Gesundheitsdirektoren wollen Masern-Impfobligatorium prüfen

GDK will die Masern ausrotten

GDK will die Masern ausrotten

Schweizer Behörden schliessen eine obligatorische Masernimpfung nicht mehr aus. Fachleute setzen aber lieber auf Beratung und Eigenverantwortung. Und die impfkritische Gruppe AEGIS will ein Impfobligatorium auf keinen Fall akzeptieren.

Der Vorstand der Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) will eine Impfpflicht wegen der besorgniserregenden Lage bei der Verbreitung von Masern ins Auge fassen. Voraussetzung sei, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, ergänzte Generalsekretär Franz Wyss ein Communiqué.

Masern führten relativ häufig zu Komplikationen wie Hirnhautentzündungen oder zu Todesfällen, sagt Wyss. "Deshalb sollten wir den Effort machen und sie ausrotten." Eine Voraussetzung sei eine Durchimpfrate von 95 Prozent der Bevölkerung.

Auch für die GDK hätten Information und Kampagnen - zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) - Priorität. Voraussetzung ist, "dass sie doch noch Erfolg haben", sagt Wyss. Laut BAG liegt die Durchimpfrate derzeit bei 86 Prozent.

Das Bundesamt will den Vorschlag der GDK prüfen, wie Daniel Koch, Leiter der Sektion Übertragbare Krankheiten, ausführte. Landesweit anordnen könne das BAG eine Impfpflicht aber nicht. Gemäss heutigen Gesetzen liegt das in der Kompetenz der Kantone.

Die impfkritische Gruppe AEGIS (Aktives Eigenes Gesundes Immun-System) will sich einer Impfpflicht auf keinen Fall fügen, wie Sprecherin Anita Petek sagte. Komme der Zwang, was ja noch nicht sicher sei, werde AEGIS alle Mittel dagegen ausschöpfen. Vollständigen Schutz biete die Impfung nicht, kritisierte Petek.

Aber auch Ärzte sind skeptisch gegenüber einer Impfpflicht. "Sie wäre schwer durchzusetzen, und es gäbe wohl hochkochende Gegenreaktionen", sagte Silke Schmitt Oggier, stellvertretende Leiterin des Stadtzürcher Schulärztlichen Dienstes. Sie geht davon aus, dass bessere Überzeugungsarbeit eher zum Ziel führt.

Nebenwirkungen der Masernimpfung seien weniger gravierend als die von der Krankheit verursachten Todesfälle und Komplikationen, sagte Jacques de Haller, Präsident der Ärzteverbindung FMH.

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