Schweiz

Getötete Schweizer Geisel: Sie wurde jahrelang gemeinsam mit einer Französin gefangen gehalten

Vier Jahre lang warteten sie auf ein Wiedersehen: Sébastien Chadaud -Pétronin mit seiner Mutter Sophie Pétronin, die bis vergangene Woche in der Hand malischer Geiselnehmer war.

Vier Jahre lang warteten sie auf ein Wiedersehen: Sébastien Chadaud -Pétronin mit seiner Mutter Sophie Pétronin, die bis vergangene Woche in der Hand malischer Geiselnehmer war.

In Mali wurde die Schweizer Geisel Béatrice S. erschossen. Das Aussendepartement bestätigt nun: Sie hatte ihre Geiselhaft die meiste Zeit über mit der Französin Sophie Pétronin verbracht, die nun freikam. Warum konnte nur die Französin gerettet werden?

«Maman». «Maman». Immer wieder schreit ein Mann auf dem Flughafen von Bamako «Maman». Sébastien Chadaud-Pétronin schluchzt, schreit, freut sich, dass er seine Mutter endlich wieder in den Arm nehmen kann. Es sind herzzerreissende Szenen, die sich vergangene Woche im westafrikanischen Mali abgespielt haben.

Vier Jahre lang war die 75-jährige Sophie Pétronin Geisel von Dschihadisten, bis sie nun freikam.
Ihre Freilassung hat auch einen Bezug zur Schweiz: Pétronin war in Mali nicht nur für ein kleines, in der Schweiz angesiedeltes Hilfswerk tätig. Ihr Sohn kämpfte vom jurassischen Pruntrut aus für ihre Freilassung. Dort betreibt er ein Restaurant.

Für die Schweiz war Pétronins Rückkehr mit einer schlechten Nachricht verbunden: Erst über die 75-Jährige erfuhren die Behörden, dass die ebenfalls 2016 entführte Schweizer Geisel Béatrice S. vor rund einem Monat erschossen worden sei. Erstmals bestätigt das Aussendepartement nun, dass die Frauen die jahrelange Pein gemeinsam teilten. «Wie wir heute wissen, waren die beiden Frauen die meiste Zeit ihrer Gefangenschaft zusammen», hält ein Sprecher fest.

Zwei Geiseln, beide mit Bezug zur Schweiz. Nur eine kommt frei. Warum? Béatrice S. habe sich geweigert, einen Umzug mitzumachen, den die Dschihadisten geplant haben, hiess es in französischen Medien. Daraufhin sei sie weggeführt worden. Schüsse fielen.

Wurde Lösegeld bezahlt?

Nach wie vor bleiben die Hintergründe der Befreiung im Dunkeln – und die Frage, warum es nun nach Jahren plötzlich geklappt hat. Dies liegt auch an der unübersichtlichen politischen Lage in Mali. Seit kurzem ist eine Übergangsregierung im Amt. In französischen Medien spekulieren Experten, dass nicht in erster Linie westliche Verhandlungen zur Freilassung geführt haben.

Seit Frühling war auch der malische Oppositionspolitiker und frühere Präsidentschaftskandidat Soumaïla Cissé Geisel der Islamisten. Die malische Regierung sei unter grossem Druck gestanden, den bekannten Politiker freizubekommen. Gerüchteweise sollen zehn Millionen Euro Lösegeld bezahlt worden sein.

Zudem wurden Gefangene freigelassen, je nachdem wird die Zahl von 130 oder 200 genannt, darunter auch Islamisten. Beim Schweizer Aussendepartement betont man kategorisch: «Es fanden keine Verhandlungen statt.» Man habe zudem weder an das in Mali militärisch präsente Frankreich, noch an Italien ein Mandat erteilt. Auch zwei Italiener waren vergangene Woche freigelassen worden.

Französische Geisel erhielt bessere Behandlung

Pétronin, die in der Gefangenschaft zum Islam konvertierte, gab gegenüber französischen Medien an, gut behandelt worden sein. Sie habe etwa Vitamine erhalten - dank französischer Vermittlungstätigkeit. Dies lässt darauf schliessen, dass Frankreich mit den Entführern zwischendurch in Kontakt stand. Ob die Schweizer Geiseln auch eine solche Behandlung erhielt und es zu Kontakten kam, ist nicht bekannt. «Zu solchen Detailfragen äussern wir uns nicht», hält das Aussendepartement in Bern fest.

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