Couchepin

Gesucht: Couchepins Thronfolger

Pascal Couchepin signalisiert offiziell noch keine Amtsmüdigkeit. Trotzdem diskutiert man in der FDP hinter vorgehaltener Hand über mögliche Nachfolger für den umstrittenen Magistraten. Im Kreis der Favoriten sind zwei Frauen und vier Männer.

Jessica Pfister

Pascal Couchepin ist keiner, der sich gerne in die Karten blicken lässt. Und erst gar nicht, wenn es um seinen Rücktritt als Bundesrat geht. So meinte der 67-Jährige Walliser anlässlich der Eröffnung des Abstimmungskampfes für die IV-Zusatzfinanzierung lakonisch: «Vielleicht ist es meine letzte Abstimmung, vielleicht die zweitletzte. Vielleicht aber auch die letzte vor der zweitletzten.» Auch in der Partei weiss niemand, wie aktuell der Rücktritt des ältesten Bundesrates im Amt wirklich ist.

Manche Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass Couchepin nach einem Sieg bei der IV-Abstimmung am 27. September seinen Rücktritt bekannt geben wird. Andere spekulieren wiederum, dass sich der Innenminister erst Ende Jahr verabschieden könnte - nach der Abstimmung über die Senkung des Umwandlungssatzes bei der zweiten Säule. Diese findet am 29. November statt. Eine dritte Gruppe glaubt hingegen, dass der Entscheid mit den nächsten zwei Abstimmungen nur wenig zu tun. Massgebend seien parteipolitische Überlegungen im Zusammenhang mit Bundesrat Hans-Rudolf Merz.

Trotz dieser Ungewissheit dreht sich bei der FDP bereits das Kandidatenkarussell. Vor allem bei den welschen Freisinnigen ist die Frage nach dem möglichen «Papabili» ein beliebtes Gesprächstehema. Denn: Tritt Couchepin allein zurück, wird sein Nachfolger auf jeden Fall aus der lateinischen Schweiz kommen (siehe Box).

Begrenzte Auswahl

Als aussichtsreichster Kandidat gilt der 48-Jährige Neuenburger Ständerat Didier Burkhalter. Bei den welschen Frauen fällt am häufigsten der Name Martine Brunschwig- Graf, die liberale Genfer Ex-Regierungsrätin.

Philipp Müller, Nationalrat (AG) und einer der drei FDP-Leuchttürme, rechnet die grössten Chancen allerdings für den Tessiner und Parteipräsidenten Fulvio Pelli aus. «Pelli ist überaus qualifiziert und ist in sachlichen Diskussionen nur schwierig zu übertrumpfen. Damit ist er ein idealer Bundesrat. » Angesprochen auf Pellis Plan, sich 2011 aus der Politik zurückzuziehen, winkt Müller ab: «Es würde mich sehr wundern, wenn Pelli kein Interesse mehr an diesem Job hat.»

Bald vier Frauen in der Landesregierung?

Noch häufiger als Burkhalter wird in freisinnigen Personaldebatten rund um den Bundesrat indes die St. Galler Justiz- und Polizeidirektorin Karin Keller-Sutter genannt. «Ich habe vier Jahre in der Asylpoltik mit ihr zusammengearbeitet und sie ist top», so Müller. Sie verfüge über eine immense Erfahrung und sei zudem ein Medienprofi. Dies ist sicher auch ein Grund, weshalb sie die FDP schon mehrmals in der «Arena» des Schweizer Fernsehen vertreten durfte. Als mögliche Nachfolgerin des Ostschweizer Finanzministers Hans-Rudolf Merz, der höchstens noch die laufende Legislaturperiode beenden will, ist die profilierte Ostschweizerin sowieso gesetzt. Die FDP könnte mit ihr indes schon nach dem Abgang Couchepins auftrumpfen. Dass es dann gleich vier Frauen in der Landesregierung wären, macht Müller keine Sorgen. «Unsere Partei ist zum Glück über die Gleichstellungspubertät hinaus.»

Noch kein Überraschungskandidat in Sicht

Parteikollege Otto Ineichen (LU) hat allerdings noch einen anderen Wunschbundesrat auf seiner Liste: den Unternehmer Johann Schneider-Ammann. «Ich schätze sein enormes Engagement. Er ist das beste Aushängeschild für die FDP.» Auch die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi ist von den Qualitäten Schneider-Ammanns überzeugt. Er sei ein Patron der alten Schule mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und einer tiefen Verbundenheit zur Schweiz. Ins gleiche Horn stösst der freisinnige Nationalrat Kurt Fluri (SO): «Als vorbildlicher, glaubwürdiger Macher ist er ein guter Bundesratskandidat.» Der abtretende Vizepräsident Ruedi Noser bringt noch einen letzen Kandidaten ins Rennen um einen zukünftigen Bundesratssitz: seinen Zürcher Kollegen Felix Gutzwiller. Gesellschaftspolitisch progressiv, eckt dieser zwar immer wieder an, etwa mit seiner Drogenpolitik. Doch gilt er auch als Meister der Kompromisse, weit über die Parteigrenzen hinaus.

Dass am Schluss noch ein völlig neues Gesicht auf der Bildfläche erscheint, wie es etwa bei der SVP mit Eveline Widmer-Schlumpf der Fall war, glaubt die Berner Nationalrätin Christa Markwalder nicht: «Ich wüsste da niemand Überraschendes aus dem Hut zu zaubern.» Und Ruedi Noser fügt hinzu: «Grundsätzlich haben wir in unserer Fraktion 47 potenzielle Bundesräte in unserer Fraktion, die Frage ist nur, wer diesen Job auch wirklich anstrebt.» Er gehöre zwar nicht unbedingt dazu, «doch wenn man mich anfragt, würde ich lügen, wenn ich sage, dass ich es mir nicht überlegen würde».

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