbringe. Eigentliche Führungserfahrung fehlt ihm noch bei ihr.

Wer auch immer im Dezember 2010 das Rennen macht, für Dezember 2011 prophezeit Walter Glur schon jetzt «eine knallharte Ausmarchung», wollen dann doch SVP, FDP, SP und wohl auch CVP je zwei Sitze, die BDP ihren verteidigen und die Grünen einen Sitz erobern.

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