Kommentar
Gewaltexzesse als Sargnagel für das neue Fussballstadion

Die Gewaltexzesse schaden dem Sport in Zürich. Es ist nicht anzunehmen, dass die Stadtzürcher grosse Lust verspüren werden, das neue Fussballstadion zu bewilligen. Ein harter Durchgriff läge darum auch im Interesse der beiden Super-League-Clubs.

Pascal Hollenstein
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Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik NZZ-Regionalmedien

Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik NZZ-Regionalmedien

Mutmassliche FCZ-Fans bewerfen Sanitäter und Polizisten, die einem Schwerverletzten helfen wollen, mit Flaschen und Steinen. Was sich in der Nacht auf Sonntag mitten in der Stadt Zürich zugetragen hat, ist skandalös. Nicht zum ersten Mal nehmen so genannte Fussballfans in ihren Gewaltexzessen schwere Verletzungen oder sogar den Tod von Personen in Kauf. Die Liste der Gewalttaten insbesondere gegen Polizisten ist mittlerweile bedrückend lang. Man kann von Glück reden, hat es bisher keine Toten gegeben.

Was tun? Die neue grüne Polizeivorsteherin der Stadt Zürich, Karin Rykart, sei gefordert, heisst es in den Kommentaren der Zürcher Zeitungen. Wohl wahr. Das war indes auch ihr links-alternativer Amtsvorgänger Richard Wolff. Es wurden Kommissionen eingesetzt, es wurde geredet, geprüft. Leider scheint die neue Linke nicht resoluter zuzupacken als der alte Linke. Rykart hat zwar angekündigt, die Zürcher Polizisten nun mit so genannten Bodycams auszurüsten. Doch sonst verströmte sie statt Tatendrang Ratlosigkeit.

Gewiss, dass Zürich besonders unter der Gewalt der Fussballchaoten leidet, hat nicht nur mit politischem Versagen zu tun. Die Ausgangslage ist auch heikel, weil es dort zwei rivalisierende Super-League-Clubs gibt. Das Stakkato der Gewaltexzesse entzieht dem Fussball in Zürich allerdings das bisschen Rückhalt, den dieser Sport dort noch geniesst. Es ist nicht anzunehmen, dass die Stadtzürcher grosse Lust verspüren werden, das neue Fussballstadion zu bewilligen. Ein harter Durchgriff läge damit im Interesse der Vereine. Sie hätten es mit in der Hand, ihre Fans auf Linie zu bringen. Nicht jedes Spiel muss schliesslich vor Zuschauern ausgetragen werden.

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