Lohndumping
Gewerkschaft-Hotels sollen weniger als 4000 Franken Mindestlohn bezahlen

In Hotels der Gewerkschaft Unia und dem Eisenbahnerverband sollen manche Angestellte nicht den von den Gewerkschaften propagierten Mindestlohn von 4000 Franken erhalten. Die Gewerkschaft Unia dementiert.

Fabian Muster
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Der von den Gewerkschaften geforderte Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat ist im eigenen Bereich nicht überall umgesetzt.

Der von den Gewerkschaften geforderte Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat ist im eigenen Bereich nicht überall umgesetzt.

Christoph Voellmy

Seit Wochen werben die Gewerkschaften für ihre Mindestlohn-Initiative, die einen Mindestlohn von 4000 Franken pro Monat oder 22 Franken pro Stunde fordert. Rund 440'000 Erwerbstätige in der Schweiz verdienten zu wenig, um von ihrem Lohn leben zu können, heisst es. Und nun plötzlich dies: Die von den Gewerkschaften betriebenen Hotels zahlen teilweise ihren Angestellten weniger als 4000 Franken, wie der «Tages-Anzeiger» in seiner Samstagausgabe schreibt.

Im Hotel Bern, das sich mehrheitlich im Besitz der Unia befindet, sollen laut Schätzungen des Direktors Philipp Näpflin rund 20 Prozent der Angestellten nicht 4000 Franken verdienen. Im Hotel Brenscino in Brissago TI, das dem Eisenbahnerverband SEV gehört, erreichen laut Direktor Martin Faes 10 bis 15 Prozent der Angestellten die von den Gewerkschaften propagierte Mindestlohn-Grenze nicht. Die Hoteliers betonen allerdings, den seit Anfang 2012 gültigen Gesamtarbeitsvertrag im Gastgewerbe mit Mindestlöhnen von 3400 Franken für Ungelernte respektive 3700 Franken für Angestellte mit einer zweijährigen Attest-Lehre einzuhalten.

Gewerkschaften reagieren unterschiedlich

Was sagen die Gewerkschaften dazu? «Wir befinden uns in einem Dilemma», sagt SEV-Sprecher Peter Moor gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Der Tourismus durchlebe zurzeit schwierige Zeiten. Leider habe der SEV im eigenen Bereich noch nicht überall einen Lohn von 4000 Franken durchsetzen können.

Die Gewerkschaft Unia hingegen dementiert die Vorwürfe in einem Communiqué von Samstag: Die Mindestlohn-Initiative fordert 4000 Franken auf Basis von 12 Monatslöhnen. Im Hotel Bern etwa gelte aber ein obligatorischer 13. Mindestlohn. «Bei 13 Monatslöhnen liegt der von der Mindestlohn-Initiative geforderte Lohn bei 3700 Franken.» Damit erreiche das Hotel Bern und auch das vom «Tages-Anzeiger» erwähnte Hotel Freienhof in Thun das von der Initiative geforderte Mindestniveau, heisst es weiter.

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