Nach Rückmeldungen aus rund 90 Prozent der Wahllokale im Land hätten sich 40 Prozent der Stimmberechtigten an der Parlamentswahl beteiligte, teilte die Unabhängige Wahlkommission (IEC) mit.

IEC-Chef Fasel Ahmad Manawi sagte, 3,6 Millionen von 9 Millionen Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung könne sich nach Auswertung der verbleibenden Wahllokale aber noch ändern.

Ursprünglich hatte die IEC die Zahl der Wahlberechtigten mit 12,5 Millionen angegeben. Die Kommission hatte diese Zahl dann auf rund 10,5 Millionen gesenkt, was zu einer höheren Wahlbeteiligung führt. Bei den Präsidentschaftswahlen im August 2009 hatte die Wahlbeteiligung nach IEC-Angaben bei knapp 39 Prozent gelegen.

Hunderte Wahllokale geschlossen

Aus Angst vor Racheakten der Taliban gingen viele Afghanen nicht wählen. Die Islamisten haben unter anderem damit gedroht, Wählern den in Tinte getränkten Finger abzuschneiden.

Wegen der Sicherheitslage mussten am Samstag mehr als 1500 Wahllokale geschlossen bleiben. Die Stimmabgabe sei nur an 5355 Stellen möglich gewesen, teilte die IEC mit. Ursprünglich waren 6900 Wahllokale geplant.

Appell Karsais

Bei den Wahlen für das Unterhaus (Wolesi Dschirga) waren 68 der 249 zu vergebenen Mandate für Frauen reserviert, insgesamt bewarben sich 2500 Kandidaten. Afghanistan steht nun eine langwierige Auszählung der Wahlzettel bevor. Die Wahlkommission will am 9. Oktober ein vorläufiges Ergebnis und am 30. Oktober das amtliche Endergebnis verkünden.

Auf die Machtverhältnisse im Land, wo die wichtigen Entscheidungen in den Händen von Präsident Hamid Karsai liegen und die verschiedenen Stämme das politische Leben bestimmen, hat die Wahl aber wenig Auswirkungen.

Präsident Karsai hatte die Afghanen eindringlich aufgefordert, sich ungeachtet der Drohungen der radikalislamischen Taliban an dem Urnengang zu beteiligen.

Diverse Angriffe

Aus allen Landesteilen wurden Anschläge gemeldet, bei denen nach Regierungsangaben mindestens 42 Menschen getötet wurden, darunter 27 Aufständische. Beim schwersten Zwischenfall kamen in der nördlichen Provinz Baghlan sieben Sicherheitskräfte ums Leben.